Soll abgerissen werden: die Buchheim-Villa in Feldafing. Der Gemeinderat jedoch will sich den Plänen der Stiftung nicht so einfach beugen.   Foto: Andrea Jaksch

Wohnhaus des "Das Boot"-Autors

Gemeinderat will Buchheims Villa retten

Feldafing - Die Zukunft der Buchheim-Villa in Feldafing ist weiter unklar. Viele Gemeinderäte lehnen einen Abriss weiter ab. Vorerst hat die Gemeinde Neubauten einen Riegel vorgeschoben.

Lothar Günther Buchheim hätte seine Freude an der neuerlichen Diskussion im Gemeinderat, die sich aufgrund einer Bauvoranfrage der Stiftung Buchheim entzündete. Wie berichtet, hat die Stiftung vor, auf dem Grundstück der Buchheim-Villa zwei Wohnhäuser zu errichten, um über regelmäßige Einnahmen zu verfügen. Dabei ist vorgesehen, dass das Wohnhaus des Kunstsammlers abgerissen wird. Zweimal wurde bereits eine Bauvoranfrage wegen zu großer Bebauung abgelehnt – am Dienstagabend hatten die Räte zu entscheiden, ob über das Areal eine Veränderungssperre gelegt und damit Neubauten erstmal ein Riegel vorgeschoben wird.

Eva Klug (AUF) hatte auch den Antrag gestellt, für das Grundstück einen Bebauungsplan auf den Weg zu bringen, um den Erhalt der Villa Buchheims, der dort „intensivst“ gelebt und gewirkt habe, sicherzustellen. Die Gemeinderätin will Zeit gewinnen, um die Stiftung umzustimmen und vergleicht die Bedeutung des Hauses für Feldafing mit dem Villino, dem Thomas-Mann-Haus, das als letztes erhaltenes Haus auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände nun unter Denkmalschutz steht. Mit Thomas Mann hat das allerdings wenig zu tun. Das Villino ist ein Überbleibsel aus einer längst vergangenen Bebauung auf dem Areal und als solches schützenswert.

Die Aufstellung eines Bebauungsplanes mit einer Veränderungssperre für das Grundstück Buchheims könnte erhebliche rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, wie Rechtsanwalt Christoph Donhauser erläuterte. Es droht ein Normenkontrollverfahren mit einer Entschädigungsklage, die die Stiftung anstreben könne. Ein Aufstellungsbeschluss verhindere auch nicht zwingend den Abriss des Gebäudes, da die Gemeinde dazu verpflichtet sei, Planungen nicht zu verhindern. Um den Erhalt der Villa juristisch abzusichern, müsste das Gebäude ortsprägend und von besonderer städtebaulicher Bedeutung sein – Kriterien, die einer Auseinandersetzung wegen einer fehlenden städtebaulichen Satzung kaum standhalten dürften. Für das Denkmalschutzamt hat das Gebäude jedenfalls keine Relevanz.

Knappe Mehrheit für Antrag

Dr. Stephanie Kaufmann-Jirsa (FDP) war das Prozessrisiko zu hoch. „Das überschreitet die Kompetenzen der Gemeinde“, betonte sie mehrfach. Entscheidend ist für sie, dass der Kunstsammler selbst nichts über die künftige Nutzung seines Wohnhauses im Testament verfügt habe. Nandl Schultheiß (CSU), eine Nichte Buchheims, gab dagegen zu bedenken, dass der Boot-Autor das Haus als Kunst- und Künstlerort erhalten wollte. „Buchheim war zu arrogant, um sich vorstellen zu können, dass jemand auf die Idee kommt, das Haus abzureißen. Ich weiß, dass es sein Wille war, dass da Künstler reingehen.“ Für Anton Maier (Grüne) wäre der beste Kompromiss, dass der Bauwerber den Erhalt der Villa in seine Planungen einbezieht.

Die Räte befürworteten mit einer Stimme Mehrheit den Antrag von Evi Klug. Der Bebauungsplan wird weit über das Buchheim-Grundstück hinaus greifen, um die Innenentwicklung entlang der Johann-Biersack-Straße planerisch festzulegen. Zur Sicherung der Bauleitplanung wurde die Veränderungssperre einstimmig beschlossen, denn „ohne Druck kann man mit den Herren von der Stiftung nicht sprechen“, so Schultheiß.

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