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Nervige Plagegeister: Anna Wätzig, Franziska Reglauer und Saskia Becker (von links) kämpfen am Ufer des Starnberger Sees mit den Mücken – so wie in diesen Tagen viele Menschen in ganz Bayern.

Schutzmittel ausverkauft

Jetzt beginnt der Mücken-Horror

Wörthsee -Es surrt, piekst und juckt – überall in Bayern. Nach dem Hochwasser haben sich die Mücken explosionsartig vermehrt. Rund um die Seen leiden die Menschen am schlimmsten. Mückenmittel sind ausverkauft, Biergartenbetreiber machtlos.

Monika Quessel liebt ihren Beruf. Doch winzige Tierchen nehmen ihr in diesen Tagen den Spaß an ihrer Arbeit: Vor lauter Mücken kann die Leiterin des „FortSchritt“-Waldkindergartens in Wörthsee (Kreis Starnberg) mit ihren Schützlingen kaum noch vor die Tür. Die Kinder, die sonst zu jeder Jahreszeit im Freien spielen, müssen in ihren Bauwagen oder ins Gemeindehaus der evangelischen Pfarrei flüchten. „Es ist der absolute Horror“, sagt Quessel und fügt hinzu: „Ich bin wirklich dafür, die Natur zu schonen und zu bewahren, aber ich wäre dankbar, wenn die Gemeinde spritzen würde.“

Für Wörthsees Bürgermeister Peter Flach ist diese Option „nicht vorstellbar“. „Anders als zum Beispiel am Chiemsee würden wir dafür aus Naturschutzgründen gar keine Genehmigung bekommen“, sagt Flach. Er sieht die Lage entspannt und schützt sich „wie jeder andere mit Fliegennetz und Autan“.

Ihre liebe Mühe mit den Mücken haben auch die Wirte mit Außengastronomie. „Sobald es dunkel wird, kommen die Viecher und fressen die Leut’ auf“, sagt Kurt Beiersdorf vom Biergarten „Augustiner am Wörthsee“. Die Mehrzahl der Gäste, erzählt er, eilt dann in die Stube oder gleich nach Hause. Das Personal hingegen kann nicht einfach gehen. „Im Team testen wir alles, was auf dem Markt ist und tauschen uns aus, was am besten wirkt“, sagt Beiersdorf.

Nur: Mückenschutzmittel sind inzwischen Mangelware. „Die Kunden haben regelrecht den Laden gestürmt. Donnerstagmittag war nichts mehr da“, erzählt Apothekerin Heike Siebert von der Wörthsee-Apotheke. Sie konnte nachbestellen, anders als viele Einzelhändler am Chiemsee. Im Aktiv Markt Pfeilstätter in Chieming etwa hängt ein Schild am leeren Regal. „Aufgrund der zu großen Nachfrage ist Autan zur Zeit nicht lieferbar. Wir bitten um Ihr Verständnis“, steht darauf. „Es ist wirklich schlimm. Die Kunden fahren von A nach B, aber alle Händler im Umkreis haben das selbe Problem“, sagt Filialleiter Peter Hauser. In einer recht glücklichen Situation ist Jochen Bischoff von der Apotheke Grabenstätt (Kreis Traunstein). Der Apotheker verkauft ein selbst gemischtes Mückenmittel. „Wir hatten den Jahresbedarf vorproduziert, der war schnell weg“, erzählt er. „Also haben wir eine Nachtschicht eingelegt, um Nachschub zu produzieren.“

Nach dem Hochwasser gibt es merklich mehr Mücken als in anderen Jahren. Doch nicht überall hat die Plage Dimensionen wie am Chiemsee und am Wörthsee. An Ammersee und Starnberger See etwa ist es weniger schlimm. „Es jammert noch niemand“, sagt Gabriele Hirth, Besitzerin des Campingplatzes Hirth in Ambach am Starnberger See. Brigitta Thrun, Ärztin in einer Münchner Praxis für Reise- und Tropenmedizin, erklärt die regionalen Unterschiede mit den verschieden drastischen Auswirkungen des Hochwassers und mit den unterschiedlichen Beschaffenheiten der Ufer. „Je mehr Wasser noch steht und je mooriger die Ufer, desto besser sind die Brutbedingungen“, sagt sie.

Dass zuweilen schon eine einzige Mücke ein großes Übel anrichten kann, hat sich gestern auf der Staatsstraße 2054 kurz vor Inkhofen (Kreis Freising) gezeigt. Eine 20-jährige Autofahrerin wurde von einer Mücke abgelenkt und baute daraufhin einen Unfall.

von Marie-Christine Fischer

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