Blick auf die Windräder der Gemeinde Berg bei Sonnenaufgang
+
Blick auf die Windräder der Gemeinde Berg bei Sonnenaufgang

Stromverbrauch bleibt soweit konstant

Landkreis humpelt weiter in Richtung Energiewende

Um den Stand der Energiewende ging es jüngst im Umweltausschuss des Kreistags. Das Ergebnis: ernüchternd.

Landkreis– Das Stolpern der Energiewende im Landkreis lässt sich in Zahlen fassen – sie stehen im Energiebericht. Elf Prozent der Energie werden regenerativ erzeugt, was vergleichsweise wenig ist und „nicht dass, was wir uns erhofft hatten“, sagte der zuständige Mitarbeiter des Landkreises, Herbert Schwarz, gestern bei der Vorstellung des Berichts im Umweltausschuss des Kreistages. Beim Strom sind es immerhin 15 Prozent mit steigendem Trend, jedoch liegt der Kreis damit weit unter dem Bundesdurchschnitt von 42 Prozent. Der CO2-Ausstoß pro Kopf, inzwischen so etwas wie ein Gradmesser für den regionalen Klimaschutz, ist seit 2013 zwar um 5,7 Prozent gesunken, was aber kein Verdienst der Region ist – die Reduzierung ist eine Folge des bundesweiten Trends zu mehr Öko-Energie.

Der Energiehunger, stellt Herbert Schwarz im Bericht fest, sei ungebrochen. 3,6 Milliarden Kilowattstunden Energie seien im Kreis 2018 – neuere Zahlen gibt es nicht – verbraucht worden (+3,9 Prozent gegenüber 2013). Rund 400 Millionen Kilowattstunden, eben elf Prozent, stammten aus erneuerbaren Quellen. Das sind 20 Prozent mehr als 2013. Die Hälfte der Energie geht fürs Heizen drauf, das nach wie vor zu 87 Prozent mit fossilen Brennstoffen (Öl, Gas) erfolge. In diesem Bereich gebe es nur langsam Verschiebungen Richtung erneuerbare Energiequellen. 2021 mit der CO2-Abgabe hofft Schwarz auf mehr Bewegung.

Der Stromverbrauch bleibt soweit konstant, was angesichts Einwohnerzuwachs und dergleichen positiv zu bewerten sei. Dass mehr Ökostrom im Kreis erzeugt wird, hat zwei Gründe: die Berger Windräder, die der Gemeinde einen Ökostrom-Selbstversorgungsgrad von 105,1 Prozent bescheren, und die inzwischen rund 3300 Fotovoltaikanlagen. Das Potenzial freier Dachflächen sei aber noch riesig, so Schwarz. Zweitbeste Gemeinde bei Ökostrom ist Gauting (18,9 Prozent) vor Seefeld (18,2), Inning (16,2) und Tutzing (14,1). Erfreulich für Schwarz ist auch die Zunahme der Elektroautos, inzwischen sind es 1894.

Im Ausschuss kam sofort die Frage nach mehr Windkraft und mehr Freiflächen-Solaranlagen, gestellt von Anne Franke (Grüne). Landrat Stefan Frey war vorbereitet: Er hat die Bürgermeister zu einer Art Windkraft-Gipfel eingeladen, bei dem es auch um Fotovoltaik auf der grünen Wiese gehen soll. Die Windkraft sei technisch keine Herausforderung, sagt er, aber politisch. Grundsätzliche Zustimmungen wie jüngst bei einer Umfrage in Gilching sieht er skeptisch – man müsse den Menschen ein konkretes Projekt präsentieren, nicht abstrakt diskutieren. Solaranlagen erscheinen dem Landrat eher durchsetzbar, auch in Landschaftsschutzgebieten. Grundsätzlich halte Landschaftsschutz solche Anlagen nicht auf; man müsse sich die Standorte genau anschauen, ob es die Schutzverordnung zulasse oder ob man mit Herausnahmen arbeiten müsse. Da sei er „jederzeit dabei“, signalisierte er. 

Auch interessant

Kommentare