In der Klosterkirche sang der Festspielchor Bachs Mottete „Jesu meine Freude“. foto: SVJ

Großer Andrang auf dem Heiligen Berg

Andechs - Beim Wandelkonzert in Andechs hatten die Besucher die Qual der Wahl zwischen Klassik oder Kabarett. Viele entschieden sich für die Klassik in prachtvollen Räumen - und fanden keinen Sitzplatz mehr.

Sich das Kulturprogramm ganz nach dem eigenen Geschmack zusammenzustellen, ist die reizvolle Aufgabe der Besucher eines Wandelkonzerts. Das verlockende Angebot im Rahmen der Carl Orff-Festspiele zog viele Besucher zu den verschiedenen Klang- und Spielräumen, die Kloster Andechs für die „Festspiele für alle“ öffnete. Zwischen ihnen konnte gewandelt und zwischen Chor- und Kammermusik, Kabarett und Schauspiel gewählt werden.

Das Glanzlicht des Abends, Richard Strauss Bläserserenade und Mendelssohn-Bartholdys Sommernachtstraum-Musik im eigens aufgebauten Pavillon im sommerlichen Klostergarten, wäre ein wahrlich traumhafter Konzertabschluss gewesen. Der selten gewährte Einblick in den Klausurbereich der Mönche fiel Kälte und Regen zum Opfer. So kehrten Ensembles und Besucher am Ende zurück in die Kirche und warteten seit dem amüsant-unheimlichen Geisterstunden-Märchen von Festspielleiter Marcus Everding auf Carl Orffs versprochene „Carmina Burandechsiana“. Dessen tatsächlich komponierten „Sonnengesang“ hatte der Andechser Festspielchor als Konzertauftakt gewählt, ein vertontes Gebet von Franz von Assisi in altitalienischer Sprache.

Noch Bachs ausdrucksstarke Motette „Jesu, meine Freunde“ im Ohr stand das Publikum vor der Wahl: entweder eine Collage aus der Märchenkomödie „2 nach Orff“, das Kabarettprogramm des scharfsinnigen wie liebenswerten Münchner Grantlers Christian Springer alias Fonsi im Florianstadel oder die wenig gespielten Werke großer Meister und weniger bekannter Komponisten, präsentiert vom Musikernachwuchses der Andechser Orff-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters in Bibliothek und Fürstensaal.

Niveauvoll und von hoher künstlerischer Qualität waren alle Angebote - entscheidend eher der persönliche Geschmack. Weil die Klassik in den prachtvollen Räumen von Bibliothek und Fürstensaal besser zur Geltung kommt, mussten einige Zuhörer mangels Sitzplätzen auf E.T.A. Hoffmanns zauberhaftes Quintett für Harfe und Streichquartett, Schostakowitschs Prelude für Streich-oktett und die Holzstab-Musik des zeitgenössischen Komponisten Steve Reich verzichten.

Die Zuhörer zum Lachen brachte vor allem Spezl Fonsi, seit Jahren Kassierer in Schloss Neuschwanstein. Seine schräg-derbe Art, mit rücksichtslosen Saubären, Schwätzern und zynischen Verblödern ins Gericht zu gehen, kam bei den Fans sehr gut an. Das gilt auch für das Wandelkonzert, das es deshalb nächstes Jahr wieder geben wird.

Von Eveline Silkenstedt

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