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Das Gerät, um die Gülle zu injizieren: Roman Sieber war gestern bei Buch mit dem Fahrzeug des Maschinenrings unterwegs. Vom Gülletank führen Schläuche zu den Scheiben, damit der Dünger möglichst direkt dorthin kommt, wo er hin soll – in den Boden.

Landwirtschaft

Neue Technik gegen Gülle-Gestank

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    Peter Schiebel
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Mit dem Frühling kommt die Gülle: Die Landwirte bringen in diesen Wochen den Dünger aus. Zum Missfallen einiger Nachbarn, die sich über den Gestank beschweren. Einige Bauern nutzen eine neue, geruchsarme Technik.

Landkreis – Landwirt Georg Zankl weiß: Sobald die ersten Gülle-Fahrzeuge unterwegs sind, kommen die Beschwerden. „Wir haben schon Anrufe in den Gemeinden“, weiß der Kreisobmann des Bauernverbandes (BBV). „Wegen des Geruchs. Es gibt jedes Jahr ein bisschen Aufruhr.“ Die rund 120 Bauern im Landkreis müssten aber düngen, wirbt er um Verständnis. „Wir wollen die Leute ja nicht schikanieren.“

Einige Landwirte setzen dabei auf eine neue Technik. Sie injizieren die Gülle mit Hilfe eines Schlitzgeräts in den Boden. Damit hat die Gülle wenig Luftkontakt. Das hat zwei Vorteile: Sie verliert kaum Stickstoff und ist damit wirksamer. Und es stinkt weniger.

Der Maschinenring Starnberg hat ein solches Gerät seit heuer im Einsatz. „Es kostet neu 300 000 bis 400 000 Euro“, sagt Maschinenring-Sprecher Michael Dosch. „Wir haben es gebraucht gekauft, das hat die Güllegemeinschaft finanziert.“ Das Gerät habe besonders große Reifen, damit der Boden geschont werde, sagt Landwirt Roman Sieber aus Schlagenhofen, der gestern damit in der Nähe von Buch unterwegs war. „Der Schlitz wird mit Hilfe von Scheiben gemacht, danach wird die Gülle in den Schlitz hineingespritzt.“ Rund zwölf Landwirte nutzten den neuen Gülle-Injektor, sagt Dosch.

Ein anderer Nutzer ist Stefan Dellinger aus Unering. Er schwört auf den neuen Injektor. „Das ist die beste Technik, man hat am wenigsten Verluste und am wenigsten Geruch.“ Auch mit dem Schleppschlauch sei es schon besser gewesen. Dabei wird die Gülle direkt auf die Erde aufgebracht, aber ohne Schlitz. Am geruchsintensivsten ist das Ausbringen der Gülle mit dem Fass. Da hat Dellinger Verständnis für Beschwerden. Er weiß von einem Kollegen, der oft beim schönsten Wetter mit dem Güllefass voll Hühnermist unterwegs sei. „Das stinkt zwei, drei Tage“, sagt er unverblümt. Je wärmer es sei, desto stärker rieche der Dünger. „Je höher die Temperatur, desto eher wird der Stickstoff gasförmig, umso mehr stinkt’s“, so der Uneringer.

Dellinger ist vor zwei Wochen mit dem Gülle-Injektor aufs Grünland gefahren. Am Dienstag war er beim Weizen. Auch die Wintergerste sei nun an der Reihe, sagt BBV-Obmann Zankl. Ende April kommen dann die Mais-Felder dran.

Ohne Dünger gehe es nicht, unterstreicht der Bauernverband. „Dadurch wird dem Boden zurückgegeben, was ihm durch die Ernte der Pflanzen im Vorjahr entzogen wurde“, erklärt ein BBV-Sprecher. Für ökologisch wirtschaftende Betriebe seien Gülle und Mist oft der einzige Weg, Flächen zu düngen und Pflanzen zu ernähren. Und Gülle sei der natürlichste Dünger überhaupt. Zankl geht sogar noch einen Schritt weiter: „Für mich stinkt’s nicht.“

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