Im Mühltal ist ein längerer Streckenabschnitt auf Tempo 70 beschränkt. Der Verkehrsexperte der Polizei hält das nicht für sinnvoll. Foto: Svj

Hirn einschalten statt Schilderwald

Landkreis - Deutschlands Landstraßen sollen sicherer werden. Es ist ein generelles Tempo-80-Limit im Gespräch. Die Polizei im Landkreis Starnberg ist mehr als skeptisch.

Die meisten Unfälle mit tödlichem Ausgang ereignen sich auf den deutschen Landstraßen. Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar - 28. bis 30. Januar - wollen Experten beraten, wie die gut 200 000 Kilometer Landstraße in Deutschland sicherer gemacht werden könnten. Dazu gehört auch der Vorschlag, eine generelle Beschränkung auf 80 km/h festzulegen.

Von einer generellen Tempo-80-Beschränkung auf Landstraßen hält der Verkehrsexperte der Starnberger Polizei, Hauptkommissar Johannes Bauer, gar nichts. Die Forderung, die im Vorfeld des Verkehrsgerichtstages in Goslar in dieser Woche laut wurde, kann Bauer „so nicht befürworten“. Er verweist auf den § 3 der Straßenverkehrsordnung (StVO), wonach jeder Verkehrsteilnehmer seine Fahrweise den aktuellen Straßen- und Witterungsverhältnissen anzupassen hat. „Es ist alles geregelt, da braucht es keinen Schilderwald“, meint der Polizeihauptkommissar.

Bauer räumt aber ein, dass schon jetzt zahlreiche Streckenabschnitte im Landkreis Starnberg tempobeschränkt sind. „Diese Limits sind im Wesentlichen politisch motiviert“, meint Bauer, „wir haben in den meisten Fällen diesen Anordnungen nicht zugestimmt.“ Für den Verkehrsexperten ist es ein bayerisches Phänomen: „In anderen Regionen Deutschlands gibt es diese Flut von Tempolimits außerhalb geschlossener Ortschaften nicht.“ Als ein herausstechendes Beispiel für eine unsinnige Geschwindigkeitsbeschränkung bezeichnet Bauer das durchgängige Tempo 70 im Mühltal. „Da höre ich doch schon das Argument des Autofahrers, der einen Glatteisunfall gebaut hat: Aber ich durfte doch 70 fahren.“

Bauer würde es begrüßen, mehr an das Verantwortungsbewusstsein des einzelnen Verkehrsteilnehmers zu appellieren und dieses zu stärken: „Wer sich im Straßenverkehr bewegt, muss auch mal selbst das Hirn einschalten.“

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