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Weihten das Gebäude ein: DLR-Vorstand Thomas Reiter, die Institutsdirektoren Professor Richard Bamler und Professor Stefan Dech, Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil, ESA-Generaldirektor Jean-Jaqcues Dordain, Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle und der DLR-Vorstandsvorsitzende Professor Johann-Dietrich Wörner (v.li.)

Neue Heimat für die Weltbeobachter

Oberpfaffenhofen - Ein neuer Name und ein neues Haus: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat am Dienstag in Oberpfaffenhofen offiziell das „DLR-Earth Observation Center (EOC)“ eröffnet.

Zurzeit erstellen die Wissenschaftler in dem Erdbeobachtungszentrum unter anderem Höhenmodelle aus Daten des im Juni gestarteten Radarsatelliten TanDEM-X, der zusammen mit seinem Zwillingssatelliten TerraSAR-X um die Erde kreist. Beide werden vom benachbarten Raumfahrtkontrollzentrum des DLR gesteuert. „Das ist der beste Radarsatellit der Welt“, versicherte Institutsleiter Richard Bamler gestern und präsentierte den Festgästen einen ersten Datensatz von TanDEM-X, der Eisschollen im nördlichen Russland zeigt - mit einer Genauigkeit von zehn Zentimetern.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle bei DLR

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle bei DLR

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle bei DLR

Mit den beiden Radarsatelliten hat das DLR die Möglichkeit, die Erde tagsüber und nachts zu vermessen und so Veränderungen an der Erdoberfläche oder in Gewässern zu erkennen. So zeigen die Bilder, die Bamler präsentierte, unter anderem auch das Ausmaß der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko sowie Veränderungen von Gletscher- und Lava-Strömen.

Gespeichert werden die Daten im Archiv des Deutschen Fernerkundungs-Datenzentrums (DFD), das allein für die TanDEM-X-Mission 1,5 Petabyte - das entspricht einem DVD-Turm mit einer Höhe von 430 Metern - freihalten muss.

Empfangen werden die Daten überall auf der Welt - seit neuestem auch in Nordwest-Kanada, wo das DLR ferngesteuert von Oberpfaffenhofen eine eigene Empfangsstation betreibt. Eine weitere, neue Station befindet sich auf dem Dach des neuen Gebäudes in Oberpfaffenhofen. Dort werden nach Auskunft von DFD-Mitarbeiter Gunter Schreier Daten des amerikanischen Satelliten „World View“ empfangen, der mit einer Auflösung von 50 Zentimetern gestochen scharfe Bilder der Erde schießt. Diese darf das DLR zum Beispiel für das Krisenmanagement nutzen: Bekanntlich wird in Oberpfaffenhofen auch das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) betrieben, dessen Aufgabe die schnelle Beschaffung, Aufbereitung und Analyse von Satellitendaten bei Natur- und Umweltkatastrophen ist.

Rainer Brüderle zeigte sich gestern begeistert: „Die Deutsche Nasa, das DLR, ist in etwa auf Augenhöhe mit den Amerikanern.“ Für Deutschland seien Innovation und technischer Fortschritt lebensnotwendig. „Hier in Oberpfaffenhofen wird für unsere Zukunft geforscht“, so Brüderle. Die Erdbeobachtung sei eine Schlüsseltechnologie nicht nur für staatliche Entscheidungsträger und Wirtschaft sondern Daseinsvorsorge für alle. Sie sei zusammen mit anderen Bereichen angewandter Raumfahrt wie Navigation, Telekommunikation und Robotik Kernelement der deutschen Raumfahrtpolitik. Brüderle: „Für all dies steht das bayerische Oberpfaffenhofen.“

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