Die Leiterin der Flüchtlingsunterkünfte Michaela Oswald in einem der Zelte in Tutzing. Foto: Jaksch

Boss der Flüchtlinge eine Frau

Landkreis Starnberg - In den großen Feldafinger und Tutzinger Flüchtlings-Unterkünften hat eine Frau das Zepter in der Hand: Michaela Oswald.

Nur Männer befinden sich in der Feldafinger Flüchtlings-Unterkunft an der Koempelstraße. Geleitet aber wird sie von einer Frau: Michaela Oswald. „Chefin“ wird die 42-jährige gebürtige Starnbergerin genannt, oder auch „Boss“. Eine Frau als Chefin? Gelegentlich scheint sie sich selbst zu wundern, wie gut das klappt: „Wenn eine Frau sagt, was zu tun ist, dann funktioniert es erstaunlicherweise.“ Allerdings sei das für manche schon ungewohnt, sagt sie - weil Frauen in ihren Heimatländern nicht unbedingt so viel zu sagen haben. Aber sie seien alle auf Hilfe angewiesen: „Wir sagen ihnen, dass bei uns respektvoller Umgang miteinander nötig ist und dass sie auch uns zu respektieren haben.“

Bei Null anfangen musste Michaela Oswald aber nicht. Zwölf Jahre lang war sie Führungskraft in der Personaldienstleistung, in der Zeitarbeit, und auch dort, erzählt sie, habe sie viele männliche Mitarbeiter gehabt. Zugute kommen ihr auch andere Erfahrungen. Nach einer Ausbildung im Einzelhandel hat sie drei Jahre lang im Ausland gelebt und gearbeitet - in Ägypten, Jordanien, Israel, Westafrika, Kuba und Italien. In dieser Phase war sie vor allem im Tourismus tätig, als Reiseleiterin und Gästebetreuerin.

„Jeder Tag ist anders“, sagt die Lagerchefin, „und jeder ist eine Herausforderung.“ Man benötige eine gute Portion Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und Selbstbewusstsein. Für besonders wichtig hält sie es, eine gewisse Distanz wahren zu können, „freundlich, aber auch bestimmt“ zu sein. Natürlich komme es auch zu Streitereien. „Da versuchen wir, zu schlichten“, sagt sie, „wir wollen Schlägereien schon im Entstehen vermeiden.“ Ob das gelinge? „Meistens.“ Sehr positiv äußert sie sich über die vielen Helfer der Unterstützerkreise. Mit deren Koordinatorinnen in Feldafing und Tutzing ist sie regelmäßig in Kontakt. Vieles laufe wirklich gut, sagt sie, vom Deutsch-Unterricht bis zur Hilfe bei Einkäufen.

Mit Sicherheitsaufgaben, so etwa beim Veranstaltungsschutz, haben Michaela Oswald und ihr Lebensgefährte Tobias Geyer über Jahre Erfahrungen gesammelt. Bei dem mit der Betreuung der Flüchtlingslager beauftragten Unternehmen Jonas Better Place sind sie nicht angestellt, sondern quasi als Subunternehmer tätig. Geyer ist Fachkraft für Arbeitssicherheit. Menschen mit solchen Kenntnissen werden zurzeit wegen der immer größeren Zahl von Flüchtlingen dringend benötigt, sagt Michaela Oswald: „Es ist ja nicht so, dass wir auf einem Kindergeburtstag sind.“ Bei Jonas Better Place seien inzwischen viele externe Mitarbeiter tätig. Jeweils zwei sind es zurzeit tagsüber und nachts in Tutzing, in Feldafing drei nachts und tagsüber ebenfalls zwei.

Einige der Sicherheitsleute an diesen beiden Standorten haben selbst Migrationshintergrund. Recht bekannt ist schon Mambo Zola, ein Mann aus dem Kongo. Er ist seit 30 Jahren in Deutschland. Ein anderer stammt aus Afghanistan, auch er lebt schon länger in der Bundesrepublik. Solche ausländischen Mitarbeiter sind offenbar in vieler Hinsicht hilfreich.

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