Exkursion auf dem Grundlerhof: Paul Grundler zeigt den Gästen auch das elektrische Zweitauto der Familie. Den Strom dafür liefern die Kollektoren vom Hausdach. foto: svj

Gelebte Energiewende

Wörthsee - Für den Grundlerhof in der Gemeinde Wörthsee ist die Energiewende überhaupt kein Problem. Er hat sie bereits vor 20 Jahren eingeläutet.

Ist die Umstellung auf alternative Energien nur etwas für Idealisten? Nein, sagt Bio-Landwirt Paul Grundler. Im Gegenteil, sie lohne sich. Der Familienbetrieb fällte vor rund 20 Jahren eine für damals ungewöhnliche Entscheidung: Die herkömmliche Ölheizung wich einer Hackschnitzelheizung, die fortan CO2-neutral heizte - und das, obwohl der Heizöl-Preis seinerzeit umgerechnet bei nicht ganz 25 Cent lag.

„Das war auch eine rein wirtschaftliche Rechnung“, erläuterte der Diplom-Ingenieur auf einer vom Landratsamt organisierten Führung durch seinen Hof, die am Freitag den zweiten Land-Energie-Tag abschloss. Den Brennstoff lieferte der heimische Wald. Seit geraumer Zeit baut er auf eigenen Ackerflächen sogenannte Kurzumtriebs-Plantagen oder Energiewälder mit schnellwachsenden Pappeln an. Die Ernte holt der Landwirt in vier bis sechs Jahren ein. Gehäckselt wird in Frieding.

Ein Kern-Thema der Veranstaltung war laut Klimaschutzmanagerin Josefine Anderer-Hirt die sogenannte „Wärme-Belegungs-Dichte“, also die Wärmeversorgung mehrerer Abnehmer mittels eines Nahwärmenetzes. Auch in dieser Hinsicht ist der vorgestellte Betrieb beispielhaft, denn seit der vor fünf Jahren erneuerten Heizung beliefert er unter anderem die Nachbarschaft und somit insgesamt rund 2000 Quadratmeter Wohnfläche mit Wärme. Das ist Teil einer gelebten „regionalen Energiewende“. Vor acht Jahren kam die erste Fotovoltaikanlage hinzu, die um mehrere Anlagen erweitert derzeit eine Spitzenleistung von 115 kW erzielt.

Beim Kauf achtete die Familie auf Regionalität: Produziert sind die Module in Landsberg und eingebaut hat sie ein geprüfter Solarteur aus Inning. Hochwertige Qualität, die sich bewährt, sagt Grundler. Ganz im Sinne der Energiewende fiel auch die Wahl auf ein elektrisches Zweitauto, um das die vierköpfige Familie vor zwei Jahren nicht mehr herumkam. Den Strom liefern vornehmlich die Kollektoren auf dem eigenen Dach. „Die Batterie hat nach zwei Jahren noch nicht an Leistung verloren“, relativiert der 44-Jährige eines der zahlreichen Vorurteile.

Heute versorgt sich der Grundler-Hof fast zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Dieses „schlüssige Gesamtkonzept“ zeichnete der Landkreis Starnberg bei der Vergabe des Energiepreises 2013 mit dem 1. Platz aus und lobte die „gute Übertragbarkeit und Vorbildfunktion“. Für die Zweifler und Haderer hat Grundler einen Satz parat: „Grundsätzlich ist alles ein guter Ansatz. Wir zerschießen die Energiewende, indem wir uns ein Problemkreis herauspicken und aufblasen.“ Sein Fazit: Die Energiewende lohnt sich.

Weitere Infos:

Der Grundlerhof präsentiert sich im Internet unter: www.grundlers.de.

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