Schläger muss Führerschein abgeben

Herrsching - Ein uneinsichtiger Schläger musste jetzt im Starnberger Amtsgericht seinen Führerschein abgeben.

„Wer schlägt, fährt nicht.“ Dieses in jüngerer Zeit öfters angewandte Prinzip der Strafjustiz, im Straßenverkehr tätlich gewordenen Angeklagten die Fahrerlaubnis zu entziehen, hat jetzt ein 68-jähriger Herrschinger zu spüren bekommen - er musste nach der Urteilsverkündung im Starnberger Amtsgricht seinen Führerschein abgeben.

Der selbstständige Ingenieur hatte laut Beweisaufnahme im Januar 2010 einer 41-jährigen, in ihrem geparkten Wagen sitzenden Juristin vor der Herrschinger Post einen derart heftigen Schlag versetzt, dass die zierliche Frau kurzzeitig das Bewusstsein verlor. Zuvor soll der Herrschinger gemäß Anklage die Autotür seines Opfers aufgerissen haben, um die Frau mit den Worten zu beschimpfen: „Du dumme Ziege, wieso parkst du so nah?“

Der gebürtige Chemnitzer schien die gegen ihn erhobenen Tatvorwürfe überhaupt nicht ernst zu nehmen - ein „ziemlich gleichgültiges Verhalten“, das auch ein mit der Sache befasster Beamter der Polizei bei dem 68-jährigen beobachtet hatte. Der ohne Rechtsbeistand erschienene Mann bestritt nicht nur, dass er die Frau geschlagen und beleidigt hatte, er sprach auch von einem vorausgegangenen Unfallgeschehen: Die Juristin sei auf sein in der gleichen Parkbucht abgestelltes Fahrzeug mit enormer Wucht aufgefahren, behauptete er. Er habe dies auf dem Rückweg zu seinem Wagen beobachtet und die Frau daraufhin zur Rede gestellt. Immer wieder kam er dabei auf die angeblichen „Mordskräfte“ zurück, die bei dem Auffahrunfall gewirkt haben sollen. Dass freilich an seinem Fahrzeug nicht mehr als eine kaum sichtbare Delle festgestellt worden war und dies auch erst Tage später durch die Werkstatt, stützte seine Darstellung nicht gerade. Auch bei der Polizei hatte er kurioserweise keinen Schaden geltend gemacht, und auch die Juristin hatte „von einem Unfall gar nichts erwähnt“, so der Polizist. Dieser hatte die Frau damals „völlig aufgelöst und weinend“ vorgefunden und sogar den Notarzt verständigt. Die Geschädigte selbst gab an, sie habe in ihrem Schock-Zustand nach dem Schlag sogar noch im Wagen „Wasser gelassen“ vor Angst - dies bestätigte auch ihr damals zum Ort des Geschehens geeilte Ehemann: „Sie hat bis heute Schlafstörungen und Probleme mit dem Kiefergelenk.“

Der Angeklagte zeigte sich im Prozess nicht nur völlig uneinsichtig, sondern auch noch anmaßend und aufbrausend: „Wenn ich rede, haben Sie Pause!“, schnauzte er Richterin Christine Conrad gleich zu Beginn an. Die ließ sich nicht provozieren, sprach aber später ein deutliches Urteil: 100 Tagessätze zu je 80 Euro, 2000 Euro Schmerzensgeld an die als Nebenklägerin aufgetretene Geschädigte, 2200 Euro Sicherheitsleistung für eventuell weitere gesundheitliche Folgen beim Opfer, Auferlegung der Verfahrenskosten sowie sofortiger Führerscheinentzug.

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