+
Ab ins All: Die russische „Dnjepr“-Trägerrakete startet mit dem Radarsatellit „Tandem-X“ vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. Es handelt sich um ein umgerüstetes militärisches Projektil, eine sogenannte Konversionsrakete – deswegen erfolgte der Start von einem Raketensilo aus. Der Satellit (siehe Simulation) soll nun drei Jahre lang die Erde vermessen.

Bayerischer Satellit misst die Welt aus

Oberpfaffenhofen - Aufatmen im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen: Der Radarsatellit „Tandem-X" hat seine Umlaufbahn erreicht. In drei Jahren soll die Erde komplett vermessen sein - und zwar dreidimensional. Ein einmaliges Projekt, heißt es.

Bilderbuchstart für ein ambitioniertes Projekt: Der deutsche Radarsatellit „Tandem-X" zur dreidimensionalen Vermessung der Erde hat die vorgesehene Umlaufbahn erreicht. Die russisch-ukrainische Trägerrakete Dnjepr mit dem 1,3 Tonnen schweren Satelliten an Bord hob am Montagmorgen um 4.14 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit planmäßig vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan zu ihrer Mission ab. Schon eine gute halbe Stunde danach wurden erste Signale empfangen und gesendet, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen mitteilte.

Zusammen mit seinem baugleichen Zwilling „Terrasar-X" soll „Tandem-X" drei Jahre lang die Erde umrunden und dabei Daten für das weltweit einzigartige dreidimensionale Modell in bisher unerreichter Genauigkeit sammeln. Die „Tandem-X"-Mission kostet insgesamt 165 Millionen Euro. Davon trägt das DLR 125 Millionen Euro, 40 Millionen kommen vom europäischen Raumfahrtunternehmen Astrium.

„Terrasar-X" liefert schon seit 2007 Daten aus dem All. Sie zeigten unter anderem die Geländeverschiebungen nach dem Erdbeben auf Haiti und nach dem massiven Tagebau-Erdrutsch in Nachterstedt in Sachsen-Anhalt.

„Tandem-X" und „Terrasar-X" werden nun die komplette Erdoberfläche von 150 Millionen Quadratkilometern dreidimensional vermessen. Aus den Daten soll binnen drei Jahren das digitale 3D-Modell der Erde entstehen. Deutschland werde damit über ein weltweit einmaliges Datenprodukt verfügen, hieß es. Die Genauigkeit beträgt drei bis fünf Meter - das Modell wird damit so detailliert sein wie kein anderes, das von einem Satelliten erstellt wurde. Die Daten können unter anderem zur Städteplanung, Geländenutzung oder in Katastrophenfällen verwendet werden.

Der Start von „Tandem-X" war zweimal verschoben worden, laut DLR einmal wegen Problemen mit einer Rakete und ein weiteres Mal wegen eines Sicherheitschecks. In einer Testreihe war zuletzt im Raumfahrttestzentrum des Technikdienstleisters IABG in Ottobrunn die Weltraumtauglichkeit des Satelliten geprüft worden.

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare