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Raus damit: Landwirtin Luise Erhard aus Pöcking arbeitet mit einem Spezialgerät, um das Kreuzkraut auf ihren Wiesen zu entfernen. In ihrem Fall ist es Wasserkreuzkraut, das sich vom Jakobskreuzkraut aber nur geringfügig unterscheidet.

Giftige Pflanzen

Kampf dem Kreuzkraut

Landkreis - Die Bauern im Landkreis sind in Sorge. Grund: Das Jakobs- und das Wasserkreuzkraut, eine Gefahr für Rinder und Pferde, breitet sich aus.

Zierde oder Gift? Das so genannte Kreuzkraut, eine aus dem Alpenraum stammende Pflanze, wird zunehmend zum Problem im Landkreis – vor allem fürs Vieh. Zum Kompostieren ist das Kraut nicht geeignet, es muss in die Tonne.

Das Jakobs- und das Wasserkreuzkraut (siehe Kasten) gehören zu den giftigsten Pflanzen, die in Bayern wachsen. Besonders gefährlich: Das Kraut ist leicht mit Ruccola zu verwechseln. Zu finden ist es auf Weiden und in Hausgärten, aber auch in den Bergen wurde es bereits gesichtet. An sich sieht das Kraut mit seinen gelben Blüten ganz nett aus, gäbe es nicht die so genannten Pyrrolizidinalkaloide. Die können schon in geringen Mengen Leberschäden verursachen, im schlimmsten Fall droht Leberkrebs. Für Menschen ist es nur gefährlich, wenn man größere Mengen davon isst. Aber insbesondere für Kühe und Pferde ist die Pflanze sehr gefährlich: Die Giftstoffe lagern sich im Körper an und zersetzen allmählich die Leber. Diese Vergiftung kann bislang nicht behandelt werden.

Familie Erhard aus Pöcking führt den Kampf gegen das Wasserkreuzkraut seit einigen Jahren. Auf dem Areal des Landwirte-Ehepaars grasen rund 50 Milchkühe und zupfen genüsslich Grasfetzen aus dem Boden. „Wir sind ein Bioland-Betrieb, wir dürfen nicht spritzen, also müssen wir das Kreuzkraut aus dem Boden stechen“, erklärt Luise Erhard. Gemeinsam mit ihrem Mann Andreas leitet sie den Hof und hat dem gefährlichen Kraut den Kampf angesagt. „Da müssen wir an mehreren Tagen einige Stunden raus auf die Wiesen, um die Pflanzen samt Wurzeln mit Spezialgerät herauszureißen.“ 

Die Bündel werden in Säcke gestopft und zum Wertstoffhof gebracht, wo die giftigen Kräuter in einem eigens dafür vorgesehenen Behälter entsorgt oder verbrannt werden. Besonders sensibel seien laut Luise Erhard Pferde und Kühe, was die Verträglichkeit des giftigen Krauts betrifft. „Wir kennen das Problem und bekämpfen es seit mehreren Jahren auf natürliche Weise“, so Erhard. Ihr sei aber nicht bekannt, dass es in jüngster Zeit zu einem bedenklichen Vorfall gekommen ist. 

Auf dem Wertstoffhof in der Gemeinde Berg wird auch heuer wieder ein Container für das giftige Kreuzkraut stehen. Das hat sich bewährt: „Vergangenes Jahr haben wir zwei Container à sechs Kubikmeter der Müllverbrennung zugeführt“, sagt Rathauschef Rupert Monn. Im Berger Gemeindegebiet sind vor allem der Bolzplatz in Bachhausen und eine Wiese in Höhenrain vom Jakobskreuzkraut betroffen. „Vielleicht ist es heuer schon weniger, weil der Bauhof vergangenes Jahr viele Pflanzen ausgegraben hat.“ Vermutlich mache sich das bald bezahlt. Monn, der selbst Landwirt war, weiß um die Gefahr für die Tiere. An den Todesfall einer Kuh oder einer Ziege kann er sich nicht erinnern, aber an Vergiftungsfälle. 

Das Thema beschäftigt mittlerweile mehrere Gemeinden. In Pöcking fragte Anke Klostermeier (PWG) an, ob die Gemeinde nicht analog zu ihren Nachbarn vom anderen Seeufer aus Berg einen Sammelcontainer aufstellen kann. Bürgermeister Rainer Schnitzler versprach, sich schlau zu machen. Dabei ist das höchstwahrscheinlich gar nicht nötig. Das Jakobs- und das Wasserkreuzkraut sind giftig und vor allem widerstandsfähig. Deswegen rät der Abfallwirtschafstverband dringend davon ab, es im eigenen Garten zu kompostieren – das klappt nämlich nicht, weil die Samen überleben. Geschäftsführer Peter Wiedemann weiß, welches Kraut gegen das Kraut gewachsen ist: Temperaturen über 70 Grad über mehrere Tage bei der Kompostierung oder Vergärung und regelmäßiges Umlagern. Das macht dem Gewächs den Garaus. 

Wer sein Kreuzkraut über die Biontonne entsorgt, hat keine Probleme: Der Biomüll wird so vergärt, dass das Kraut erledigt ist. Wer es zum Wertstoffhof oder zur Kompostieranlage bringt, könne sich auch sicher sein, dass die Behandlung ausreiche, so Wiedemann.

nif/tki/edl/set/ike

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