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Das Altarbild: Das Gemälde stammt vom Münchner Hofmaler Andreas Wolff. Derzeit wird es restauriert.

Posse in Possenhofen

Sisi-Schloss: Streit um dieses Altarbild

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Pöcking - Die Gemeinde will ein barockes Altarbild im "Sisi-Schloss" in Possenhofen aufhängen. Bewohner laufen Sturm dagegen, weil sie Touristen-Massen befürchten. Doch die können sie wohl nicht verhindern.

Kaiserin Elisabeth dürfte das Altarbild, das einst in der Schlosskapelle von Possenhofen hing, ein vertrauter Anblick gewesen sein. Schließlich verbrachte Sisi ihre Kindheit auf Schloss Possenhofen am Starnberger See. Vermutlich saß sie schon als junges Mädchen zum Gebet in der Kapelle, mit Blick auf das Bild „Die Geburt Christi mit anbetenden Engeln“. Die Gemeinde Pöcking möchte es nun wieder in der Kapelle aufhängen, wo es jeder besichtigen können soll. Doch viele Schlossbewohner wollen das nicht. Sie fürchten einen Touristen-Ansturm auf den Sisi-Altar.

Das Altarbild.

Deshalb zogen fünf der Bewohner vor das Verwaltungsgericht München. Bereits im Januar wurde verhandelt, das Vertragsgeflecht war aber so verworren, dass die Richter alles noch einmal prüfen wollten. Doch am Ende spielten die Inhalte der Verträge zwischen Eigentümern und Gemeinde gar keine Rolle. Am gestrigen zweiten Verhandlungstag wurde nur über die Zulässigkeit der Klage gestritten. Laut Anwalt der Kläger, Karlgeorg Stork, ist jeder der Schlossbewohner einzeln zur Klage berechtigt.

Doch das Gericht kam zu einem anderen Ergebnis: Die Klage ist unzulässig. Einzelne Schlossbewohner könnten nicht klagen, nur die gesamte Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) – das Schloss Possenhofen wurde vor rund 30 Jahren in 27 Eigentumswohnungen umgewandelt. Die Gemeinde ließ sich in diesem Zuge ein Nutzungsrecht an dem Grundstück einräumen.

Die Kläger ärgern sich über die Entscheidung des Verwaltungsgerichts. Eine WEG werde nie zu 100 Prozent zustimmen, sagte ein Bewohner. Er sei persönlich von den Touristen-Strömen betroffen, habe aber keinen Rechtsweg. „Das hätte uns das Gericht früher sagen können“, fand ein anderer Bewohner, „dann hätten wir nicht soviel Arbeit gehabt.“ In Archiven hatten sie nach Urkunden gesucht.

Doch der Ärger geht jetzt erst richtig los, fürchten die Eigentümer. Schon jetzt sprechen sie von „Massenaufläufen“ vor dem Schloss im Frühjahr und Sommer. Mit dem Gemälde werde es noch schlimmer. „Das Altarbild ist ein Publikumsmagnet“, sagte ein Bewohner, der auch eine Praxis im Schloss betreibt, „da laufen tausende von Leuten durch.“ Er spricht sogar von einer „menschlichen Katastrophe“. „Wir sind rausgezogen, weil wir Ruhe wollten, und nicht, weil wir ein Schloss wollten.“ Er will in die nächste Instanz gehen.

Helmut Roithmaier, Anwalt der Gemeinde, kann das nicht verstehen. Die Kläger müssten eben die gesamte WEG einen. „Wenn das nicht geht, dann kauf ich mir so ein Objekt nicht.“ Die Gemeinde Pöcking will erst das schriftliche Urteil abwarten. Doch es sei nach wie vor beabsichtigt, das Altargemälde wieder in der Schlosskapelle aufzuhängen. Derzeit ist es beim Restaurator. Die Aufregung kann Stefan Bäuerle, Geschäftsleiter der Gemeinde, nicht verstehen: „Wir sehen das etwas gelassener als die Kläger.“

Das barocke Gemälde ist das bedeutendste Ausstattungsstück des Gotteshauses. Johann Rudolf Freiherr von Wämppl kaufte es 1700 für den Kapellenraum im ersten Stock des Schlosses. Ab 1834 war Herzog Max in Bayern, Sisis Vater, Herr von Possenhofen. Er ließ eine neue Kapelle erbauen und das Altarbild darin aufhängen. Im Jahr 2006 schenkte die Familie, der das Schloss von 1952 bis 1982 gehörte, der Gemeinde das Gemälde für die Schlosskapelle.

Nina Gut

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