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Das Altarbild "Die Geburt Christi mit anbetenden Engeln umgeben" soll bald wieder im Schloss hängen.

Kurioser Rechtsstreit

Bewohner klagen gegen dieses Altarbild

  • Nina Gut
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Possenhofen - Ungewöhnlicher Rechtsstreit: Bewohner klagen gegen dieses Altarbild in der Schlosskapelle Possenhofen. Hier erfahren Sie den Grund.

Kaiserin Elisabeth wird das riesige Altarbild, das einst in der Schlosskapelle von Possenhofen hing, gut gekannt haben. Ließ doch ihr Vater, Herzog Max in Bayern, das Gemälde über dem Altar der von ihm neu erbauten Kapelle anbringen. Nun soll es wieder so sein wie es früher war: Die Gemeinde Pöcking (Kreis Starnberg) möchte das Bild wieder im Gotteshaus aufhängen.

Doch das dürfte schwierig werden. Bewohner des Schlosses haben Angst vor dem Touristen-Andrang und wollen das Vorgaben verhindern. Deshalb klagen fünf von ihnen vor dem Verwaltungsgericht München.  Hintergrund des Streits ist ein mehr als 30 Jahre altes Vertragswerk. Damals wurde das Schloss Possenhofen in 27 Eigentumswohnungen umgewandelt. Die Gemeinde Pöcking ließ sich ein „dingliches Recht“ an dem Grundstück einräumen, das ein Nutzungsrecht vorsieht. Dieses will sie nun in Anspruch nehmen, um Kapelle und Bild der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das barocke Altargemälde „Die Geburt Christi mit anbetenden Engeln umgeben“ ist das bedeutendste Ausstattungsstück der Schlosskapelle aus der Hofmarks- und Herzogzeit. Es stammt vom Münchner Hofmaler Andreas Wolff. Hofmarksherr Johann Rudolf Freiherr von Wämppl erwarb es im Jahre 1700 für den Kapellenraum im ersten Stock des Schlosses. Herzog Max, der ab 1834 Herr von Possenhofen war, ließ es dann in der neuen Kapelle anbringen. Seit dem Umbau des Anwesens Anfang der 80er-Jahre galt das Altarbild als verschollen. Erst Jahre später tauchte es wieder auf. 2006 schenkte die Familie, die das Schloss von 1952 bis 1982 besaß, der Gemeinde Pöcking das Gemälde für die Schlosskapelle.

Doch Bewohner des Schlosses fürchten den Ansturm von Touristen, die in das kleine Gotteshaus strömen würden. Schon jetzt würden sich die Besucher im Frühjahr und Sommer vor dem Gebäude drängen – bis zu fünf Führungen an einem Wochenendtag. „Da sind Massenaufläufe vor der Tür“, klagt ein Bewohner, der auch eine Praxis im Schloss unterhält. „Ich brauche Ruhe für meine Patienten.“

Die Kläger sind der Ansicht, dass das Nutzungsrecht nichtig ist, und verlangen dessen Löschung aus dem Grundbuch. Denn der Vertrag aus dem Jahr 1982 sei gar nicht rechtens. Die Gemeinde habe die Bauherren damals „erpresst“, sagt ein Schlossbewohner. Im Gegenzug für das Baurecht habe sie sich 18 000 Quadratmeter Grund am See „unter den Nagel gerissen“.

Doch die Klage könnte bereits an der Zulässigkeit scheitern. Nach erster Einschätzung des Verwaltungsgerichts können einzelne Bewohner gar nicht klagen. Stattdessen müsste die Gemeinschaft der Wohnungseigentümer (WEG) prozessieren. Die Richter wollen nun noch einmal alle Urkunden prüfen, weil es sich um ein „derartig unübersichtliches Vertragsgeflecht“ handle.

Von Nina Gut

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