Rund 100 Zuhörer in der Aula der CArl-Orff-Volksschule machten das große Interesse an den erweiterungsplänen der Molkerei Scheitz in Andechs deutlich. Foto: Jaksch

Hundertwasser-Turm: Eingestampfte Variante

Andechs - Der Gemeinderat Andechs hat für eine reduzierte Planung von Molkerei-Verwaltungsgebäude und Turm im Hundertwasser-Stil gestimmt. Der Turm darf jedoch nurmehr maximal 20 Meter hoch sein.

"Bitte stimmen Sie auch über die 20 Meter ab!“ Die Stimme von Barbara Scheitz, Chefin der Andechser Molkerei, klang dünn bei der außerordentlichen Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend in der Carl-Orff-Volksschule. Kurz zuvor hatten die Gemeinderäte es abgelehnt, mit einer maximalen Höhe von 24 Meter für den angedachten Hundertwasser-Turm auf dem Molkereigelände in die Bauleitplanung zu gehen. CSU, Bündnis 90/Die Grünen sowie Erasmus Höfler von der Bürgergruppe hatten für die 24 Meter gestimmt, die SPD sowie die übrigen Mitglieder der Bürgergruppe inklusive Bürgermeisterin hatten sich gegen die Höhe ausgesprochen. Acht gegen acht und damit abgelehnt, lautete der erste Beschluss. Eine Entscheidung, die Barbara Scheitz fast aus der Fassung brachte.

Eingestampfte Variante

Eingestampfte Variante
Eingestampfte Variante
Eingestampfte Variante
Eingestampfte Variante
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Mehr als zwei Stunden hatten die Räte zuvor mit Heinz Springmann, Hundertwasser-Architekt, und Christian Hartl, zuständig für den künftigen Betriebsablauf der Molkerei, über den neuen Entwurf für das Verwaltungsgebäude sowie den dazugehörigen Turm diskutiert. Rund 100 Andechser, darunter Landrat und ehemaliger Bürgermeister Karl Roth, verfolgten das gespannt. Die gesamte Sitzung über war klar: Den Bau eines Verwaltungsgebäudes im Hügelhaus-Stil samt Schaukäserei und die Umstrukturierung des Betriebsablaufs mit einer neuen, lärmneutralen Milchabtankanlage, in die die Lkw hineinfahren, sowie einen so genannten Medienkanal, in dem mit Gabelstaplern Produkte innerhalb des Betriebs transportiert werden, können sich alle Gemeinderäte vorstellen. Lediglich der Turm war Gegenstand der angespannten Diskussion.

Die CSU war sich einig: „Mir gefällt’s“, sagte Sebastian Roth stellvertretend. Und Georg Zerhoch meinte: „Jetzt haben wir die Möglichkeit, heimisches Gewerbe zu unterstützen.“ Walther Galli (Grüne) sah das mehr aus der architektonischen Sicht: „Gehen wir noch weiter runter, verliert das Gebäude an Charakter“, sagt er. Die Bürgergruppe hingegen berief sich auf den Wählerwillen: Eine Liste mit 134 Unterschriften von Andechser Bürgern gegen den Turm war bei der Gemeinde zuvor eingegangen (wir berichteten). Für Christine Hirschberger wäre der Turm zudem ein „gravierender Eingriff in das Ortsbild“. Die SPD befürchtete zusätzlich, dass mit dem Menschenansturm, den ein Hundertwasser-Turm auslösen würde, nicht umgegangen werden könne. Und auf die entsprechende Frage von Andreas Schöpf (SPD), wie mit sonntäglichen Besuchern umgegangen werde, gab es noch keine Antwort von den Planern. Letztendlich gab der Rat der Anregung der Molkereichefin statt: Sebastian Singer (BG) stellte den Antrag, auch noch über eine Turmhöhe von 20 Metern abzustimmen. Mit 13 Pro-Stimmen sprachen sie sich schließlich für den Aufstellungsbeschluss aus. Dagegen stimmten lediglich SPD und Bürgermeisterin Neppel.

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