Im Interview: Der Starnberger Landrat über die Vorhaben des Landkreises im neuen Jahr. Foto: Sebastian Tauchnitz

Im Gespräch mit Karl Roth (CSU)

Was erwartet uns 2017, Herr Landrat?

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Der Landkreis hat sich viel vorgenommen im neuen Jahr. Was, das verrät Landrat Karl Roth (CSU) im Interview mit dem Starnberger Merkur.

Wenn Sie drei Sätze haben, um das Jahr 2016 zusammenzufassen: Wie war es?

Nur drei Sätze für dieses bewegte Jahr? Ich bin froh, dass wir es „geschafft“ haben. Gemeinsam mit dem Team des Landratsamtes und den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern. Das Jahr war geprägt von der Solidarität der kommunalen Familie. Ich bin dankbar, dass wir dieses Jahr mit all seinen Facetten bewältigt haben.

Welche Projekte stehen für 2017 auf der Agenda des Landratsamtes?

Die kann man an einer Hand abzählen. Das wichtigste ist für mich der lange geplante Anbau des Landratsamtes. Sobald wir grünes Licht von der Stadt Starnberg bekommen, können wir an die Detailplanung gehen. Es wäre natürlich sehr schön, wenn wir noch vor dem Wintereinbruch 2017 den ersten Spatenstich feiern können.

Der Anbau war nicht unumstritten...

Nötig ist er dennoch. Wir müssen 2017 das gesamte Jugendamt mit 70 Mitarbeitern auslagern, weil der Platz im Bestandsgebäude nicht mehr ausreicht. Derzeit laufen die Verhandlungen darüber, in direkter Nachbarschaft des Landratsamtes entsprechende Büroflächen anzumieten. Dabei haben wir bereits heute fünf Außenstellen.

Der Anbau ist aber sicher nicht das einzige Vorhaben für das kommende Jahr?

Ganz bestimmt nicht (lacht). Wir wollen das Forschungsprojekt zum Bau des Gymnasiums Herrsching starten und dabei möglichst weit kommen. Noch drängender ist die Lage bei der FOS/BOS in Starnberg. Die Kapazitäten im Provisorium reichen nicht aus. Wir rechnen damit, dass die Schule im kommenden Jahr jeweils dreizügig ist. Dafür brauchen wir neue Klassenräume. Auch hier verhandeln wir gerade über die Anmietung entsprechender Flächen in unmittelbarer Nähe zum heutigen Standort in der Gautinger Straße.

Sollte nicht auch schon seit Jahren ein Neubau realisiert werden?

Die Gespräche mit der Stadt über das ehemalige Tankstellengrundstück am Seilerweg ziehen sich weiter hin. Wir wollten kaufen, das wollte die Stadt Starnberg plötzlich nicht mehr. Nun verhandeln wir über einen Erbbaupachtvertrag. Dabei sind allerdings noch Fragen zur Beseitigung möglicher Altlasten und die Heimfallregelung am Ende des Pachtvertrages strittig. Uns wäre der Kauf definitiv lieber, aber wir wollen endlich zu einer Einigung kommen. Das Ministerium unterstützt uns in Sachen Provisorium, pocht aber auf einen Neubau.

Es wird also viel gebaut in nächster Zeit. Auch im Landratsamt?

Auf alle Fälle. Das 30 Jahre alte Dach muss dringend erneuert werden – es tropft schon durch. Dazu werden die Klimatechnik und zahlreiche Leitungen erneuert. Das alles bei laufendem Betrieb. Ich habe unsere Mitarbeiter bei der Weihnachtsfeier bereits darauf eingestimmt, dass sie nächstes Jahr um diese Zeit sagen können: Wir haben es überlebt, wir waren dabei.

Was tut sich 2017 in Sachen Verkehr?

Der Kreisausschuss hat gerade den Weg frei gemacht für den Ausbau der Münchener Straße in Gauting zwischen der Einmündung der Planegger Straße und dem Ortsausgang Richtung Neuried. Gemeinsam mit dem Umbau der Hauser Kreuzung zu einem Kreisverkehr investiert der Landkreis hier deutlich mehr als eine Million Euro. Parallel dazu bereiten wir den Ausbau des Alltagsradwegenetzes vor. Das Problem ist und bleibt hierbei allerdings der Grunderwerb. Dennoch wollen wir uns intensiv mit der Planung einer Radwegverbindung zwischen der Westumfahrung Starnberg und der Waldkreuzung beschäftigen.

Das passt ja zum Engagement des Landkreises in Sachen Klimaschutz. Welche Maßnahmen sind da im neuen Jahr geplant?

Wir werden weiter an der Verbesserung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge arbeiten. Auch die Umstellung der Dienstwagenflotte des Landratsamtes auf alternative Antriebe wird weitergehen.

Ist auch der Landrat bald elektrisch unterwegs?

In der Tat. Mein neuer Dienstwagen wird ein BMW mit Hybridantrieb. Die meisten Dienstfahrten sind hier im Landkreis und nicht länger als 50 Kilometer. Die lassen sich dann rein elektrisch erledigen.

Da wird so mancher Wirtschaftsboss genau hinschauen. Welchen Schwerpunkt will der Landkreis 2017 bei der Wirtschaftsförderung legen? Sind wir eine Tourismus- oder eine High-Tech-Region?

Ich sehe den Schwerpunkt mittlerweile deutlich bei den High-Tech-Unternehmen und Dienstleistern in der Region, weniger beim Tourismus. Ja, wir haben viele Besucher, aber ein reines Urlaubsgebiet sind wir nicht – so schön das Fünfseenland auch ist. Die durchschnittliche Verweildauer, die weiterhin bei 2,6 Tagen pro Gast liegt, belegt das. Wir haben die DNA des Landkreises definiert. Es gibt mehr und mehr innovative und kreative Unternehmen neben dem Tourismus.

Wurden deswegen jetzt die Wirtschaftsförderer von der gfw und der Tourismusverband miteinander verschmolzen?

Sicher werden die beiden Verbände etwas Zeit brauchen, um in der gwt zueinander zu finden. Ich bin allerdings sicher, dass sie am Ende effizienter und schlagkräftiger arbeiten können. Vieles wird auf den Prüfstand gestellt – auch das bisherige Tourismusmarketing. Hier muss man sich die Frage stellen, ob wir nicht zielführender Werbung für unsere Tourismusregion machen müssen (Wasser, Gesundheit, Natur und Erholung, Golf etc.). Statt dessen sollten wir mehr Ressourcen zur Betreuung der Unternehmen vor Ort bereit stellen. Der Herr Winkelkötter (ehemals gfw- und jetzt gwt-Chef) hat da genau den richtigen Ansatz. Ihm gelingt es immer wieder, Unternehmen, die aus Platzmangel weg wollen, doch im Landkreis zu halten. Vielleicht in einer anderen Gemeinde, aber doch hier im Landkreis Starnberg.

Der Umbau des ÖPNV im Landkreis Starnberg dürfte derweil in diesem Jahr zu Ende gehen.

Das so genannte Westbündel ist ausgeschrieben und wird Anfang Dezember 2017 in Betrieb gehen. Vielleicht schaffen wir es auch noch, gemeinsam mit den Unternehmen aus der Region die Expressbuslinie zwischen Oberpfaffenhofen und Großhadern zu etablieren. Spätestens zum Jahresende verfügt der Landkreis über ein dichtes und leistungsfähiges Busnetz. Darum beneiden uns viele andere Landkreise.

Nun müssen die Bewohner des Landkreises Starnberg nur noch das Auto stehen lassen und die Busse auch nutzen...

Täuschen Sie sich nicht! Schon heute gibt es viele sehr gut genutzte Linien. Einige werfen sogar bereits Gewinn ab. Wenn wir wirklich etwas für den Klimaschutz tun wollen, kommen wir um einen Ausbau des ÖPNV nicht umhin. Nun geht es darum, weitere Anreize zu schaffen. Denkbar wäre zum Beispiel, Senioren, die ihren Führerschein freiwillig abgeben oder aus gesundheitlichen Gründen abgeben mussten, eine Jahresfreikarte zu spendieren. Darüber müssen wir reden.

Das wäre eine Entscheidung des Kreistages. Bislang ging es dort vergleichsweise harmonisch zu. Bleibt das so?

Es kann gut sein, dass der Ton angesichts der großen Vorhaben und Investitionen der kommenden Jahre rauer wird. Aber man darf nicht vergessen: Wir gehen mit dem Geld nicht in die Spielbank, wir schaffen Werte für unsere Bürger. Dass jetzt mit Gymnasium Herrsching, FOS/BOS und Landratsamtsneubau alles nahezu zeitgleich passiert, ist sicher nicht optimal, aber zu schaffen. Und das wir die Klinik Seefeld mit bis zu 21 Millionen Euro retten müssen, weil es in der Vergangenheit Managementfehler gab, konnte auch niemand ahnen. Mir ist nicht bange angesichts der Summen, wir rechnen konservativ – das kann am Ende durchaus alles deutlich weniger kosten.

Also haben Sie weiter Spaß im Amt als Landrat in Starnberg?

Natürlich – sehr. Obgleich ich schon sagen muss, dass mich 2016 mit all seinen Herausforderungen insbesondere in Sachen Asyl schon an meine Grenzen gebracht hat. 2017 darf gern etwas moderater ausfallen.

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