Baukontrolle auf dem Fußballplatz: Die Merkur-Mitarbeiter Anton Dreher und Daniel Wagner haben sich im Baumarkt ausgerüstet und auf neun Anlagen im Landkreis Tore gemessen.

Wembley ist überall

Sind die Tore auf dem Fußballplatz regelkonfrom?

Starnberg - Der Ball muss ins Tor. Aber wie groß ist das eigentlich? Und sind die Fußballtore auf den Plätzen wirklich regelkonform? Zwei Mitarbeiter des Starnberger Merkur haben in ihrem Landkreis nachgemessen.

Fußball-Weltmeisterschaft 1966. Im Finale steigt das große Duell Deutschland gegen England. Die Partie wird durch das legendäre Wembley-Tor zum 3:2 für England in der Nachspielzeit entschieden. Am Ende siegt der Gastgeber mit 4:2. Über den umstrittenen Lattentreffer diskutieren Millionen knapp ein halbes Jahrhundert später noch an Stammtischen, in Kabinen und Vereinsheimen. Aber wie hoch hängt der Querbalken eines Fußballtores eigentlich?

„Der Abstand zwischen den Innenkanten der Pfosten beträgt 7,32 Meter. Die Unterkante der Querlatte ist 2,44 Meter vom Boden entfernt.“ So steht es im offiziellen Regelwerk des DFB geschrieben. Im Landkreis Starnberg ist das jedoch nicht überall so. Beweis gefällig?

Anton Dreher und Daniel Wagner

Drei Merkur-Redaktionsmitglieder machen sich an einem trüben Nachmittag auf. Die Mission: Tore messen. Erste Station ist der Baumarkt mit dem Biber. Gekauft wird ein professionelles Acht-Meter-Maßband für schlappe 17 Euro. Das ist uns die Recherche schon wert. Schließlich wollen wir’s genau wissen. In den nächsten Stunden führt uns die Reise über Gauting und Pentenried nach Gilching, Seefeld, Herrsching, Erling, Tutzing, Pöcking, Berg und zurück nach Starnberg. Quasi einmal von Süd nach Nord und von West nach Ost - überall dorthin, wo die Turn- und Sportvereine, die Sportclubs und Freien Turner der Region zu Hause sind. Und es wird zentimetergenau nachgemessen: die Breite sowie die verschiedenen Höhen rechts, links und in der Mitte.

Es dauert nicht lange und uns fällt auf: Die Breite stimmt schon ziemlich genau, denn nirgendwo ist ein Tor (Neupreis: rund 1000 Euro) breiter als 7,33 und schmäler als 7,31 Meter. Das passt. Aber die Höhen? Da wird’s abenteuerlich. Und das hat Gründe: „Das liegt an den Alu-Hülsen, in denen die Pfosten im Boden stecken. Wenn der Untergrund zu locker wird und die Hülsen absinken, kann das Tor niedriger werden“, sagt Heinz Eckl. Der Vorsitzende des Fußball-Kreises Zugspitze erklärt, dass der Platzaufbau Sache der Vereine ist - und dazu gehören auch die Tore, die eben nicht überall gleich hoch sind.

„Absinken können die Pfosten eigentlich nicht, wenn ein ordentliches Betonfundament vorliegt und die Querschrauben fest sitzen“, so eine Sprecherin der Firma Artec Sportgeräte aus Melle bei Osnabrück, die Tore auch nach Oberbayern und einigen Vereinen im Landkreis Starnberg verkauft.

Zurück zu unseren Messungen: Beim Gautinger SC liegen die Tore neben dem Rasen. Die Breite ist mit 7,32 Metern optimal. Zweiter Stopp in Pentenried: Die Breite der beiden Tore auf dem Hauptplatz ist nah dran an den vorgeschriebenen 7,32 Metern, aber die Höhe bewegt sich zwischen 2,37 und 2,39 Metern - zu tief. Besser schaut es auf dem Kunstrasenplatz des TSV Oberalting-Seefeld aus. Die Tore sind 7,33 bzw. 7,31 Meter breit und 2,42 bzw. 2,43 Meter hoch. Befriedigend.

Ein Tor der FT Starnberg 09 ist niedriger, als vorgegeben

Ein Tor der FT Starnberg 09 ist 17 Zentimeter niedriger als vorgegeben, was mit dem bloßen Auge kaum erkennbar ist.

Der erste Ausreißer dann in Herrsching. Da die Gestänge des Hauptplatzes auch liegen, messen wir auf dem Nebenplatz; Ergebnis: Die beiden Tore sind in der Mitte (2,32 bzw. 2,33 Meter) nicht nur zu niedrig, sondern auch niedriger als rechts (2,35) bzw. links (2,36). Alles im Lot ist dagegen auf dem Kunstrasenplatz des TSV Erling-Andechs. Die Maße der Tore sind perfekt. Nicht dagegen beim TSV Tutzing. Wer im Würmseestadion den Ball unters Dach des Tores schießen möchte, sollte immer in die Ecken zielen. Denn dort hängt die Latte mit 2,35 (rechts) und 2,36 (links) Zentimeter ein gutes Stück höher als in der Mitte (2,30), allerdings immer noch zu tief.
Wenig Außergewöhnliches gibt es im Pöckinger Sportpark sowie auf Bergs neuem Kunstrasen, wo alles im grünen Bereich ist. Spannender wird es dagegen wieder an der Starnberger Ottostraße. Das vom Clubhaus aus rechte Tor des Hauptplatzes hat eine sagenhafte Höhe von 2,27 Metern in der Mitte. Wir erinnern uns: Das sind 17 Zentimeter weniger als offiziell vorgeschrieben. „Schon ein grober Mangel“, poltert Eckl.

Das ist aber kein Einzelfall, denn wie uns Franz Pölt verrät, habe ein Schiedsrichter in der Vorrunde der laufenden Saison tatsächlich zweimal nachmessen lassen. Pölt, Vorsitzender des Kreissportgerichtes Zugspitze, erklärt, dass diese Fälle auf seinem Schreibtisch landeten. „Das wird angezeigt als ,nicht ordnungsgemäße Platzherrichtung‘, und die betroffenen Vereine bekommen einen Hinweis“, so Pölt. Im Wiederholungsfall sei sogar eine Strafe möglich. Ein Fall, in dem eine Mannschaft wegen eines falschen Tores Einspruch eingelegt hat, ist dem Sportgerichts-Vorsitzenden jedoch nicht bekannt.

So zehn, 15 Zentimeter können schon entscheidend sein in einer engen Partie. Man stelle sich das bloß mal für Wembley 1966 vor. Wäre der Querbalken dort nur einen Zentimeter tiefer gewesen, hätte Geoff Hurst in der Verlängerung des WM-Finales wohl die Latte getroffen. Wäre er dagegen nur einen Zentimeter höher gewesen, hätte es Millionen von Stammtisch-Debatten nie gegeben.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neuer Landrat Stefan Frey:Von einem Krisenjob in den nächsten
Noch betreibt Stefan Frey Krisenkommunikation im Innenministerium. Ab Mai muss der neu gewählte Landrat dann den Landkreis durch schwierige Zeiten führen. Um sich …
Neuer Landrat Stefan Frey:Von einem Krisenjob in den nächsten
Kommunalwahl 2020 im Landkreis Starnberg: Hier müssen die Bürgermeister-Kandidaten in die Stichwahl
Die Bürgermeisterwahl 2020 im Landkreis Starnberg wird spannend. Hier finden Sie einen Überblick über Gemeinden und Kandidaten bei der Kommunalwahl.
Kommunalwahl 2020 im Landkreis Starnberg: Hier müssen die Bürgermeister-Kandidaten in die Stichwahl
Mundschutz-Not und Reservetruppen: So ist die Lage in den Pflegeheimen
Pflegekräfte im Landkreis Starnberg kommen mit den besonderen Bedingungen in Corona-Zeiten bisher relativ gut zurecht. Sorgen bereitet aber vor allem die Knappheit der …
Mundschutz-Not und Reservetruppen: So ist die Lage in den Pflegeheimen
Hilfe für die Ärmsten der Armen
Die Tafeln im Landkreis sind wegen der Corona-Krise geschlossen. Das trifft die Kunden der Lebensmittelausgaben besonders hart. Viele Tafeln haben daher ein Notprogramm …
Hilfe für die Ärmsten der Armen

Kommentare