Es hat geklappt: Christian Kiemer mit seinem Behälter und dem gewonnenen Kohlepulver. Foto: jaksch

Gymasiast präsentiert das Kohle-Wunder

Weßling - Beim Bund Naturschutz, Ortsgruppe Weßling, können Gymnasiasten ihre Facharbeit vorstellen.

Das klingt ganz schön verblüffend: Die Erde benötigt hunderte von Millionen Jahren, um aus Pflanzenmaterial Braun- und Steinkohle entstehen zu lassen, doch Forscher glauben, das in einem halben Tag schaffen zu können. Der 19-jährige Landwirtssohn Christian Kiemer aus Argelsried, der im Mai am Gilchinger Christoph-Probst-Gymnasium sein Abitur macht, hat sich mit dieser so genannten „hydrothermalen Karbonisierung“ in seiner Facharbeit des Leistungskurses Chemie befasst und am Montagabend der Weßlinger Ortsgruppe des Bundes Naturschutz darüber berichtet. Auch sein Lehrer Harald Zimmermann war eigens gekommen.

Das 1913 erstmals von dem Chemiker und späteren Nobelpreisträger Friedrich Bergius beschriebene Verfahren lässt Kohle entstehen, wenn man Biomasse unter erhöhtem Druck in wässriger Lösung kocht. Seit einigen Jahren macht sich besonders der Chemiker Markus Antonietti, Direktor an einem Potsdamer Max-Planck-Institut, für diese Methode stark. Im Gegensatz zu anderen Verfahren der Gewinnung von Brennstoffen aus Biomasse entsteht bei ihr kein Kohlendioxid, sondern der gesamte Kohlenstoff wird zu reiner Kohle. Zehn bis 20 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes könne man in Deutschland einsparen, sagte Kiemer, wenn man die anfallenden Bioabfälle so umwandeln und als Wärme und Energie nutzen würde. Der Gymnasiast erzählte den staunenden Besuchern, wie er erst Sauerkraut und dann Grünfutter aus Maisteilen in einem Druckgefäß bei 180 Grad Celsius erhitzte und einige Fehlschläge hinnehmen musste. Von Antonietti höchstpersönlich hatte er spezielle Behälter bekommen, die der Erhitzung jedoch nicht standhielten. Da befindet er sich aber in bester Gesellschaft, denn auch Antonietti und seinen Mitarbeitern ist im Labor schon mal ein Dampfkochtopf im Labor um die Ohren geflogen. Kiemer baute sich daraufhin kurzerhand aus einer Stahlwelle selbst ein schweres Druckgefäß. Und in dem gewann er dann tatsächlich, wie er stolz erzählte, aus 17 Gramm Lieschkolben-Silage fast zehn Gramm Kohle. Das schwarze Pulver präsentierte er in Weßling stolz, angerichtet auf Tellern.

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