Der Weg zur Schule ist für manche Kinder nicht leicht. Foto: Bodmer

Ein Begleiter, der die Angst nimmt

Landkreis - Jeder Schultag ist für sie eine Qual. Sie haben Angst, Panik und können den Schulalltag alleine nicht überstehen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die Unterstützung benötigen, nimmt zu.

Pro Schuljahr wird in Starnberg die Hilfe von zirka 20 bis 30 Schulbegleitern gebraucht. „Die Anfragen haben im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und wir erwarten einen weiteren Anstieg“, sagt Rosemarie Merkl-Griesbach vom Jugendamt. Laut Statistik ist von 2008 bis 2013 die Anzahl an Kindern mit Schulbegleitern von einem auf 17 angestiegen.

Grundschüler mit psychischen Problemen, seien es Angst, Panik, Aggressionen, Depressionen oder Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), benötigen Hilfe. Die kommt entweder von der Familie, von Therapeuten oder auch Schulbegleitern. Wie der Name schon sagt, begleitet dieser seinen Schützling in die Schule, steht ihm dort während des Unterrichts zur Seite und hilft ihm, Anschluss zu Gleichaltrigen zu finden. Kritische Stimmen sagen, die Kinder würden sich dadurch möglicherweise noch mehr von den Mitschülern abgrenzen. Elisabeth Hirschnagl-Pöllmann, Leiterin des Schulamts Starnberg, sieht das anders: „Mittlerweile wird es als selbstverständlich angesehen, mit einem Schulbegleiter in die Schule zu gehen. Weder die Lehrer noch die Schüler finden das ungewöhnlich.“ Und auch die seit fünf Jahren als Schulbegleiterin tätige Sibylle Lücke-Richter, sieht das weniger als ein Problem: „Klar, hin und wieder fühlen sich die anderen Kinder ungerecht behandelt. Aber auch darin liegt die Aufgabe eines Schulbegleiters: Man muss einen Bogen spannen zwischen Elternhaus, Lehrern und Mitschülern. Und die Mitschüler gewöhnen sich spätestens nach einem Vierteljahr an meine Anwesenheit.“

Viel eher könnte es ein Problem sein, dass die Kinder schon in jungen Jahren mit elektronischen Medien in Berührung kommen. Es heißt, die psychischen Probleme der Kinder würden zunehmen und seien unter anderem auf die Medien zurückzuführen. „Die Medien gelten als Zeitfresser und Kinder besitzen in jungen Jahren noch nicht das notwendige Zeitgefühl und vernachlässigen wichtigere Dinge wie zum Beispiel schulische Aufgaben“, erklärt Merkl-Griesbach. Dass es ohne aber auch nicht geht, weiß die Expertin im Fachbereich Jugend und Sport: „Es ist eine wichtige Informationsquelle für die Jugendlichen. Und mit allen vernetzt zu sein, eröffnet einem neue Möglichkeiten. Wichtig ist einfach, dass die Eltern ihren Kindern über die Schultern schauen, Grenzen festlegen und darauf achten, dass sie nicht mit ungeeigneten Themen wie zum Beispiel Sex und Gewalt konfrontiert werden.“

Ein Schulbegleiter - auch Integrationshelfer genannt - baut zwar je nach Länge und Aufwand des Einsatzes eine persönliche Beziehung zu dem Kind auf, soll jedoch keinen Ersatz für ein Elternteil darstellen, sondern dem Jugendlichen lediglich dabei helfen, seine Schwierigkeiten zu überwinden und mit der Umgebung vertrauter zu werden. Im Idealfall wird der Integrationshelfer schon nach kurzer Zeit für den Schüler überflüssig. In manchen Fällen kann die Maßnahme aber auch bis zu drei Jahren dauern. Während dieser Zeit wird intensiv darauf geachtet, dass jedes Kind eine sehr individuelle Behandlung bekommt. „Jeder Tag ist anders. Diese Aufgabe fordert viel Geduld, ist aber auch wahnsinnig spannend und interessant“, berichtet Schulbegleiterin Lücke-Richter.

Um diesen Job machen zu können, braucht es keine spezifische Ausbildung. Man sollte allerdings einen pädagogischen Hintergrund vorweisen können, der zeigt, dass man auf dem Gebiet Erfahrung besitzt.

Und Fakt ist, dass es bei der steigenden Nachfrage mehr Personen braucht, die diesen Job machen wollen. Merkl-Griesbach: „ Oh ja, wir haben definitiv einen Mangel an Schulbegleitern.“

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