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Seeblick, Zimmeranzahl im zweistelligen Bereich und ein parkähnlicher Garten – der Freistaat Bayern verkauft zwei Schlösser am Starnberger See. Wer kommt als Käufer in Frage?

Wer soll das bezahlen?

Freistaat verkauft zwei Schlösser am See

München - Seeblick, Zimmeranzahl im zweistelligen Bereich und ein parkähnlicher Garten – der Freistaat Bayern verkauft zwei Schlösser am Starnberger See. Wer kommt als Käufer in Frage?

Es sind, zu diesen Worten lässt sich Dieter Knauer hinreißen, schon „zwei echte Sahnestückchen“, die er da seit kurzem im Angebot hat. Zwei Zimmer, Küche, Bad – von wegen. Echte Luxus-Immobilien. Knauer ist Geschäftsführer von „Immobilien Freistaat Bayern“ und verkauft für seinen Chef, den Finanzminister, Baugrundstücke, Wohnungen, Häuser, Villen – oder wie jetzt Schlösser.

Zwei Prachtstücke, beide liegen am Ostufer des Starnberger Sees, nur durch kleine Straßen vom Ufer getrennt. Und jedes ist wohl einen zweistelligen Millionenbetrag wert, auch wenn um den angepeilten Preis bislang ein Staatsgeheimnis gemacht wird. Wer bis zum Stichtag Ende August am meisten bietet, bekommt den Zuschlag für die „Liebhaberobjekte“.

Einmal ist da das Schloss Unterallmannshausen in Berg. Bescheidene Nutzfläche: 915 Quadratmeter. Grundstück: 20 000 Quadratmeter. Einst residierte darauf die Grafenfamilie von Hörwarth zu Hohenburg. Der viergeschossige Flügelbau, wie er heute erkennbar ist, wurde von dem Bernrieder Caspar Feichtmayr gestaltet – ein Schwergewicht in der Baumeister-Szene des 17. Jahrhunderts. Es folgten neue Besitzer, Umbauten, im Zweiten Weltkrieg kaufte der Freistaat das Schloss.

Seit 1969 vermietet der zuständige Finanzminister das Prunkstück an die freie Glaubensgemeinschaft „Wort des Lebens“ (WdL). Die veranstaltet auf dem Gelände zum Beispiel Freizeiten für Kinder. Allein im viergeschossigen Hauptgebäude mit West-Terrasse und umlaufendem Balkon gibt es mehr als 30 Zimmer. Im neueren Nebengebäude (von 1920) eine Sauna, Bäder, einen 200 Quadratmeter großen Saal mit Bühne. Und dann noch die großzügige Parkanlage, mit Teich und Sportplätzen. Mietpreis? Kein Kommentar von „Wort des Lebens“.

Das zweite Schloss ist die Seeburg bei Münsing, ehemaliges Schloss „Biberkor“ des Münchner Bauunternehmers Heinrich Hoech – es sieht ein bisschen aus wie eine Miniaturausgabe von Schloss Neuschwanstein. Die Seeburg, Baujahr 1889, ist ebenfalls von WdL angemietet. Über den Mietpreis für die burgartige Anlage mit Erkern, Türmchen, Bergfried, Schlosskapelle und Nebengebäuden auf dem 31 000 Quadratmeter großen Grundstück schweigt man sich ebenfalls aus. Am liebsten würde die Glaubensgemeinschaft einfach in beiden Schlössern bleiben, auch den Gemeinden wäre das recht. Aber weil die Gebäude für den Freistaat seit Jahren ein Zuschussgeschäft sind, beschloss man den Verkauf. Ende 2013 müssen die Mieter raus – „wohin“, sagt eine Sprecherin, „ist noch völlig unklar“. Man werde in jedem Fall ein Gebot abgeben. Ob das Vermögen der über Spenden finanzierten Organisation reicht, sei fraglich.

Nun stellt sich natürlich die Frage, wer für diese Luxus-Objekte bieten wird. Jedes Schloss hat nämlich den einen oder anderen Pferdefuß. Der bauliche Zustand ist laut Beschreibung gut, Wärmedämmung gibt es aber keine. Beide Grundstücke liegen im baurechtlich komplizierten Außenbereich und Landschaftsschutzgebiet, die Zubringerstraßen sind nur bedingt befahrbar – und die Gemeinden wollen mit allen Mitteln verhindern, dass dort viel Verkehr aufkommt.

Während Stephan Lanzinger, Bauamtsleiter in Münsing, sich in der Seeburg ein Hotel oder eine Privatklinik vorstellen kann, lehnt der Berger Bürgermeister Rupert Monn das für Unterallmannshausen ab. Sogar für eine private Nutzung macht die Gemeinde Vorschriften: Maximal zwei Familien sollen einziehen – mehrere Wohnungen würden zuviel Verkehr erzeugen.

Trotz der Einschränkungen ist sich Knauer von „Immobilien Freistaat Bayern“ sicher, dass die Schlösser kein Ladenhüter werden. Noch sind die Objekte nur auf dem deutschen Markt ausgeschrieben, als Käufer kämen aber auch superreiche Ausländer in Frage. „Wir hatten schon vor der Ausschreibung mehrere Interessenten“, sagt er. Welche – bis Ende August bleibt auch das ein Geheimnis.

Von Carina Lechner

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