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Eine Probe vor Corona: So eng, wie die Musiker der Blaskapelle Pöcking auf diesem Archivfoto zusammensitzen, wird das wohl sehr lange nicht mehr möglich sein. Trotzdem freuen sich die Musiker darüber, dass es wieder losgeht. 

Nach Corona-Zwangspause

Blaskapellen voller Vorfreude: „Juhu, wir proben wieder!“

Seit dieser Woche dürfen die Mitglieder der Blaskapellen wieder ihre Instrumente auspacken und gemeinsam musizieren. Im Landkreis rüsten sich viele Musiker für kleinere Proben – andere warten ab, bis sie wieder in voller Besetzung antreten können.

Landkreis – Einen „Wiederanfang auf Raten“ nennt Sebastian Scheck den ersten Schritt in die Normalität der Bläser nach dem Shutdown. Der Vorsitzende der Blaskapelle Pöcking ist derzeit damit beschäftigt, die Probenräume coronagerecht umzugestalten und mit Desinfektionsmitteln auszustatten. Am nächsten Freitag kommen die Musiker das erste Mal zusammen – allerdings in mehreren Gruppen, denn mehr als zehn Kapellenmitglieder in einem Raum sind nicht erlaubt. Bei 50 aktiven Mitgliedern ist das eine Herausforderung. Aber die Pöckinger haben das Glück, dass sie sowohl die Räume im neuen Haus der Vereine als auch den alten Proberaum nutzen können. „Bei gutem Wetter kann eine Gruppe draußen proben“, sagt Scheck. Getroffen habe man sich bis dato nur in regelmäßigen Videokonferenzen. Immer im Chat dabei: das 80-jährige Gründungsmitglied Gerd Zingraff. Er habe darüber sinniert, dass er in den vergangenen 61 Jahren noch nie so lange habe auf die Proben verzichten müssen, erzählt Scheck.

Virtuelle Treffen organisierte auch die Stadtkapelle Starnberg – und als klar war, dass die Maßnahmen gelockert werden, jubelten einige „Juhu, wir proben wieder“, erinnert sich Vorstand Johannes Kreißl. Die Mitglieder überstanden die musikfreien Wochen unter dem auf ihrer Internetseite geposteten Motto: „Wir Musikanten, vereint durch Spiel und Gesang, sind verbunden – trotz Corona – ein Leben lang.“ Nachdem die Lockerungen beschlossen worden waren, legte sich der Vorsitzende und stellvertretende Dirigent für die gut 45 Musiker ins Zeug und ist gerade mit ein paar Helfern damit beschäftigt, Bodenmarkierungen anzubringen und im Probensaal Stühle zurechtzurücken. Die musikalische Leitung hat sich für Satzproben in Gruppen entschieden, die sich abwechseln. Das Jubiläumskonzert zum 40. Jahrestag, die geplante Reise in die Partnerstadt Dinard zu einem Bierzeltkonzert und den Umzug der Musiker durch New York im Rahmen des amerikanischen Oktoberfests mussten die Musiker schweren Herzens auf Eis legen. „Wir holen das im nächsten Jahr nach“, das hat Kreißl sich fest vorgenommen.

Hygienekonzept und regelmäßiges Lüften

Für Sarah Krinner war „dieser Neustart das Größte, das wir je organisiert haben“, gesteht die Vorsitzende der Blaskapelle Gilching. Damit verbunden waren ein vierseitiges Hygienekonzept für ihre 26 aktiven Spieler, Desinfektionsmittelkauf und schwarzes Klebeband auf den Böden. Um zu vermeiden, dass das regelmäßige Lüften nicht zu einer Anzeige wegen Lärmbelästigung führt, redeten die Musiker im Vorfeld mit den Nachbarn. Auch die Gilchinger mussten Konzerte absagen, aber glücklicherweise feiert der Verein seinen 40. Geburtstag erst 2021.

Die Blaskapelle Herrsching hingegen probt in der nächsten Zeit nicht, sondern übt sich in Geduld. „Unser Proberaum ist in der Schule, und dort dürfen wir noch nicht rein“, bedauert Vorstand Bruno Türk. Allerdings könnte man darin die Abstandsregeln eh nicht einhalten, und das Aufteilen der 15 Musiker in zwei Gruppen sei ebenfalls schwierig. „Es gibt natürlich Schlimmeres, aber schade ist es schon“, findet er.

„Wir warten ab, bis wir wieder regulär proben dürfen.“

Ähnlich drückt es Alexander von Dehn aus. Er ist Gründungsmitglied und der Vorsitzende der Blasmusik d’Aubachtaler aus Hechendorf und verzichtet auf Satzproben mit nur einem Teil der Truppe. „Wir sind 18 Leute und wollen die Freude am Musizieren miteinander teilen“, darüber sei man sich einig. „Wir warten ab, bis wir wieder regulär proben dürfen.“ Bei den ständig sinkenden Infektionszahlen hofft er, dass das spätestens im August wieder der Fall ist. Schade sei natürlich, dass schöne Auftritte wie das 40-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen Seefeld-Hechendorf und Gossensaß oder die Fahrzeugeinweihung der Feuerwehr ausfallen. Wenn es wieder möglich ist, planen die Hechendorfer, in den hiesigen Biergärten aufzutreten und damit die Wirte zu unterstützen. Veranstaltungen sind zwar ab Montag eingeschränkt erlaubt, wie die Bayerische Staatsregierung verkündet hat: Teilnehmen dürfen maximal 50 Zuschauer in geschlossenen Räumen und bis zu 100 Personen im Freien. Aber wenn die Aubachtaler nicht in voller Besetzung antreten können, mache das keinen Sinn, sagt von Dehn.

Maximal zehn Musiker erlaubt

Die Auflagen für das Durchführen der Proben sind übrigens eindeutig: Maximal zehn Musiker inklusive Dirigent in einem Mindestabstand von zwei Metern sind die Regel. Für alle Blasinstrumente und den Dirigenten gelten sogar drei Meter. Trommler und der musikalische Leiter müssen eine „Mund-Nasen-Bedeckung“ tragen, und die Querflötenspieler werden wegen „der höheren Luftverwirbelungen“ an den Rand der Probenden platziert. Alle 20 Minuten muss für zehn Minuten gelüftet werden, und auch für das Durchpusten der Instrumente gibt es Regeln: Das Kondensat muss mit Einmaltüchern aufgefangen und in geschlossenen Behältnissen entsorgt werden. Hygieneartikel wie Seife und Einmalhandtücher müssen ausliegen. Außerdem gilt: ein Musiker, ein Instrument. Untereinander tauschen ist untersagt, beim Verleih muss das Musikinstrument

desinfiziert werden.

Michèle Kirner

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