Keine Wildsammelstelle im Wohngebiet

Gauting - Auf dem Klageweg wollten die Bayerischen Staatsforsten eine Wildsammelstelle am Dienstsitz ihres Gautinger Revierleiters durchsetzen. Der Richter lehnte die Klage ab, da sie mitten im Wohngebiet liegt.

Schon der Bauausschuss Gauting und das Landratsamt hatten den Neubau der Sammelstelle oben am Krapfberg abgelehnt. Gegenüber befinde sich eine lärmende Schlosserei, argumentierte Jürgen Linhart, Rechtsanwalt der Staatsforsten beim Ortstermin. Doch Richter Volker Berberich ließ den Einwand nicht gelten: Wohnbebauung charakterisiere das durchgrünte Gebiet. Die Schlosserei, "einziger Ausreißer", gebe es seit Jahrzehnten. Ein Forstbetrieb sei grundsätzlich privilegiert, plädierte auch der Vertreter des Kreisbauamts für eine Wildsammelstelle im Außenbereich. Schon die bestehende Stelle im Holzhaus sei illegal, stellte Berberich fest: "Warum haben Sie da nicht mal eine Nutzungsänderung beantragt?" Im Zuge der Forstreform habe der Eigentümer gewechselt, so Linhart. Der Sitz, bisher unterm Dach des Freistaats, unterliege nun den Staatsforsten und sei nach dem früheren Baugesetzbuch zulässig, aber nicht dokumentiert. "So geht der Rechtsstaat mit seinem eigenen Recht um", stellte der Verwaltungsrichter lapidar fest.

Der Anwalt führte weitere Argumente für die Wildsammelstelle am alten Platz im Wohngebiet ins Feld: Rund um die Uhr müssten Jäger ihre Anlaufstelle erreichen. Deshalb wohne der Revierleiter gleich neben der Sammelstelle. Die seit 40 Jahren genutzte Wildkammer müsste fleischhygienisch aufgerüstet werden, um die EU-Vorgaben zu erfüllen. Auch in der neu beantragten Sammelstelle werde kein Wild zerlegt. Die von den Jägern angelieferten Rehe würden nur begutachtet, gekühlt und dann vom Käufer - meist Gastwirte - abgeholt. Diese Qualitätssicherung des Lebensmittels sei an den Dienstwohnungssitz des Revierleiters gekoppelt, so Linhart.

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