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Handymast am Ammersee: Angst um den schönen Königsberg

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Inning am Ammersee - Auf einem der schönsten Hügel am Ammersee soll ein 32 Meter hoher Funkmasten in den Himmel ragen. Technisch notwendig, sagt das Mobilfunkunternehmen. Verschandelung, sagen die Einheimischen. Die Gemeinde Inning kämpft sich durch die Instanzen.

Bisher war der Königsberg am Ostufer des Ammersees, auch Jaudesberg genannt, eine Idylle für Ausflügler. Doch seit Jahren geht bei den Einheimischen die Angst um, dass aus der Idylle ein Graus wird: E-Plus möchte auf der markanten Anhöhe einen Mobilfunkmasten bauen, der mindestens 32 Meter hoch ist - ursprünglich war er sogar 60 Meter hoch geplant. Die Gemeinde Inning am Ammersee (Kreis Starnberg) macht dagegen mobil. Sie zog vor zwei Jahren vor das Verwaltungsgericht München. Gestern kam es dort zum letzten Schlagabtausch.

Das Landratsamt Starnberg hatte E-Plus im Mai 2008 eine Baugenehmigung für den Jaudesberg erteilt. Die Naturschutzabteilung hielt den Standort aus topografischen Gründen geeignet für eine Richtfunkantenne - wenn auch mit Bauchschmerzen. Die Behörde genehmigte die Anlage mit der Auflage, dass E-Plus 9000 Euro wegen der Störung des Landschaftsbildes zahlen und die Fläche, die sie abholzt, woanders wieder aufforsten muss.

Die Gemeinde Inning aber kann nicht verstehen, wieso es ausgerechnet der Königsberg sein muss. „Der Mast überragt alles“, wettert Innings Bürgermeister Werner Röslmair. Auch vom Schiff aus biete sich dann ein hässliches Bild. „Auf den Schiffen sind Urlauber und Naherholer“, sagt er, „die sitzen dann oben auf dem Deck und sehen so einen wundervollen Masten und eine abgeholzte Fläche.“ Es müsse doch andere technische Möglichkeiten geben, findet Röslmair. Die Kommune schlug etwa den Dachsberg an der Autobahn A 96 vor, auf dem bereits ein 40 Meter hoher Turm steht.

Das Verwaltungsgericht gab ein Gutachten zum Dachsberg in Auftrag. Das kam zu dem Ergebnis, dass es von dort aus keine direkte Verbindung nach Dießen (Landkreis Landsberg) und Raisting (Kreis Weilheim-Schongau) gebe. Diese Orte könnten nur über weitere Antennen in Andechs (Kreis Starnberg) erreicht werden. Eine Erweiterung des Dachsbergs hatte E-Plus in der Vergangenheit auch stets abgelehnt, weil dieser statisch schon ausgelastet und eine technische Aufrüstung zu aufwendig sei. „Die Dachsberg-Antenne gehört Vodafone“, betonte Christian Preetz, Anwalt von E-Plus gestern, vor Gericht. „Wenn die sagen: ,Das Risiko ist zu groß, die Auslastung statisch erreicht’, dann können die das ablehnen.“

Die Gemeinde Inning war anderer Ansicht: Man könne auf den exponierten Standort Königsberg verzichten, ohne technische Defizite zu haben, sagte Anwalt Frank Sommer. „Man muss ja keine direkte Verbindung nach Dießen und Raisting haben.“ Der Umweg über Andechs sei „technisch auf jeden Fall machbar.“ Das Landratsamt allerdings ist gegen eine Aufrüstung in Andechs. „Wir reden von mindestens drei Schüsseln auf einem so hochwertigen Baudenkmal“, sagte ein Vertreter des Landratsamts, „das entwertet das Kloster als Baudenkmal erheblich.“

Am Ende wies das Verwaltungsgericht die Klage der Gemeinde Inning ab. Zum einen sei das Vorhaben rechtlich privilegiert, sagte Richter Volker Berberich. Zum anderen könne man nicht auf den Standort Dachsberg verweisen, weil er nicht gleichwertig ist. Die Inninger wollen das nicht auf sich sitzen lassen. Sie ziehen vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof.

Nina Gut

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