Kein Baum, kein Strauch ist beidseits des Bahndamms an der Wielinger Straße in Feldafing stehen geblieben. Andrea Kuhse mag ihren Augen kaum trauen. Foto: Jaksch

Bahn bringt mit Fällaktion Bürger gegen sich auf

Feldafing - Die Deutsche Bahn bringt mit ihren Rodungsarbeiten zwischen Starnberg und Tutzing die Bevölkerung gegen sich auf auf. Viele reden von Kahlschlag und miserabler Informationspolitik.

Andrea Kuhse starrt auf die Bahngleise. Regungslos steht die Feldafingerin mit ihrem Einkaufskorb am Feldweg, der von der Wielinger Straße in Richtung Bahnhof führt. „Ich bin geschockt“, sagt sie. „Diesen Kahlschlag habe ich nicht erwartet.“ Jedes Mal, wenn Andrea Kuhse zum Einkaufen geht, nimmt sie den Feldweg entlang der S-Bahn-Strecke. Doch wo sie früher Eschen, Ahornbäume und Haselnusssträucher vor dem Lärm der Züge geschützt haben, steht heute nichts mehr.

Auch Nandl Schultheiß (CSU) ist über die Vegetationsarbeiten der Deutschen Bahn entsetzt. „Es bricht mir das Herz“, sagt die Gemeinderätin. Noch bis zum kommenden Montag, 2.40 Uhr, werden zwischen Starnberg und Tutzing entlang der Gleise Bäume gefällt und Gehölz zurückgeschnitten. Damit soll verhindert werden, dass keine Bäume und Äste in die Leitungen fallen und den Bahnverkehr unterbrechen. „An Allerheiligen haben sie mitten im Ort schon um sieben Uhr in der Früh angefangen zu sägen“, ärgert sich die Gemeinderätin.

Die Deutsche Bahn vesucht zu beschwichtigen. „Die 60 Mitarbeiter haben nur vier Tage. Deshalb müssen wir von früh bis in die Nacht arbeiten“, sagt ein Bahn-Sprecher. Die Beschwerden der Anwohner, dass die Maßnahmen zu drastisch seien und man sie vorher darüber hätte informieren sollen, versteht der Sprecher nicht. „Wir kehren mit unseren Fällarbeiten zu dem Zustand zurück, der früher schon da war. Der Bereich wurde nur schon länger nicht mehr gesäubert“, erklärt der Pressesprecher. „Außerdem haben wir das Landratsamt und die Gemeinden über unsere Aktion informiert. Die hätten die Information über die Gemeindeblätter an die Bürger weiterleiten sollen.“

Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. „Da macht es sich die Bahn zu einfach. Hätte ich da von Haus zu Haus gehen sollen?“, ärgert er sich. Außerdem habe die Gemeinde nicht mal einen detaillierten Zeitplan.

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