Flüchtlingskonzept gefordert

Landkreis Starnberg - Frust macht sich breit: Wie lange wird die Hilfsbereitschaft für Asylbewerber anhalten? Bei einem CSU-Treffen wurde gewarnt, dass die Stimmung kippen könnte.

Dr. Brigitte Kössinger, Gautings Bürgermeisterin, war sichtlich genervt. Bei einem Treffen von Kommunalpolitikern aus dem Landkreis Starnberg mit dem Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan klagte sie vehement über ein fehlendes Gesamtkonzept für die Flüchtlinge. Bei der Zusammenkunft im Feldafinger Hotel Kaiserin Elisabeth erhitzten sich am Flüchtings-Thema die Emotionen. Aktuelle Entscheidungen heizen die Diskussionen weiter an. Wie berichtet wird der Sportunterricht in der Turnhalle der Grundschule Inning mindestens für Wochen ausfallen, weil dort ein Notquartier eingerichtet wird.

Die Gautinger Bürgermeisterin hat den Eindruck, dass die Interessen Einheimischer wegen der Flüchtlingsproblematik mehr und mehr in den Hintergrund rücken. An den Schulen drohe die Stimmung zu kippen, sagte Kössinger, weil das für die Asylbewerber benötigte Geld von anderen Projekten abgezogen werde. Deutlich wurde auch der Kreisvorsitzende der Mittelstandsunion, Manfred Herz aus Gilching. „Kreuzbrave Bürger laufen Amok“, warnte er. Sie hätten Angst vor einem Wertverlust ihrer Immobilien. Zum Teil drohten Nachbarn bereits mit Klagen, bestätigte Landrat Karl Roth, und aus Geschäften seien Befürchtungen zu hören, dass die Kunden wegbleiben würden.“

Radwan konnte die Bedenken der Kommunalpolitiker nicht zerstreuen. Er stellte die Suche nach Wohnungen für die Flüchtlinge in den Vordergrund. Als Lösungsansatz nannte er die bundes- und landeseigenen Immobiliengesellschaften. Denkbare Flächen im Landkreis seien genannt worden. Roth hält sie aber nur bedingt für geeignet. Einige dieser Flächen befänden sich im Außenbereich, andere seien eher unpassend wie die Albers-Villa in Garatshausen.

Bisher scheint völlig offen zu sein, wo die zu erwarteten weiteren Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Der Markt sei erschöpft, sagte Roth. Größere Wohneinheiten auf Grundstücken an Ortsrändern seien vielleicht möglich, doch das müsse immer im Verhältnis zum jeweiligen Ort geprüft werden: „In Machtlfing geht es nicht.“ Der Verband Wohnen könnte bauen, sagte seine Vorsitzende, die Kraillinger Bürgermeisterin Christine Borst: „Wenn ihm günstige Grundstücke zur Verfügung gestellt würden - aber die Kommunen haben keine mehr.“

Beim Gespräch mit Radwan war nicht zu übersehen, dass sich die Kommunalpolitiker mit allzu allgemeinen Äußerungen ohne konkrete Lösungsansätze nicht mehr zufriedengeben wollen. Sie machten kein Geheimnis daraus, dass sie sich allein gelassen fühlen - sowohl finanziell als auch ideell. Auch bei den ehrenamtlichen Helferkreisen, warnten sie, drohe die Hilfsbereitschaft nachzulassen, wenn vom Staat nicht mehr Unterstützung komme.

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