Voller Saal im Rathaus: An die 100 Sympathisanten des Schlosscafés demonstrierten schon vor der Sitzung und im Sitzungssaal gegen die geplante Schließung. Jürgen Schade (vorn, M.) hatte Listen mit rund 600 Unterschriften dabei. Foto: SvJ

Aus für Gautinger Schlosscafé

Gauting - Büros statt Café: Das Gautinger Schlosscafé zu Büros. Mit dieser baurechtlichen Entscheidung hat der Gautinger Rat am Dienstagabend das Aus für das Café beschlossen. Die Volksseele kocht.

Das Schloss im Herzen der Würmtal-Gemeinde, das auf Kosten der Gemeinde vor Jahren saniert und seit rund zehn Jahren an die renommierte Werbeagentur Engel und Zimmermann vermietet ist, wird fast komplett zu einer Gewerbeimmobilie. Bisher hatte dort das durch eine ganze Reihe von Kulturverstaltungen bekannte Schlosscafé seinen Sitz. Da sich die Agentur vergrößern will, hatte sie den Untermietvertrag mit den Café-Betreibern gekündigt. Und den Vertrag mit der Gemeinde gleich mit, um über eine Nutzungsänderung verhandeln zu können. Ohne die räumliche Erweiterung, hatte die Agentur im Vorfeld klargemacht, würde sie Gauting Richtung München oder Starnberg verlassen.

Am Dienstagabend nun - 24 Stunden vor der Bescherung - musste der Gautinger Gemeinderat über die Nutzungsänderung entscheiden. Und damit über die Zukunft des Cafés ingesamt. Mit 17 gegen drei Stimmen sprach sich die übergroße Mehrheit für die Expansion der Agentur aus. Georg von Aretin (CSU): „Engel und Zimmermann ist seit zehn Jahren ein verlässlicher Partner. Es ist ein Gewerbe, wie wir es uns wünschen.“ Heißt: Ruhig, kein Verkehr – und es bringt Steuereinnahmen. So sah es die Mehrheit.

Mindestens 600 Gautinger sehen das grundlegend anders. So viele hatten nämlich innerhalb der vergangenen drei Wochen auf Listen der Initiative "Rettet das Schlosscafé" um den ehemaligen SPD-Gemeinderat Jürgen Schade unterschrieben. Die Listen übergab Schade in der Sitzung an Bürgermeisterin Brigitte Servatius und machte nochmals deutlich, dass die Bürger übergangen würden. An die 100 Mitstreiter Schades demonstrierten mit Spruchbändern und Transparenten vor dem Rathaus und während der Sitzung für den Erhalt des Cafés.

Wie der Rat über den eigentlichen Mietvertrag abgestimmt hat, ist noch nicht bekannt - Veträge dieser Art werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt. Die Nutzungsänderung jedoch besiegelt das Aus für das Café, dessen Mietvertrag Ende 2009 ausläuft.

Damit dürfte das Schicksal des Kultur-Treffpunktes besiegelt sein. Ob die Initiative weitere Schritte einleitet - theoretisch denkbar wäre ein Bürgerbegehren - ist noch offen.

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