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Ohne Dach am Bahnsteig in Starnberg (v.l.): Hubert Böck, Christiane Falk, Annette Ganssmüller-Maluche, Christoph Maier, Christiane Kern, Herbert Bengler, Elisabeth Fuchsenberger und Atai Omid. 

Auf Tour rund um München

SPD-Landratskandidaten fordern zweigleisigen Ausbau und mehr Barrierefreiheit im Landkreis Starnberg

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Von Gräfelfing mit der S-Bahn nach Starnberg, dann mit dem Bus nach Fürstenfeldbruck und weiter nach Dachau, Ebersberg und Freising: Die SPD-Landratskandidaten waren unterwegs rund um München, um ihre Konzepte für den ÖPNV vorzustellen.

Landkreis – Verspätung hatte die S-Bahn nur eine Minute, mit der sechs SPD-Landratskandidaten von Gräfelfing kommend gestern Vormittag in Starnberg ankamen. Unter dem Motto „Wir fahren öffentlich“ waren Christiane Kern (Starnberg), Annette Ganssmüller-Maluche (München-Land), Hubert Böck (Dachau), Omid Atai (Ebersberg), Herbert Bengler (Freising) und Initiator Christoph Maier (Fürstenfeldbruck) einen ganzen Tag lang mit öffentlichen Verkehrmitteln in der Region unterwegs, um ihrer Forderung nach einem zukunftsfähigen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Nachdruck zu verleihen.

Am Starnberger Bahnhof nahmen die Berger Gemeinderätin und Kreisrätin Elisabeth Fuchsenberger und die Fraktionsvorsitzende der Starnberger Stadtrats-SPD, Christiane Falk, die Gruppe in Empfang – und der Ebersberger Kandidat Atai bemerkte gleich: „Es geht also noch schlimmer als Poing“, was Christiane Kern mit einem „Deshalb habe ich ihn ausgewählt“ quittierte.

Aufzug wichtiger als Dach

Damit die Aspiranten auf das Amt des Landrates mit ihren Forderungen am derzeit unüberdachten Starnberger Bahnhof nicht im Regen stehen mussten, machten sie vis-à-vis im Bayerischen Hof Zwischenstation. Ein Bürger gab der Gruppe gleich mit auf den Weg, dass nicht die Überdachung, sondern die Barrierefreiheit an diesem Bahnhof oberste Priorität haben sollte, wodurch Kern gleich im Thema war. Das sei überfällig an einem typischen Ausflugsziel, an dem Menschen mit Fahrrädern, Kinderwähen oder im Rollstuhl ankämen. Ohnehin gebe es bislang im Landkreis nur sechs barrierefreie Bahnhöfe: Gauting, Possenhofen, Starnberg-Nord, Stockdorf, Tutzing und Herrsching.

„Wir leiden an den Folgen der autogerechten Stadt“

Um den ÖPNV generell attraktiver zu machen, müsse das fast tägliche S-Bahn-Chaos endlich ein Ende haben, von dem alle Kandidaten aus ihren jeweiligen Landkreisen ein Lied singen konnten. Dass viele sich das nicht täglich antun wollen, könne sie verstehen, sagte Landratskandidatin Kern. „Wir leiden an den Folgen der autogerechten Stadt“, ergänzte Kreisrätin Fuchsenberger. Zwar sei der Landkreis für einen ländlichen Raum schon gut erschlossen – in jeder Gemeinde fahre mindestens stündlich ein Bus –, es müsse aber mehr Geld in Züge, Strecken, Bahnhöfe und die technische Infrastruktur fließen.

Forderung: ÖPNV bis 18 kostenfrei, Haltepunkt Weichselbaum reaktivieren

Außerdem solle der ÖPNV bis zum 18. Lebensjahr kostenfrei sein, alle Bürger Anspruch auf ein 365-Euro-Jahresticket haben, nicht nur wie von den Grünen gefordert Azubis. Die Mobilität müsse über Mobilitätsstationen an allen Bahnhöfen besser verzahnt werden, damit der Fahrgast zum Beispiel nicht auf der letzten Meile mit dem Bus im Stau stehe – und deshalb die S-Bahn verpasse. Die Bus-Flotte müsse auf E-Mobilität und nachhaltige Antriebe umgerüstet werden, die S-Bahn bis Herrsching zweigleisig ausgebaut werden. Außerdem solle der Halt Weichselbaum reaktiviert werden, „weil in Gilching sehr viele aussteigen“, sagte Kern. Das würde die Verkehrssituation an der Station entzerren. Auch eine Express-S-Bahn mit Halt an den großen Bahnhöfen (Weßling, Gilching, Germering) könne sie sich vorstellen.

Kern sprach zudem über das Radwegenetz. Da gebe es im Landkreis noch Nachholbedarf. Zum Beispiel brauche es eine Art Fahrradautobahn von München nach Starnberg, die Sommer wie Winter genutzt werden kann.

CSU-geführte Landkreise machen laut SPD auf Bundesebene zu wenig Druck

Bei der Frage der Finanzierung der Ausbaumaßnahmen wurde es politisch. Der Freisinger Kandidat Bengler sagte, dass Bayern zwar die meisten Bundesmittel bekomme, aber „außer Straßen ist eigentlich nicht viel ausgebaut worden“.

Die CSU-geführten Landkreise machten auf Bundesebene zu wenig Druck beim Thema ÖPNV, sagte Ganssmüller-Maluche. „Erst im Landratswahlkampf tut sich was.“ Immerhin: Die wohl künftige Verkehrsministerin (Kerstin Schreyer, Anm. d. Red.) komme aus ihrem Landkreis, so Ganssmüller-Maluche. Das sähen ihre SPD-Bürgermeister als Chance, den Druck zu erhöhen – auch angesichts des massiven Zuzugs in den Großraum München.

Lesen Sie auch: Nach Jahrzehnten des Hin und Her geht in Hechendorf ein Wunsch in Erfüllung: Der Haltepunkt wird barrierefrei ausgebaut.

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