Gutes Timing

Inning - Das Ampermoos steht seit 31 Jahren unter Schutz. Mit der neuen Sohlschwelle soll das Niedermoor gerettet werden - gerade rechtzeitig, bevor in diesem trockenen Sommer noch mehr Schäden entstehen konnten.

Ein 27-jähriger Prozess hat im Juli dieses Jahres ein Ende genommen: die so genannte Wiedervernässung des Ampermooses durch den Einbau einer Sohlschwelle in der Amper bei Grafrath. Es ist die zweite in dem Fluss, an der Autobahn 96 ist schon vor vielen Jahren eine eingebaut worden. „Eigentlich sollte man nur von einer Anhebung und Stabilisierung des Grundwasserspiegels sprechen“, erklärt Horst Guckelsberger. Das Wort Wiedervernässung ist dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Starnberg im Landesbund für Vogelschutz (LBV) und langjährigem Sprecher der Schutzgemeinschaft Ampermoos deshalb im Wortsinn zu negativ belastet. Es wecke falsche Assoziationen.

Auch für Guckelsberger hatte die Einweihung der Sohlschwelle bei Grafrath eine besondere Bedeutung. Seine persönliche Beteiligung am Kampf um den Erhalt des 1982 unter Naturschutz gestellten Ampermooses dauerte immerhin 20 Jahre. Guckelsberger hatte die Befürchtung, dass das für Flora und Fauna so wertvolle Moos im „Bermudadreieck“ der Landkreise Starnberg, Landsberg und Fürstenfeldbruck zu verschwinden droht. Böse Zungen hatten schon 1983 behauptet, „einen Leichnam unter Schutz gestellt“ zu haben. Guckelsberger kämpfte als Sprecher der 1995 gegründeten und 2004 wieder aufgelösten Schutzgemeinschaft Ampermoos deshalb mit an vorderster Front. 1997 durchschlug der damalige Umweltminister Dr. Thomas Goppel den Gordischen Knoten widerstreitender Interessen mit der Entscheidung zum Bau einer Sohlschwelle bei Graf-rath. Und bei der offiziellen Einweihung dieser Sohlschwelle im Juli fand Guckelsberger, der um ein Grußwort gebeten worden war, das Wort Wiedergutmachung (für die Schäden in der Natur) treffender denn Wiedervernässung.

„Es ist aber gut, dass die Sohlschwelle jetzt fertig ist“, sagt Guckelsberger. Auch wenn es in diesem so regenarmen Sommer sicherlich zu Trockenschäden gekommen sei. Immerhin sei das Wasser jahrzehntelang abgelaufen. „Erst allmählich wird es wieder in die Böden hineindiffundieren.“ Der Vorsitzende der LBV-Kreisgruppe Starnberg rechnet deshalb nicht damit, dass ein Erfolg vor Ablauf von etwa sechs Jahren ablesbar sei, „das dauert eher länger“. Er ist skeptisch, dass es anhand der Vegetation kurzfristig deutlich messbare und sichtbare Werte geben wird. Gleichwohl hegt er die Hoffnung, dass es nicht zu spät war: „Eine Verschlechterung ist hoffentlich gestoppt.“

40 Zentimeter Anhebung des Wasserspiegels bei Normalwasserstand der Amper inklusive einer Toleranz von plus minus 15 Zentimetern (das entspricht 27 Kubikmeter Wasserablauf pro Sekunde), Ausklammerung des Mutterbachs und Beschränkung der Auswirkungen auf das Naturschutzgebiet - das sind die Eckdaten, an denen über die Jahrzehnte auch 600 Einwendungen nicht rütteln konnten. Vor allem bei niederem Wasserstand wirke sich die „raue Sohlrampe“ positiv aus. Sie sorgt für einen Mindeswasserstand im Moos. Bei Hochwasser lasse die Wirkung nach und erhöhe deshalb auch nicht die Hochwassergefahr, versichert Guckelsberger. „Wichtig wäre jetzt auch, eine dauerhafte Finanzierung der völlig unentbehrlichen Gebietsbetreuer nicht nur für das Ampermoos sicherzustellen“, lautet Guckelsbergers Wunsch an die Politiker. (grä)

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