Klabunde, der Schiffsflüsterer

Tutzing – 680 PS waren nötig, um die MS Schondorf am Samstag erfolgreich zum Starnberger See zu bringen. Die Polizei ist zufrieden mit der Fahrt, bei der teilweise nur noch eine Handbreit Platz war.

René Klabunde kommt sich beobachtet vor. „Ist das hier normal? So viele Menschen bei einem Schiffstransport?“, fragt er etwas ungläubig und blickt zu den Menschenmassen hinter sich. Vor ihm baumelt die MS Schondorf in der Luft, gehalten von zwei 50 Meter hohen Kränen. Mit einem Lkw und 680 PS hat Klabunde das Schiff am Samstag von Stegen nach Tutzing gezogen – sieben Stunden brauchte er für die 37 Kilometer. Als das Schiff auf dem Starnberger See aufsetzt, jubeln die etwa 1000 Schaulustigen, Fotoapparate klicken, Gewehrschüsse donnern in den blauen Himmel. Der Transport war eine große Herausforderung für Polizei, Feuerwehren und die Spedition Wocken, Klabundes Arbeitgeber. Um 15.17 Uhr stand fest: Die MS Schondorf, künftige Berg, ist gut angekommen.

Die Reise von Stegen nach Tutzing in Bildern

MS Schondorf wird zur MS Berg - Der lange Weg zum Starnberger See

18 Polizisten waren seit dem frühen Morgen im Einsatz und fuhren Lkw samt Schiffs-Anhänger voraus, um in den Ortschaften die Kreuzungen freizuhalten. „Die Fahrt verlief sehr gut, auch den Zeitplan haben wir eingehalten“, sagt der Vizechef der Polizeiinspektion Starnberg, Andreas Ruch. Eng wurde es für den sechs Meter breiten Transport bei der Ortsdurchfahrt Breitbrunn. „In der 90-Grad-Kurve war nur noch eine Handbreit Platz“, erzählt Ruch. In Tutzing musste Klabunde den Schiffs-Anhänger vorne an den Lkw ketten, um die Schloßstraße hinunter an den See zu kommen. Die 5,70 Meter hohe Fracht versperrte ihm die Sicht; seine Kollegen funkten ihm, wie er zu fahren habe.

Die Polizei Starnberg hatte sich seit Mitte November auf die Verlegung vorbereitet. Kurz vor Weihnachten stand die Route fest. „Wir brauchten eine Strecke ohne Unterführung und Bahnübergang“, erklärt der Polizei-Einsatzleiter, Johannes Bauer. Daher fuhr der Lkw in Herrsching etwa durch das Wohngebiet: Die Strecke über den Bahnhof hätte die 129 Tonnen Gewicht nicht ausgehalten. Autofahrer waren laut Ruch durch die Fahrt kaum eingeschränkt. Auch die Anwohner hätten Verständnis gehabt – mit einer Ausnahme. „In Tutzing haben sich einige Anlieger beschwert, dass die gesperrten Straßen früher wieder aufgemacht werden sollen“, so Ruch.

Das sonnige Wetter sorgte an der Schloßstraße für Volksfeststimmung unter den Schaulustigen. Ein Zuschauer sagte: „Eigentlich fehlt nur noch die Blaskapelle.“ In der benachbarten Eisdiele reichte die Schlange bis auf die Straße. Auch Einsatzleiter Bauer freute sich über die Sonne: „Bei schlechtem Wetter hätten wir die Fahrt verschieben müssen.“ Fahrer Klabunde war sichtlich froh, dass er das Schiff heil und pünktlich nach Tutzing gebracht hatte. „Meine Arbeit macht mir viel Spaß. Immer!“, sagte er lächelnd. Er hat bald wieder Grund zur Freude. Voraussichtlich Donnerstag, 15. März, kommt die neue MS Seeshaupt in Starnberg an. Der Fahrer: René Klabunde.

Lukas Koschnitzke

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