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Die Polizei registriert im Landkreis immer mehr Gewalttaten von Jugendlichen.

Jugendkriminalität im Landkreis

Acht Jugendliche sind Intensivtäter

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Alarmierender Trend: Die Zahl der Straftaten steigt, die im Landkreis von Kindern und Heranwachsenden begangen werden.

Landkreis – Bevor man von der Polizei als jugendlicher Intensivtäter eingestuft wird, muss man schon einiges auf dem Kerbholz haben. Binnen eines halben Jahres müssen mindestens fünf Straftaten begangen worden sein, mindestens eine davon muss ein Gewaltdelikt sein. Im Landkreis Starnberg sind derzeit acht solche jugendlichen Intensivtäter bekannt: drei in Gauting, vier im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Germering, die auch für Gilching zuständig ist, einer in Dießen.

Bernd Matuschek, Chef der Polizeiinspektion Starnberg, gab gestern im Jugendhilfeausschuss des Kreistages seinen Bericht über die Krimininalität junger Menschen im Landkreis Starnberg ab. Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis insgesamt 4910 Verbrechen begangen. Von den 2508 Tatverdächtigten waren immerhin 554, also gut jeder Fünfte, jünger als 21 Jahre. Besonders schockierend: Zu den Tatverdächtigen gehören auch 75 Kinder, die jünger als 14 Jahre sind.

Bei den Kindern wurden besonders häufig so genannte Rohheitsdelikte registriert. „Dabei handelte es sich nahezu ausnahmslos um schwere oder gefährliche Körperverletzungen“, so Matuschek. Rund ein Viertel aller zur Anzeige gebrachten Vergehen von Kindern fielen in diesen Bereich. Erleichtert bemerkte Mattuschek, dass bei keinem Vergehen, das Kinder begangen haben, Alkohol im Spiel war. 2014 habe man noch vier derartige Fälle registriert.

Bei den Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren verschiebt sich das. Hier war mehr als ein Drittel aller registrierten Vergehen ein Rauschgiftdelikt. „Dabei handelte es sich aber nahezu ausschließlich um Cannabis“, beruhigte Matuschek. Härtere und gefährlichere Drogen wie Crystal Meth oder Heroin spielen derweil in dieser Altersgruppe keine Rolle.

Bei den Heranwachsenden im Alter zwischen 18 und 21 Jahren liegt der Anteil von Rohheitsdelikten genau wie bei den Kindern bei rund einem Viertel aller Straftaten. Hier ist die Quote der Täter, die alkoholisiert straffällig werden, naturgemäß höher. Ein gefährlicher Trend, so Matuschek, denn „wer betrunken ist, begeht in der Regel gleich mehrere Straftaten“. Der Starnberger Polizeichef betonte noch einmal eindringlich, wie wichtig es sei, Präventionsarbeit zu machen. Die Kollegen von der Polizeiinspektion in Gauting, insbesondere Polizeiobermeister Christian Blümig, wurden für ihr Engagement in dieser Frage besonders gelobt. Dabei würde unter anderem den Jugendlichen gezeigt, welche Konsequenzen strafbare Handlungen haben. „Allein bei der PI in Starnberg hatten wir 2016 insgesamt 334 Anfragen, ob straffällig gewordene Jugendliche grundsätzlich zum Erwerb eines Führerscheins geeignet sind“, so Matuschek.

Das brachte die Ausschussmitglieder zu der Frage, warum das in dieser Form nur in Gauting, nicht aber in den anderen Polizeiinspektionen im Landkreis praktiziert werde. „Das liegt an der personellen Ausstattung der einzelnen Inspektionen. Wenn wir noch so viel Personal hätten wie vor 13 oder 14 Jahren, könnten wir uns flächendeckend mehr um Prävention kümmern“, so Matuschek.

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