Dem Gockel hat der Fehlschuss aus dem Luftgewehr nichts anhaben können. Der Schütze muss für die Verfahrenseinstellung 1000 Euro an den Tierschutz bezahlen. Foto: fkn

Kurioser Fall vor Gericht

Geldstrafe für Fehlschuss auf nervigen Gockel

Pöcking - Weil ihn der Gockel der Nachbarin nervte, hat ein 52-jähriger Koch den Hahn mit einem Druckluftgewehr beschossen. Obwohl der Schuss daneben ging, musste sich der Mann nun vor dem Amtsgericht verantworten.

„Es stimmt: Ich habe versucht, auf den Gockel zu schießen“, räumte der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung am Starnberger Amtsgericht unumwunden ein. Der Hahn fange „morgens um halb sechs an zu kreischen“ und höre erst abends damit auf, sagte der Koch. Er komme meist erst spät nachts von der Arbeit heim und brauche seinen Schlaf, der Gockel nerve.

Die 45-jährige Nachbarin, laut eigenen Angaben Halterin von aktuell neun Hühnern, drei Flugenten und eben dem Gockel, sagte als Zeugin aus, sie habe eines Abends einen Knall im Garten gehört. Als sie nachschaute, habe sie den Koch am Zaun erblickt und gesehen, wie der gerade in Richtung Geflügel zielte: „Der Hahn war wohl mitten im Pulk“, erinnerte sich die damals erschrockene Halterin. Der Nachbar habe sich, als er sie bemerkt hatte, „umgedreht und die Flinte hochkant hinter dem Körper zu verbergen versucht“, sagte die gelernte Industriekauffrau. Sie habe kurz darauf vergeblich versucht, den Schützen bzw. dessen Bruder auf den Vorfall anzusprechen - auch deshalb habe sie die Polizei gerufen. Ihr Hahn sei für sie auch keine Sache, sondern „ein Familienmitglied“, stellte sie auf Befragen durch den Verteidiger klar. Ab 22 Uhr sei der Gockel ohnehin im Gehege - Nachtruhe und Licht aus.

Eine Polizistin, damals mit Streifenwagen und Blaulicht herbeigeeilt, berichtete davon, die 45-Jährige sei aufgelöst gewesen nach dem Geschehnis, während der Nach-bar das alles „eher lustig“ gefunden habe. Gleichwohl habe dieser sofort kooperiert, den Anschlag auf den Gockel zugegeben und das alte Druckluftgewehr beschlagnahmen lassen. Sein Verteidiger führte nun vor Gericht aus, dass eine solche Waffe nicht „scheinpflichtig“ sei und im Übrigen nicht mal feststehe, dass sie damals geladen war. Man hätte den Hahn damit ohnehin nicht töten können, eine „abstrakte Gefährdung“ von Leib und Leben des Federviehs liege gemäß dem Strafrechtsprofessor Roxin also nicht vor: „Das war damals bei mir sogar Examensfrage: Man kann mit einem Luftgewehr ja auch kein Flugzeug vom Himmel schießen!“

Der Staatsanwalt war da bei einem Schuss „aus fünf bis sechs Meter“ Entfernung (Angabe des Schützen) gegenteiliger Ansicht, Richterin Brigitte Braun sah gar „durchaus einen Verstoß gegen das Bayerische Tierschutzgesetz gegeben“ und keine bloße Ordnungswidrigkeit - mit Zustimmung des Anklagevertreters einigte man sich auf eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 1000 Euro zu Gunsten des Tierschutzvereins Starnberg. Der ursprüngliche Strafbefehl war dreimal so hoch gelegen.

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