+
Die U.S. Navy - hier eine Aufnahme, die auf der USS Mahan entstanden ist - soll auf hunderttausenden Rechnern illegal die Software einer Entwicklerfirma aus Berg eingesetzt haben.

Software-Piraterie

Die 600-Millionen-Dollar-Klage

  • schließen

Berg - David gegen Goliath: Treffender ließe sich ein solcher Rechtsstreit wohl nicht beschreiben. Die Bitmanagement Software GmbH aus Berg verklagt die U.S. Navy. Streitwert: mehr als eine halbe Milliarde Dollar.

Zahlreiche Firmen sind in dem unauffälligen Gebäude an der Oberlandstraße in Berg untergebracht. Dass eine von ihnen gerade einen gigantischen Rechtsstreit mit der US-Marine begonnen hat, kann man kaum glauben.

Und doch ist es so. Die im Jahr 2002 gegründete Bitmanagement Software GmbH aus Berg hat offiziell Klage eingereicht. Der Vorwurf: Die U.S. Navy soll Testversionen einer in Berg programmierten Software hunderttausende Male installiert haben, ohne für die Lizenzen zu bezahlen.

Es handelt sich um das Programm „BS Contact Geo“, das – stark vereinfacht gesagt – digitale Inhalte aus Geoinformationssystemen dreidimensional aufarbeitet. Dadurch lassen sich Überflugsanimationen und Stadtmodelle erstellen. Für die US-Streitkräfte ein immens interessantes Programm, um eventuelle Einsätze vorzubereiten.

Strittig ist nun die Verwendung von Testversionen des Programms. Diese sind – wie der Name vermuten lässt – eigentlich dafür gedacht, eine Software auszuprobieren. Wenn diese Anwendung finden soll, muss die Lizenz für die Nutzung erworben werden.

38 Testmuster hunderttausendfach illegal kopiert

Die dem Starnberger Merkur vorliegende Klageschrift geht ins Detail. In den Jahren 2011 und 2012 habe Bitmanagement zugestimmt, der Navy die Installation seines Programms zu Testzwecken auf insgesamt 38 Rechnern zu gestatten. Um eine Erprobung zu erleichtern, wurden dafür bei den 38 Testlizenzen die sonst üblichen Begrenzungen des Nutzungsumfangs entfernt. Immer wieder hätten die Mitarbeiter des für die Beschaffung von Software zuständigen „Naval Facilities Engineering Command“ in Washington versichert, dass man interessiert an der Software sei. Im Jahr 2013 seien der Firma aus Berg dann E-Mails weitergeleitet worden, aus denen hervorging, dass die Software auf mittlerweile knapp 105 000 Navy-Computern installiert sei. Zudem wurde in einer weiteren Mail angekündigt, dass insgesamt mehr als eine halbe Million Rechner mit dem Programm aus Berg ausgestattet werden sollen.

Nachdem weitere Verhandlungen gescheitert sind, schritt die Firma zur Klage. Diese sorgt nun weltweit für Schlagzeilen. Dementsprechend kurz angebunden ist Geschäftsführer Peter Schickel am Telefon: „Die Kommunikation bezüglich des Rechtsstreits läuft ausschließlich über unsere Rechtsanwaltskanzlei in Washington.“

Anwälte suchen weiter einvernehmliche Lösung

Dan Berkovitz, Partner bei der von Bitmanagement eingeschalteten Kanzlei „WilmerHale“ gab sich gestern gegenüber dem Starnberger Merkur kompromissbereit: „Bitmanagement ist eine zwar kleine, aber in ihrem Geschäftsbereich führende deutsche Softwarefirma. Sie schätzt sehr die Möglichkeit, mit der U.S. Navy Geschäfte zu machen. Es ist aber offensichtlich, dass die Navy unsere kommerzielle Computer-Software kopiert und verteilt hat, ohne vorher eine Lizenzvereinbarung abzuschließen. Wir bedauern, dass es nötig geworden ist, Klage einzureichen, um unser Recht darauf, für unsere Software bezahlt zu werden, durchzusetzen. Dessen ungeachtet werden wir weiter nach einer einvernehmlichen Lösung suchen, die sowohl uns für die Nutzung unserer Software entschädigt als auch die Operationen unseres geschätzten Kunden unterstützt.“

Wie auch immer der Rechtsstreit ausgeht: Die Oberlandstraße in Berg ist ab sofort weltberühmt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bis zu 500 Euro für Kühlschrank
Landkreis - Die Kühlschrank-Tauschaktion geht in die Endphase - Anmeldeschluss ist der 31. Januar.
Bis zu 500 Euro für Kühlschrank
Kreissparkasse kassiert Negativzinsen
Landkreis – Es ist soweit: Die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg verlangt Zinsen für das Guthaben ihrer Kunden. Bislang sind aber nur die Kommunen betroffen.
Kreissparkasse kassiert Negativzinsen
Merkur-Fans von Andechs bis Australien
Landkreis – Die magische Grenze von 3000 Fans des Starnberger Merkur im sozialen Netzwerk Facebook ist geknackt. Mit Annette von Nordeck aus Pöcking klickte am Dienstag …
Merkur-Fans von Andechs bis Australien
Das interessierte unsere Internet-Leser am meisten
Das Jahr 2017 ist nun schon einige Tage alt. Zeit für eine kurze Rückschau. Was interessierte die Internet-Leser des „Starnberger Merkur“ am meisten? Ein kurzer Blick …
Das interessierte unsere Internet-Leser am meisten

Kommentare