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Die persönliche Betreuung lohnt sich für Banken nicht mehr,

Banken schliessen 

Warum schließen immer mehr Bankfilialen?

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Landkreis - Die Banken ziehen sich mehr und mehr aus den ländlichen Regionen zurück. Junge Kunden sollen ihre Geschäfte online tätigen – doch auch für Ältere gibt es Konzepte. 

Es sind 642 Einwohner im Gautinger Ortsteil Unterbrunn, die wohl künftig auf ihre VR-Bank-Filiale im Ort verzichten müssen. Die VR Bank hat wie berichtet in Unterbrunn eine rückgängige Kundenfrequenz ausgemacht. Ob die Filiale zum Jahresende wirklich schließt, soll in der kommenden Woche der Aufsichtsrat entscheiden.

So oder so: Die Nachricht hat für eine Menge Aufruhr in dem kleinen Ortsteil gesorgt. Der Fall steht exemplarisch für das neue Konzept vieler Banken. Aufgrund der niedrigen Zinsen müssen sie sparen und setzen den Rotstift bei den Filialen im ländlichen Raum an.

VR-Bank-Sprecher Johann Oberhofer erklärt: „Natürlich prüfen wir die Kundenfrequenz – so wie es auch jeder Wirt mit seiner Gaststätte macht.“ Wirtschaftlichkeit ist das passende Stichwort. In die Unterbrunner Filiale kamen immer weniger Kunden. „Die Konsequenz wäre gewesen, die Öffnungszeiten noch mehr zu reduzieren“, sagt Oberhofer. Stattdessen wird die Filiale wohl ganz geschlossen. Ähnlich sieht es im Starnberger Ortsteil Perchting aus. „Auch da ist die Frequenz deutlich zurückgegangen“, berichtet Oberhofer. Im Oktober 2014 hatte er für die Zeit der Fusion von VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg eG mit der Raiffeisenbank südöstlicher Starnberger See und der Raiffeisenbank Lech-Ammersee eG Filialschließungen ausgeschlossen. Nun aber sieht sich die VR Bank aufgrund der Wirtschaftlichkeit zu Schließungen gezwungen. Damit wird es im Landkreis wohl bald nur noch 20 VR-Bank-Filialen geben.

Doch die Schließungen, betont Oberhofer, sollen mit Service aufgefangen werden. Immobile Kunden würden von Mitarbeitern zur Beratung auch zu Hause besucht – nicht erst ab einer bestimmten Größenordnung. „Da machen wir keine Unterschiede.“ Mitarbeiter würden sogar Geld zu den Kunden bringen, wenn diese die Filialen in Gauting oder Weßling nicht besuchen könnten. „Das gab es bereits. Nicht bei einer Abhebung von 25 Euro, aber ab 100 Euro.“ Außerdem gebe es einen Telefonservice.

Dass sich dennoch Widerstand in Unterbrunn regt, nimmt Oberhofer zur Kenntnis. Wolfgang Geiger hat 50 Unterschriften gegen die Filialschließung gesammelt. „Die Zahlen sind aber Fakten“, sagt Oberhofer. „Ich glaube nicht, dass sich das Kundenverhalten anders herum dreht.“ Demnach läuft alles auf eine Schließung hinaus. 40 Prozent der VR-Bank-Kunden nutzen aber ohnehin bereits Online-Banking. Sie können auch Rechnungen abfotografieren und einschicken, die Überweisung wird ausgeführt.

Auch die anderen Banken gehen neue Wege, um die Schließung ihrer Filialen im ländlichen Raum aufzufangen. Die HypoVereinsbank hat im Rahmen einer Modernisierung bis Ende 2015 unter anderem Filialen in Gilching und Tutzing geschlossen. Dafür bietet sie ihren Kunden an, per Video-Chat in Kontakt mit einem Bank-Mitarbeiter zu treten. In den Video-Austausch können dann auch Fachberater hinzugeschaltet werden. Die HypoVereinsbank sieht sich selbst als „Multikanalbank“. Kunden haben zur Kontaktaufnahme die Wahl zwischen Internet, Telefon, E-Mail oder Video.

Die Commerzbank beobachtet den Trend in der Branche, auf Filialen in ländlichen Gegenden zu verzichten. Anlageberater Hendrik Liffers von der Starnberger Filiale erklärt: „Aus dem Rückzugsgedanken der Mitbewerber wollen wir ein Stück vom Kuchen abhaben.“ Heißt: Kunden aus dem ländlichen Raum suchen sich andere Banken. Die Commerzbank selbst ist im Landkreis nur in Starnberg vertreten. Eine Ausdehnung „ist perspektivisch möglich, aber aktuell nicht in der Planung“. Alleine aus wirtschaftlichem Denken seien die Schließungen der Konkurrenz notwendig und nachvollziehbar. Liffers sagt: „Wir erkennen einen Trend hin zu 24/7-Banking (24 Stunden, sieben Tage die Woche).“ Vor allem die jüngeren Kunden würden ihre Bankgeschäfte vermehrt per Smartphone oder Tablet tätigen. „Die älteren Semester begleiten das nicht so mit.“ Das liege an Zweifeln an der Sicherheit oder an den nicht vorhandenen technischen Möglichkeiten in manchen Haushalten.

Letztendlich müssen die Banken im Landkreis den Spagat schaffen, technikaffine und konservative Kunden zu bedienen. Letztere fürchten um ihre Filialen im ländlichen Bereich. Oberhofer erklärt, dass generell alle Filialen auf ihre Kundenfrequenz überprüft würden. Aber „in größeren Gemeinden muss schon viel passieren, dass wir uns da zurückziehen.“ Außerdem sagt Oberhofer: „Es gab bei uns seit mindestens zehn Jahren keine Schließung.“ Und 20 Filialen in 14 Landkreis-Gemeinden seien weiterhin eine gute Anzahl.

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