Feierliche Enthüllung: In dem zwei mal zwei Meter großen Pavillon haben einige echte Fundstücke ihren Platz gefunden. foto: jaksch

Pavillon erinnert an die Kelten

Steinebach - Die Kelten siedelten vor rund 2400 Jahren am Wörthsee. Ein Pavillon vor dem Rathaus in Steinebach erinnert nun an sie.

Die Wörthsee-Kelten taten das, was vermutlich alle Kelten zu dieser Zeit taten: Sie gingen zur Jagd, fischten im nahegelegenen See und suchten Wildfrüchte. Doch das Selbstversorgerdasein alleine reichte ihnen nicht: Sie betrieben auch die Produktion und den Handel von Glas, der bis in den Mittelmeerraum hinein reichte. Außerdem machten sie sich die vorhandenen Erze zunutze. Steinebach war ihre Münzprägestation. Dabei hinterließen sie für den Laien kaum sichtbare Spuren.

Die Wörthseer Historikerin Dr. Monika Ofer war es, die sich vor rund zehn Jahren auf die Spurensuche begab. Im „Gepäck“ hatte sie nicht nur Tütchen für die Sammelstücke, sondern auch Christel Muggental. „Monika Ofer hatte mich auf ihre Arbeit aufmerksam gemacht und nach einer kurzen Anlernzeit für mich zogen wir dann beide über die Felder“, erinnerte die Gemeinderätin in ihrer Festrede am Freitagnachmittag vor rund 100 Gästen. Sie waren vorzugsweise im Frühjahr und Herbst in Steinebach unterwegs. Dann, wenn die Äcker noch nicht eingesät oder gerade umgepflügt waren. „Die Besitzer waren immer einverstanden“, fügte sie hinzu. Aber trotzdem wurden sie von dem einen oder anderen Bürger argwöhnisch beäugt. „Zwei Frauen mit Tüten auf einem Acker: Da wurde uns neben Mineraliensammeln auch schon mal das Kartoffelklauen unterstellt“, schmunzelte sie.

Die Freude an den keltischen Überbleibseln wuchs ebenso rasch wie die Zahl der Kartons voller Fundstücke. Diese wurden dann an das Landesamt für Denkmalpflege weitergeleitet. Das passte gerade, denn der Freistaat hatte 2009 das Modellprojekt „Archäologie und Ehrenamt“ ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es zwei Wissenschaftler, die sich dauerhaft um die von Bürgern zusammengetragenen Fundstücke aus ganz Bayern kümmern und deren ehrenamtliche Arbeit koordinieren. Wörthsee nimmt da eine Sonderstellung ein. „Es hat sich herausgestellt, dass wir die drittgrößte keltische Handelssiedlung in Bayern waren“, freute sich Christel Muggental.

In dem kleinen zwei auf zwei Meter messenden Pavillon am Rathaus haben nur wenige „echte“ Stücke ihren Platz gefunden, viele sind Repliken. Die wirklich wertvollen Sachen sind beim Landesamt für Denkmalpflege untergebracht.

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