Junge Forscher: In Feldafing sollen Kinder frühzeitig an Naturwissenschaft und Technik herangeführt werden. Foto: mzv
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Junge Forscher: In Feldafing sollen Kinder frühzeitig an Naturwissenschaft und Technik herangeführt werden. Foto: mzv

Bildungsregion Feldafing

Feldafing - Feldafing möchte sich zu einer der kinderfreundlichsten Gemeinden in Bayern entwickeln. Der Rat hat daher entschieden, den Ort am Starnberger See zur „Bildungsregion“ machen zu wollen.

Fachkräftemangel und zu wenige Ingenieure - die technische Ausbildung der Kinder wird immer wichtiger. Dieser Meinung sind nicht nur Feldafings Gemeinderäte. „Wenn wir schon hier ansässig sind, warum sollten wir das dann nicht vor der eigenen Haustür machen“, sagte Dr. Heike Schettler, die das bundesweit tätige Unternehmen Science-Lab (siehe Kasten) vor acht Jahren gegründet hatte, in der Ratssitzung am Dienstag. In erster Linie gehe es darum, Naturwissenschaften und Technik mit den Kindern zu entdecken. In Nachmittagskursen sollen möglichst viele Lehrer, Erzieher sowie Buben und Mädchen erreicht werden. Schettler: „Anfangs wurde das kritisch beäugt, später stellte man schnell die Begeisterung fest, mit der Kinder forschen.“

Während die ehemalige Grundschulleiterin Karin Bergfeld (Frauenliste) das Konzept „außerordentlich“ begrüßte, da die Lehrpläne in technischer und naturwissenschaftlicher Hinsicht „seit Jahrzehnten sträflich vernachlässigt“ würden, gab Markus Hauser (Bürgergruppe) einen Erfahrungsbericht aus erster Hand: „Durch dieses Angebot ergibt sich ein nachhaltiger Effekt. Das ist keine Bespaßung, die kurz darauf wieder verpufft. Ich habe das bei meinen Kindern erlebt, die solche Kurse schon besucht haben.“

Heftige Kritik übte dagegen Toni Maier (Grüne), der Schettler zwar zu ihrer Geschäftsidee gratulierte, das Konzept aber als „billiges Event“ bezeichnete. In Zeiten immer dichter werdender Terminpläne, in denen der Nachwuchs ohnehin von einem zum nächsten Programm hetze, würden die Kinder nur noch mehr durchorganisiert und Fantasie, Kreativität, freies Spiel sowie die Beziehung der Kinder zu ihren Lehrern und Erziehern blieben auf der Strecke. Er sehe die Investition als „rausgschmissenes Geld“.

Mit zwei Gegenstimmen entschied der Rat dennoch, die Kosten für die abgespeckte Variante (eine Fortbildung im Kindergarten, zwei in der Grundschule sowie eine Tandem-Fortbildung Kindergarten-Grundschule) zu übernehmen (6300 Euro). Für eine erweiterte Version mit zusätzlichen Fortbildungen sowie Materialausstattung (12 216 Euro) sollen Sponsoren gewonnen werden.

„Wir wollen attraktiv für junge Familien werden. Da ist das eine kleine Investition mit vielleicht größerer Wirkung“, so Bürgermeister Bernhard Sontheim, der mit Bedacht zuerst im Gremium über dieses Thema diskutieren wollte, ehe die Träger der Einrichtungen gehört werden.

Von Thomas Kirmaier

Science-Lab wurde 2002 gegründet und ist eine unabhängige Bildungseinrichtung unter der Schirmherrschaft von Nobelpreisträger Prof. Erwin Neher. Sie verfolgt das Ziel, Kindern bereits im Alter zwischen vier und zehn Jahren den Weg zu naturwissenschaftlicher Bildung zu eröffnen.

Die Initiatoren versprechen eine praxisnahe und kindgerechte Methodik. Lehrer und Erzieher werden von Fachkräften geschult, um Wissen an die Kinder weiterzugeben. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Pädagogen mit Begeisterung dabei sind und Erlerntes sofort umsetzen wollen“, so Mitbegründerin Dr. Heike Schettler, Chemikerin und Mutter von zwei Kindern.

So werden mit den Buben und Mädchen Experimente durchgeführt in Themenbereichen wie Wasser, Luft, Magnete oder Stromkreise. Es wird erforscht, warum Fett schwimmt, welches Gewicht Luft hat oder wie ein Auto funktioniert. Erfüllen die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen einer Gemeinde gewisse Kriterien, kann sie das Zertifikat „Bildungsregion“ erwerben, mit dem beispielsweise auf Dokumenten geworben werden kann.

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