Wenn sich Mensch und Vogel ein Revier teilen, kommt es zu Zusammenstößen. Die Ruderer halten sich streng an die Regeln, um weiter im Winter auf den See zu dürfen. Foto: svj

Auf dem See haben die Vögel im Winter Vorfahrt

Starnberg - Damit die Zugvögel ihr Winterquartier am Starnberger See genießen können, halten die Ruderer bestimmte Abstände zum Ufer ein. Der Landesbund für Vogelschutz würde die Regeln gern verschärfen.

Rudern auf dem Starnberger See im Winter ist eine besondere Freude: Keine Linienschifffahrt, keine Segler, nur Ruhe und Panorama. Lediglich mit den Wasservögeln müssen sich die Ruderer das Revier teilen, doch das klappt ganz gut. Vor 14 Jahren haben die Staatsregierung, der Bayerische Ruderverband und der Landesbund für Vogelschutz die Bestimmungen des Ramsar-Abkommens für den Starnberger See ratifiziert. Diese freiwillige Vereinbarung bestimmt, dass Sportbetrieb nur innerhalb eines Korridors von mindestens 90 bis 150 Meter vom Ufer entfernt gestattet ist. Ansammlungen von Wasservögeln sollen die Sportler großräumig umfahren. Tabuzonen, die völlig gemieden werden müssen, sind die Starnberger Bucht, die Roseninsel oder der Karpfenwinkel bei Tutzing. Vor 10 Uhr an Werktagen und vor 9 Uhr an Wochenenden sollen die Ruderer im Hafen bleiben. Eine Stunde vor Sonnenuntergang müssen sie den See verlassen.

Die Ruderer halten diese Auflagen gerne ein. „Wir wohnen auf einem der schönsten Flecken der Erde, da ist es klar, dass wir unsere Umwelt schützen“, sagt der Vorsitzende des Münchener Ruder- und Segelverein, Arthur Hofer. Dazu gehöre auch der Vogelschutz.

Der Starnberger Kreischef des Landesbunds für Vogelschutz, Horst Guckelsberger, begrüßt das. Die Zusammenarbeit mit den Rudervereinen klappe gut, nur die Kajakfahrer machen ihm Sorgen: Sie fühlen sich nicht an die Vereinbarung gebunden und steuern manchmal mitten in die rastenden Vogelschwärme hinein. Allerdings ist Guckelsberger der Ansicht, dass die bestehende Fahrtordnung verschärft werden müsse. „Das Modell hat sich nicht bewährt“, stellt er klar. Er fordert, den Mindestabstand zum Ufer auf 500 Meter auszudehnen. Denn viele Zugvögel, die aus den Weiten Sibiriens an den Starnberger See kommen, reagieren äußerst schreckhaft und stören sich schon allein an der Anwesenheit von Menschen.

„Wir werden uns daran orientieren, was der Landesbund will“, zeigt sich Hofer offen für Veränderung. Etwas anderes bleibt den Ruderern auch nicht übrig, um im Winter nicht auf dem Trockenen, also auf dem Ergometer zu sitzen. „Die Beachtung der Fahrtordnung ist wichtig, um eine nach dem Ramsar-Abkommen denkbare vollständige Untersagung des Ruderbetriebs auf dem See im Winter zu verhindern“, hat der Chef des Münchener Ruder-Clubs Eler von Bockelmann neulich in einem offiziellen Schreiben an alle Mitglieder sehr deutlich mitgeteilt.

Meistens klappt das Zusammenleben mit den Vögeln bestens. Auf dem Gelände des Ruder-Clubs wohnt ein Schwanenpaar, das dort jedes Jahr seine Jungen großzieht. Für eine Kolonie von Rauchschwalben haben die Mitglieder des Clubs Löcher ins Tor des Bootshauses gebohrt, um den regelmäßigen Flugverkehr der Vögel zu unterstützen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schwerkranke Frau bekommt von Jobcenter nur 4,24 Euro im Monat: Betreuer mit drastischen Schritten
Keine fünf Euro bekommt eine psychisch und körperlich kranke Starnbergerin vom Jobcenter. Der Fall zeigt dramatisch, wie jemand durch das Sozialsystem fallen kann.
Schwerkranke Frau bekommt von Jobcenter nur 4,24 Euro im Monat: Betreuer mit drastischen Schritten
Kaum Sorgen wegen Rekord-Verschuldung
Die Verschuldung des Landkreises wird bis 2023 von 0 auf bis zu 180 Millionen steigen. Das geht aus der Prognose zum Haushalt 2020 hervor, der gestern im Kreisausschuss …
Kaum Sorgen wegen Rekord-Verschuldung
24 Fälle in zwei Wochen: Starnberger Beamte warnen vor falschen Polizisten
Die Anrufe von falschen Polizeibeamten häufen sich. Alleine in den vergangenen zwei Wochen wurden bei der Polizeiinspektion Starnberg mehr 24 Fälle angezeigt. Deshalb …
24 Fälle in zwei Wochen: Starnberger Beamte warnen vor falschen Polizisten
Gebühren steigen: Mehr Geld für die Tonnen
Erstmals seit fast 20 Jahren steigen ab 2020 die Entsorgungsgebühren im Landkreis Starnberg. Grund sind steigende Kosten insbesondere im Biomüllbereich und geringere …
Gebühren steigen: Mehr Geld für die Tonnen

Kommentare