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Auf den Spuren des Christentums

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Istanbul heißt die Stadt, die den Orient mit dem Okzident verbindet. Der Freundeskreis Kloster Andechs begab sich dort fünf Tage lang auf die Spuren des Christentums und Islam.

Istanbul/Landkreis - Istanbul heißt die Stadt, die den Orient mit dem Okzident verbindet. Der Freundeskreis Kloster Andechs begab sich dort fünf Tage lang auf die Spuren des Christentums und Islam.

Langsam geht die Sonne über der Hagia Sophia auf. Die Möwen segeln um ihre vier Minarette über die Köpfe der Straßenverkäufer hinweg. Frische Sesamkringel mit Käseaufstrich oder heiße Kastanien verkaufen sie den Passanten, die zur Arbeit eilen. Auch die Istanbulreisegruppe des Freundeskreises Kloster Andechs ist schon auf den Beinen - denn sie hat eine Audienz beim ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. in Istanbul.

Als Dank für den herzlichen Empfang schenkt Toni Aigner, der zweite Vorsitzende des Freundeskreises, dem Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche die sechs Publikationen des Freundeskreises. Erfreut über die Bücher sagt Bartholomäus I. scherzhaft: „Ich bin froh zu wissen, dass es auch in Bayern einen Heiligen Berg gibt.“ Anschließend erklärt er in einem etwas ernsthafteren Ton, dass „wir uns besonders über ihren Besuch freuen, weil sie eine Brücke zwischen uns und Europa bauen“.

Bilder von der Exkursion

Eine Brücke, die für das Christentum in der Türkei wichtig ist. „Seitdem der türkische Staat 1971 unser Priesterseminar geschlossen hat, können wir keine Studenten mehr zu Priestern ausbilden. Es gibt auch keinen Dialog zwischen Ankara und uns“, beklagt sich Dositheos Anagnostopoulos, Erzpriester und Pressesprecher des Patriarchen. Außerdem wird der Bau von Kirchen behindert.

Dennoch gibt es einen Lichtblick: 2010 machte Ministerpräsident Tayyip Erdogan der griechisch-orthodoxen Kirche Zugeständnisse - denn diese war in ihrem Fortbestehen gefährdet. Das Problem war, dass die türkische Verfassung vorschreibt, dass der ökumenische Patriarch türkischer Staatsbürger sein muss. „Zusammen mit dem Patriarchen gibt es in der Türkei aber nur noch 14 oder 15 türkische Bischöfe, die meisten von ihnen sind schon sehr alt“, so Dositheos Anagnostopoulos. Damit war die nächste Synode, die Wahl zum Patriarchen, gefährdet, da der griechisch-orthodoxen Kirche zunehmend Teilnehmer und Kandidaten fehlten. „Angesichts dieser prekären Situation bot Tayyip Erdogan zwölf orthodoxen Bischöfen, die für uns im Ausland tätig sind, die türkische Staatsbürgerschaft an. Damit können nun auch sie an der nächsten Synode teilnehmen.“ Dass diese Zugeständnisse mit der Verbindung der orthodoxen Kirche mit Europa zusammenhängt, davon ist Anagnostopoulos überzeugt. Die Europäische Union fordert schließlich in den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei auch die Beseitigung der Diskriminierung der Christen.

Nach dem Besuch beim Patriarchen fährt die Istanbulreisegruppe weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit: der Eyüp-Sultan-Moschee. Insgesamt besichtigt die Gruppe während ihrer Reise fünf Moscheen, zwei Kirchen, zwei osmanische Paläste, zahlreiche Museen und Basare. Dabei bekommen sie einen konkreten Eindruck von Istanbul, dem Christentum und dem Islam.

„Die Audienz beim Patriarchen war für mich der Höhepunkt unserer Reise“, resümiert Toni Aigner. Nachdenklich schlendert er durch die Istanbuler Altstadt. Die Nacht ist hereingebrochen, es ist kalt. Langsam bewegt sich der Tutzinger auf einen Straßenverkäufer zu. Er kauft heißen Sahlep - ein milchartiges Zimtgetränk. Aigner nimmt einen Schluck und sagt abschließend: „Ich sehe den Islam nicht so kritisch, denn Fundamentalismus gibt es auch im Christentum. Als leidenschaftlicher Europäer trete ich deshalb weiterhin für die Aufnahme der Türkei in die EU ein.“

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