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So gehört sich das: Die Feuerwehr Weßling hat vor wenigen Tagen ein positives Beispiel einer Rettungsgasse auf der A 96 veröffentlicht.

Info-Tag der Polizei an der A 95

Freud und Leid mit der Rettungsgasse: Einsatzkräfte berichten 

Rettungsgassen auf der Autobahn können manchmal sogar überlebenswichtig sein: Einsatzkräfte machen positive und negative Erfahrungen mit ihnen.

Landkreis/Höhenrain – Wer erinnert sich nicht an die Meldungen über uneinsichtige Verkehrsrowdys, die in Rettungsgassen fahren oder diese gar nicht erst bilden, wenn es auf der Autobahn kracht oder brennt. Anfang Juni kurvte auf der A 96 ein Bus in der Rettungsgasse herum und behinderte Polizeibeamte. Kein Einzelfall, auch auf der A 95. Die Verkehrspolizei Weilheim startet am Samstag, 24. August, deswegen eine Aufklärungsaktion im Rückreiseverkehr – und kontrolliert verstärkt, ob die Rettungsgasse gebildet wird. Gerade in den Baustellenbereichen ist das extrem wichtig.

Oft machen die Rettungskräfte gute Erfahrungen. Die Weßlinger Ehrenamtlichen stellten erst vor wenigen Tagen ein Video von einer Einsatzfahrt auf der A 96 bei Facebook online. Es zeigt, wie Autofahrer mustergültig eine Rettungsgasse bilden. „Das war wirklich vorbildlich – ist aber leider nicht der Standard“, sagt Kommandant Michael Schütz. Besonders für die großen Löschfahrzeuge sei eine breite Gasse wichtig.

Ein Problem für Schütz: Viele Verkehrsteilnehmer fahren nicht vorausschauend. „Wenn ich beim Vordermann auf der Stoßstange klebe, kann ich später nicht mehr so einfach Platz machen.“ So komme es, „dass wir mit einem 16-Tonner teilweise Schlangenlinien fahren müssen“. Schütz stört auch, dass die Gassen oft zu schnell wieder geschlossen werden. „Polizei oder der Abschleppdienst treffen aber oft erst später am Unfallort ein.“

„Meistens müssen wir die Gasse mit dem Presslufthorn freimachen.“

Ebenfalls auf der A 96 im Einsatz ist die Gilchinger Feuerwehr. Kommandant Robert Strobl hat das Gefühl, dass Autofahrer in den vergangenen Jahren sensibler für das Thema geworden sind. Das liege auch an den Radiodurchsagen, die zum Bilden der Rettungsgassen auffordern. Viel ärgern über die Verkehrsteilnehmer muss sich Strobl nicht. Er sagt aber ganz pragmatisch: „Meistens müssen wir die Gasse mit dem Presslufthorn ein bisschen freimachen.“

Die Starnberger Feuerwehr, die Teile des A 95 und der A 952 betreut, kennt keine gravierende Probleme mit Rettungsgassen. „Wir sind immer durchgekommen“, sagt Kommandant Markus Grasl. Ab und an schließe sich die Gasse wieder hinter einem Löschfahrzeug, aber die Leute würden immer beiseite fahren. Grasl weiß wohl, dass das auch an den Besonderheiten der A 95 liegt – wenig Lkw-Verkehr, generell weniger Verkehr als auf anderen Autobahnen, ab dem Dreieck drei Spuren plus Standstreifen.

Letzteren sollen Autofahrer für die Rettungsgasse mitbenutzen, trotz durchgezogener Linie. Das betont Peter Nieland, Hauptkommissar bei der Verkehrspolizeiinspektion Weilheim. Er hat beobachtet, dass „ausländische Mitbürger“ sich bei Rettungsgassen manchmal schwertun. „Sie schauen sich aber oft von anderen Autofahrern ab, wie es geht.“ Ein größeres Problem sind für Nieland Motorradfahrer, die durch die Gasse nach vorne fahren. Ähnliches berichtet die Weßlinger Feuerwehr: Ein Autofahrer sei dem Einsatzfahrzeug einst durch die Gasse gefolgt, erzählt Kommandant Schütz. „Solche Leute übergeben wir direkt der Polizei.“

Rettungsgasse ist Schwerpunkt im Sicherheitsprogramm der Polizei

Die Beamten aus Weilheim wollen am Samstag von 9 bis 13 Uhr alle Autofahrer auf der A 95 unter dem Motto „Rettungsgasse hilft Leben retten!“ sensibilisieren. Obwohl das Thema in Medien präsent sei, „müssen die Einsatzkräfte immer noch feststellen, dass die Rettungsgasse nicht oder nicht richtig eingehalten wird“, erklärt Karl Wiedemann von der Verkehrspolizei. Für Retter bedeutet dies meist den Verlust wertvoller, manchmal sogar überlebenswichtiger Minuten. Auch deswegen ist die Rettungsgasse Schwerpunkt im Verkehrssicherheitsprogramm 2020 „Bayern mobil – sicher ans Ziel“. Aktuell ist das Thema außerdem, weil das Bußgeld für den Missbrauch von Rettungsgassen erhöht werden soll.

Bei dem Info-Tag auf dem Gelände der Raststätte in Höhenrain sind auch die Feuerwehr Höhenrain, das THW, der Rettungsdienst und die Straßenmeisterei vertreten. Die Retter wollen Autofahrer ansprechen und auf die Notwendigkeit der Rettungsgasse hinweisen. „Die Verbände sind mit ihren Einsatzfahrzeugen vor Ort und zeigen die Größe ihrer Fahrzeuge und die notwendigen Durchfahrtsbreiten“, kündigt die Polizei an. Wer die Vorgaben nicht beachtet, kann Ärger bekommen: Zwei Streifen der Verkehrspolizei Weilheim werden am Samstag ab 9 Uhr am Autobahnende bei Eschenlohe, im Fall eines Staus, die Rettungsgasse überwachen und Verstöße sofort verfolgen.  

ike/gma/cia

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Die Bürgerinitiative Schorn, Grüne und Bund Naturschutz weiten ihren Protest gegen das Gewerbegebiet bei Starnberg aus. Sie wollen das Thema auf Landtagsebene bringen – weil sie drastische Auswirkungen für die Metropolregion München befürchten.

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