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Das Mofa des Toten lehnt noch an einer Bank gegenüber der Wiese, in der der Mann auf schreckliche Weise ums Leben kam. Auch der Traktor mit dem Mähwerk steht noch an der Unfallstelle.

Feldafing: Rätsel um Mähwerk-Drama

War der Tote von der Wiese schwerhörig?

Feldafing - Erschütterung nach dem tödlichen Mäh-Unfall auf einer Wiese in Feldafing. Die Polizei hat die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen und recherchiert auch im Bekanntenkreis des Opfers.

Einen Tag nach dem furchtbaren Unfall in Feldafing (Kreis Starnberg), bei dem ein Landwirt einen schlafenden Mann auf einer Wiese mit einem Mähwerk erfasst hat, wird gerätselt, wie es zu der tödlichen Tragödie kommen konnte. Bekannt ist inzwischen, dass es sich bei dem Opfer um einen 66-jährigen Mann handelt, der im Diakoniedorf Herzogsägmühle (Kreis Weilheim-Schongau) zwischenzeitlich Obdach gefunden hatte.

Der Traubinger Feuerwehr-Kommandant Dr. Franz Matheis wundert sich vor allem darüber, dass der Peitinger nicht aufgewacht war, als sich der Traktor näherte: „Das Mähwerk macht einen Höllenlärm, wie ein Hubschrauber“, sagt er.

Der Landwirt sei mit seinem Traktor auf dem Feld gerade die erste Runde gefahren und bestimmt schon 600 bis 700 Meter unterwegs gewesen, als er den Schlafenden erfasste, erklärte Matheis. Wie berichtet, hatte es sich der Mann im hohen Gras mit einer Decke bequem gemacht, in die sich der 66-Jährige laut Matheis vor dem Unglück eingehüllt hatte.

Unglück bei Feldafing

Mähwerk erfasst schlafenden Mann

Am Morgen nach dem tragischen Tod des Peitingers stand der Unglücks-Traktor noch immer im Feld. Auch das Mofa des 66-Jährigen, mit dem er unterwegs gewesen war, lehnte noch an einer Sitzbank nahe der Unglücksstelle. „Für die Spurensicherung war das Mofa nicht relevant“, erklärt dazu Jürgen Weigert, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Nord. Es soll in den nächsten Tagen abgeholt werden.

Dafür, dass der Verunglückte seinen verhängnisvollen Schlafplatz möglicherweise nicht ganz nüchtern aufgesucht hatte, sprachen leere Bier-Flaschen, die am Donnerstag Früh ebenfalls noch neben der Parkbank standen. Die Obduktion des Toten ergab jedoch keinerlei Hinweise auf Alkohol oder Drogen, erklärte der Präsidiumssprecher. Um sicher zu gehen, gab die Kripo ein chemisch-toxikologisches Gutachten in Auftrag, dessen Ergebnis laut Weigert in drei bis vier Wochen vorliegen wird. Zudem wollen die Beamten durch Befragungen im Bekannten- und Familienkreis des Toten in Erfahrung bringen, ob der 66-Jährige möglicherweise schwerhörig war. Denn auch die Polizei kann sich noch nicht erklären, warum der Peitinger den herannahenden Traktor nicht bemerkt hatte. „Die Ermittlungen laufen weiter“, so Weigert.

Auch beim Bayerischen Bauernverband (BBV) zeigte man sich zutiefst erschüttert von dem Unfall. „Das ist sehr, sehr tragisch und furchtbar“, sagte BBV-Sprecherin Brigitte Scholz. „Die Landwirte gehen beim Mähen mit größter Vorsicht an die Arbeit“, versicherte sie. Eine Absperrung sei bei einer Wiese, durch die keine Wege führen, aber nicht erforderlich. Der Landwirt habe nicht damit rechnen können, dass dort jemand liegt. Die Wiese sei ist ja eine Privatfläche. Zudem sei das Gras einen Meter hoch gewesen. „Man mag sich gar nicht vorstellen, wie ein Landwirt mit einem solchen Unglück umgeht.“ Inzwischen ist klar, dass das Opfer lange in Herzogsägmühle, einer Einrichtung der Diakonie in Peiting, gelebt hat. Der Unfall sei „erschütternd und tragisch“, sagte ein Mitarbeiter unserer Zeitung. „Viele, die hier beschäftigt sind, kannten den Herrn relativ lange.“ Besonders auffällig sei er nicht gewesen. Er habe „immer wieder über längere Zeiträume hier gelebt“. Bald wollte er wieder in eine Wohnung in der Dorfgemeinschaft ziehen.

Von Jörg von Rohland, Marcus Mäckler und Claudia Möllers

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