Das Nachtleben hatten sich die Künstler zum Thema gemacht. Herausgekommen sind beeindruckende Werke, die im Rathaus zu sehen sind. Foto: svj

Schrecken und Faszination der Nacht

Wörthsee - Die 25. Gemeinschaftsausstellung der Kunstfreunde Wörthsee widmet sich der Nacht.

Das Nachtleben schmückt sich wie jedes Schlagwort mit unzähligen Facetten. Die große Spannbreite zwischen Lebensgenuss, Verführung und Traumwelt wie auch Tristesse, Laster und Schrecken ist Thema der 25. Gemeinschaftsausstellung der Kunstfreunde Wörthsee.

Die Zeit vom Brainstorming Anfang des Jahres bis zur am vergangenen Freitag eröffneten Jubiläumsausstellung hat jeder der 22 Künstler für einen ganz persönlichen Blick auf die Gegenseite des Tags genutzt. Neu im sich stetig verändernden und erneuernden Künstlerkreis sind seit kurzem Karin Ritschel-Arnhold und Rita-Maria Wastian aus Hechendorf und Seefeld. Gastkünstler dieser Werkschau ist der Wörthseer Neubürger Bartlomiej Zabielny alias Radlbazi mit seinen außergewöhnlichen Lichtkunst-Objekten.

Zu den interessanten Hinguckern gehören die Welt der nachtaktiven Tiere, die Reminiszenz an die 60er Jahre, Woodstock und die Ofarims und die abstrakten Lebenslinien der Bewohner des Nachtasyls. Nachtblau ist die oft gewählte Farbe dieser Ausstellung. Tiefdunkel gefärbt lässt sie die Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer um das eigene Leben fürchten, wie es Carola Macher eindrücklich in „Neumond“ schildert. Nachtblau ist die Farbe menschlicher Einsamkeit in Brigitte Deckers Collage „Allein“. Nachtblau kann aber auch mit der filigranen Erinnerung an laue Sommernächte und Mondscheinsegeln (Susanne Ehret) verbunden sein. Eine der dunklen Facetten der Nacht sind die unzähligen Kindfrauen, die „An der Grenze“ ihre Körper aus Not zum Kauf anbieten müssen. „Erst Bezahlen“ steht auf dem kleinen Zettel, bevor die Installation von Dagmar Hoppe in schwarz glänzendem Lack und mit Babygesicht auf weißem Kissen die Grenzüberschreitung im Sonderangebot über sich ergehen lässt.

Dagegen erzählt Claudia Harbauer im großformatigen Stadtgeflüster vom Zauber der orientalisch anmutenden Stadtnacht. Tanz und Musik und eine strahlende helle Königin der Nacht sind inmitten luxuriöser Großstadtpaläste ebenso zu finden, wie die indisch-pakistanische Putzfrau, die schon wieder sauber macht. Das Nachtleben gleich in der Nachbarschaft hat Werner Zschau durch die Kameralinse beobachtet. So können die flüchtigen roten Lichtspuren des Feuerwerks noch eine ganze Weile bewundert werden. Welche Art von Unterhaltung das edle Paar aus alten Einkaufstüten „Im Casino“ sucht, ist ungewiss. Mit stolzem Blick begrüßt es jeden zur Rathaustür hereinkommenden Besucher der sehenswerten Ausstellung.

Nachtleben:

Die Ausstellung ist noch bis 18. Oktober zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.

si

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