Christine Hollacher war damals amtierende Bürgermeisterin der Gemeinde Herrsching: „Einiges ist furchtbar blöd gelaufen.“ Foto: svJ

"Man kann es auch anders sehen"

Herrsching - Christine Hollacher sieht sich in Zusammenhang mit den nicht gewährten Zuschüssen für die Johanniter-Kinderkrippe in Herrsching einem Kesseltreiben ausgesetzt.

In dem Bemühen, doch noch an rund 130 000 Euro Fördergelder zu gelangen, die die Gemeinde Herrsching bei der Errichtung der Johanniter-Kinderkrippe erwartet hatte, hängen alle Hoffnungen an der gemeindlichen Kassenversicherung. Wie berichtet, soll der Antrag zu spät gestellt worden sein. In der ersten Instanz wurde diese Auffassung auch vom Verwaltungsgericht bestätigt. Im Fokus steht die damalige Verwaltungschefin Christine Hollacher. Würde sie die Verantwortung übernehmen, würde die Versicherung einspringen, wird kolportiert. Darauf angesprochen, weist Christine Hollacher aber Versäumnisse von sich. „Ich habe den Eindruck, es geht um ein Kesseltreiben gegen mich.“

Die Fördersystematik für Kinderkrippen sei damals noch nicht ausformuliert gewesen, erinnert sich die heutige Gemeinderätin der Bürgergemeinschaft Herrsching/Freie Wähler. Für die Gemeinde sei aber Eile geboten gewesen, da die Objektförderung für Altenpflegeplätze bis 2006 beantragt werden musste. Der Vertrag wurde deshalb unterzeichnet, bevor die Ausführungsverordnungen zur Krippenförderung in Kraft traten. „Immer mit Zustimmung des Gemeinderates“, betont Christine Hollacher. Gestolpert sei die Gemeinde in dieser rechtsunsicheren Situation über Formulierungen und den Zeitpunkt des Baubeginns.

„Wir waren alle der Auffassung, auf dem richtigen Weg zu sein“, sagt Christine Hollacher und schließt dabei alle Amtsleiter und auch den Gemeindeanwalt mit ein. Und noch heute ist sie überzeugt, richtig gehandelt zu haben. Sie bedauert, dass der amtierende Gemeinderat die erstinstanzliche Gerichtsentscheidung zugunsten der Regierung akzeptiert hat. „Ich hätte das bis zum Ende durchgeboxt, und ich glaube, wir hätten Recht bekommen.“

Sie räumt ein, dass „einiges furchtbar blöd gelaufen ist“. „Wir waren eine der ersten Gemeinden, die die Förderung beantragt hatten. Es gab viele Unsicherheiten auf allen Seiten.“ Ähnliche Probleme sieht sie im Übrigen aktuell in Bezug auf die Mittelschule auf die Gemeinde zukommen. „Das geht alles zu schnell, es gibt noch zu viele Unsicherheiten, und am Ende zahlt wieder die Gemeinde“, glaubt Christine Hollacher.

Dass das erwartete Fördergeld der Regierung nun von der gemeindlichen Kassenversicherung erstattet würde, allein wenn sie guten Willen zeige, daran glaubt sie nicht. „So einfach ist das nicht.“ Sollte die Versicherung am Ende dennoch zahlen, weil sie Fehler in der Verwaltung erkennt, sei dies aber auch in Ordnung.

Schließlich stellt Christine Hollacher noch eine ganz andere These in den Raum: Man könne - trotz alledem - auch von einer Erfolgsgeschichte sprechen, meint sie. Schießlich habe man mit den Johannitern einen Träger gefunden, dessen Defizit die Gemeinde - anders als bei kommunalen und kirchlichen Einrichtungen - nicht auffangen muss. Darum ist sie sicher, dass der Gemeinderat der Einrichtung der Krippe in dem Seniorenzentrum damals auch dann zugestimmt hätte, wenn schon zu diesem Zeitpunkt festgestanden hätte, dass es keine Förderung gibt. Hollacher: „Das Betreuungsangebot war und ist einfach eine gute Sache.“

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