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Eine russische Protion-Rakete transportierte den Satelliten von Baikonur aus ins All. 
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In einer Woche werden die Spezialisten in Oberpfaffenhofen - hier das EDSR-Kontrollzentrum - die Kontrolle über die "Nutzlast" übernehmen.
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Gebannt verfolgten die Mitarbeiter des DLR und ihre Gäste die Übertragung des Starts.
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Julia und Marcus Knopp hatten ihre kleine Paula (2) kurzerhand mit zum Start gebracht, weil der Babysitter krank war.
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Das Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen.
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Nach dem geglückten Start wurde gefeiert.

DLR Oberpfaffenhofen

Turbo-WLAN im Weltall

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Oberpfaffenhofen - Punkt 23.20 Uhr hob am Freitagabend in Baikonur die Proton-Rakete ab. Und sorgte im Kontrollzentrum für Jubel. Mit Video!

Noch eine Stunde bis zum Start. Im Foyer des DLR werden Häppchen gereicht. Die Stimmung ist gelöst. Warum sind die hier denn heute so entspannt? Gleich soll die Rakete im russischen Baikonur starten. Haben die DLR-Mitarbeiter da nicht andere Sachen im Kopf als Häppchen und Schwätzchen? Frank Wallrapp, Projektleiter Kontrollzentren beim DLR, grinst: „Heute sind wir nur zum Schauen und Feiern hier.

Unsere Arbeit beginnt erst in der folgenden Woche.“ Seit 2012 läuft das ERDS-Projekt in Oberpfaffenhofen, berichtet er. ERDS steht für „European Relay Data Satellite System“. Was genau ist das? Grob gesagt gibt es einen Datenstau im Weltall. „Man muss sich nur mal die Entwicklung auf der Erde in den vergangenen Jahren anschauen. Die Kameras haben immer mehr Megapixel, die Datenmengen steigen. Nicht anders ist es bei den Satelliten“, erklärt Wallrapp.

Das Problem dabei ist, dass die Erdbeobachtungssatelliten wie die europäischen „Sentinels“ in relativ geringer Höhe – rund 400 Kilometer – um die Erde kreisen. Dadurch fliegen sie auf ihrer Bahn nur selten an den Empfangsschüsseln in Europa vorbei und übertragen ihre Daten. Das soll sich jetzt mit ERDS ändern. Die neue Technik wird weit draußen im All ihre Kreise ziehen – auf einem so genannten geostationären Orbit in 36 000 Kilometern Höhe. Dadurch können vom ERDS-Satelliten permanent Daten in extrem hoher Geschwindigkeit an die Erde gefunkt werden. Bis zu 1,8 Gigabit pro Sekunde sind dabei möglich. Nur zum Vergleich: Ein normaler DSL-Anschluss zu Hause überträgt 16 Megabit pro Sekunde.

Die Erdbeobachtungssatelliten schicken also ihre Daten über eine Laserverbindung, die in Deutschland entwickelt wurde, an das ERDS, dieses wiederum schiebt sie weiter zu den ingesamt vier Empfangsstationen in Europa. Zwei davon stehen in Weilheim, eine in Belgien und eine in Großbritannien. Doch vorher muss das Modul ins Weltall und dort in Position gebracht werden. Das übernehmen andere Dienstleister, sagt Projektleiter Wallrapp. Erst wenn ERDS in knapp einer Woche an seiner Position ist, greifen die Profis aus Oberpfaffenhofen ein und übernehmen den Betrieb für die nächsten 15 Jahre. 

Also noch schnell ein Häppchen und dann ab auf die Besuchertribüne über den Kontrollräumen des DLR, die schon schwer nach Science Fiction aussehen. Drei riesige Monitore übertragen das Bild aus dem russischen Baikonur. Weil das ERDS-Modul vergleichsweise klein ist, fliegt es huckepack. Es wurde – stark vereinfacht gesagt – einfach an den Fernsehsatelliten Eutelsat 9B geschraubt, der heute ins All starten wird. Weswegen die Wissenschaftler im DLR auch nicht von einem Satelliten sprechen, sondern immer nur von „der Nutzlast“. Dennoch steigt die Nervosität, denn wenn die „Nutzlast“ nicht wohlbehalten im Orbit ankommt, sind jahrelange Arbeit umsonst. Professor Felix Huber erklärt, was da gleich in Baikonur passiert, wenn die russische Proton-Rakete startet: „Das Ding ist ein Dampfhammer, war ursprünglich als Langstreckenrakete für den Transport atomarer Sprengköpfe konstruiert“, berichtet er.

Nachdem die aufgrund von Abrüstungsvereinbarungen nicht mehr benötigt werden, nutzen sie die pragmatischen Russen kurzerhand, um Satelliten ins All zu schießen. Wird alles klappen? In Baikonur ist es bitterkalt bei neun Grad unter Null. „Das macht der Proton nichts aus“, beruhigt Professor Huber. Die kleine Paula wird wach. Genau rechtzeitig. Eigentlich wollten ihr Papa Marcus Knopp und seine Frau Julia den Start heute Abend allein verfolgen. Doch dann wurde der Babysitter krank und so kommt die Zweijährige an diesem Abend zu ihrem ersten Raketenstart. Der Countdown tickt herunter, das Kosmodrom in Kasachstan wird in das gleißende Licht des Höllenfeuers getaucht, das die Proton-Rakete ins All katapultiert.

Doch selbst als die Rakete lange außer Sicht ist, klatscht niemand. Minuten vergehen, bevor klar ist, dass sich die einzelnen Raketenstufen korrekt abgetrennt haben. Im eigentlichen ERDS-Kontrollzentrum, einem ziemlich schmucklosen Raum mit vielen Monitoren und Tastaturen, atmet Thorsten Beck auf. Er sieht übernächtigt aus. „Letzte Nacht habe ich nicht viel geschlafen“, sagt er. Jahrelang hat er gemeinsam mit seinen Kollegen am ERDS-Projekt gearbeitet, unglaublich komplexe Programme geschrieben, die es ermöglichen, dass die „Nutzlast“ – da ist es wieder, das seltsame Wort – weitgehend automatisch arbeitet.

 Nun ist der Satellit gut im Orbit angekommen, wird sich in den kommenden Tagen in die richtige Position bringen. In der Nacht vor dem 8. Februar wird Beck wieder schlecht schlafen. Dann wird das ERDS-Modul zum ersten Mal eingeschaltet. Dann zeigt sich, ob wirklich alles funktioniert. Dann wird es garantiert wieder voll im DLR. Nur dieses Mal dann ganz ohne Häppchen und Schwätzchen.

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