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Ein Traum, würde der bayerische Golfspieler sagen: Insbesondere durch Golf-Angebote – im Bild eine Spielerin auf dem Platz Gut Rieden – sind die Übernachtungszahlen 2019 im Kreis auf Rekordniveau gestiegen.

Region StarnbergAmmersee

Golf-Urlauber bringen Tourismusrekord

Der Tourismus im Landkreis Starnberg hat im Jahr 2019 alle Rekorde gebrochen. Erstmals wurden deutlich mehr als eine Million Übernachtungen verzeichnet. Die Marketingkonzepte der gwt gehen auf, die auf Tagungen und Golf setzen. Sisi und Ludwig sollen für das nächste Wachstum sorgen.

Landkreis– Christoph Winkelkötter, Chef der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis Starnberg (gwt), ist kein hochaktiver Golf-Spieler. Doch er weiß ebenso wie sein Kollege Klaus Götzl, was Golfer wollen: Schöne Plätze, hochwertige Ausstattungen, tolle Landschaften, eine Weltstadt vor der Tür, mithin hohe Qualität – den Landkreis Starnberg oder, wie es im Tourismus heißt, die Region StarnbergAmmersee. Deswegen wirbt die gwt gezielt um Golfer, in der Schweiz ebenso wie derzeit auf der Messe „Hanse Golf“ in Hamburg. Wachstum bei Golf-Reisen ist ein Grund, warum die Region 2019 alle Rekorde gebrochen hat und zu den drei bayerischen Tourismusregionen mit den höchsten Zuwächsen gehört.

Die reinen Zahlen, wie sie das Statistische Landesamt vor wenigen Tagen veröffentlicht hat und die sich, wie berichtet, bereits vor einigen Wochen abzeichneten: Im Landkreis wurden bei Hotels und Pensionen mit mehr als zehn Betten 821 857 Übernachtungen gezählt, sieben Prozent mehr als 2018. Dazu kommen die Übernachtungen in Ferienwohnungen und kleineren Pensionen. In der Summe, sagt der Tourismusverantwortliche Klaus Götzl, seien es 1,2 Millionen – erstmals mehr als eine Million. „Deutschland-Urlaub ist gefragt“, sagt er, was unter anderem an Problemen in Urlaubsländern wie Türkei oder Tunesien liegt, aber auch an der so genannten Flugscham aus Klimaschutzgründen. Die Region StarnbergAmmersee profitiere natürlich vom auch beim Tourismus boomenden München, aber nicht nur.

Zum Teil werden Abschlüsse auf Messen gemacht

Tagungen sind ein wichtiger Punkt, der in die Statistik einfließt, aber mit Urlaub eher wenig zu tun hat. Golf ist der zweite Schwerpunkt, schließlich ist die Golfplatzdichte im Landkreis so hoch wie nirgends sonst. Und das gefällt zunehmend Besuchern, auch aus dem Ausland. Wenn gwt-Vertreter in Zusammenarbeit mit Hotels wie dem „Kaiserin Elisabeth“ aus Feldafing auf Messen präsent sind, steigen danach Buchungszahlen. Da inzwischen die meisten Vermieter auch online buchbar sind – dafür setzt Götzl zwei Mitarbeiterinnen als Berater ein –, lässt sich das genau ablesen: Messe in Stuttgart – mehr Buchungen aus Stuttgart. Grüne Woche in Berlin – steigende Buchungszahlen aus der Hauptstadt. Golfmesse in Zürich – mehr Schweizer im Landkreis. Zum Teil werden Abschlüsse auf den Messen gemacht, was ungewöhnlich ist. Online-Buchungen sind auch ein Grund für die steigenden Zahlen. „Es macht sich bemerkbar“, analysiert Götzl, unter anderem an Wochenenden, wenn die Leute Zeit haben, sich ein Hotel zu buchen.

Geschichte soll nächstes Zugpferd werden

Götzl und Winkelkötter wollen neben Golf Geschichte verstärkt nutzen – die Geschichte von Sisi und König Ludwig. Letzterer, der Märchenkönig, prägte den Marken-Teilbegriff „märchenhaft“ für den Kreis. Und obwohl Possenhofen mit dem Museum Teil der Sisi-Straße durch sechs europäische Länder ist und im Herbst Städte an der Straße (wie Wien, Bad Ischgl, Gödöllö oder Genf) in Feldafing tagen wollen, kommt das Marketing-Traumpaar in Angeboten mehr am Rande vor. In Berg beispielsweise sieht Götzl für Angebote zu König Ludwig noch Luft nach oben, etwa in Form von Führungen oder Touren in Verbindung mit Possenhofen. Was übrigens auch immer wirkt auf Messen, sind Käse aus Andechs, Bier und andere Genüsse.

Manches im Tourismus können selbst die Profis nicht erklären. Etwa, dass die Zahl von Übernachtungen von Besuchern aus Polen um satte 170 Prozent zugenommen hat (auf rund 8000). Werbung macht die gwt dort bisher nicht, und Arbeiter allein können es nicht sein. Die meisten ausländischen Besucher kommen aus der Schweiz, viele wegen Golf; auf Platz zwei liegt Österreich, auf drei die USA. Rund 84 Prozent der Übernachtungsgäste kommen aus dem eigenen Land – 2019 waren es so viele aus Deutschland wie 2015 insgesamt. Und selbst aus dem am weitesten entfernten Land Neuseeland kommen Gäste in die Region – 105 war en es.

Knapp zwei Prozent der Wirtschaftsleistung kommen aus dem Tourismus

Nach gängigen Berechnungen steuert der Tourismus – ohne Tagesbesucher – damit rund 110 Millionen Euro zur Wirtschaft im Kreis bei, was knapp zwei Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht. Etwa 2,5 Prozent, rechnet Götzl vor, bleiben erfahrungsgemäß als Steuereinnahmen bei den Gemeinden. Das sind demnach fast drei Millionen Euro.

Lesen Sie auch: Schon in der Saison 2018 verzeichnete der Landkreis mehr Übernachtungen als je zuvor.

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