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Festivalleiter Matthias Helwig freut sich über den immer größer werdenden Besucherzuspruch.

Völlige Unabhängigkeit: Das Fünf-Seen-Filmfestival in Starnberg, Seefeld und Herrsching bietet über 140 Produktionen

Stars im Biergarten

Landkreis - Zugegeben: Neben dem glamourösen Münchner Filmfest wirkt es immer noch ein wenig ländlich. Doch das Fünf-Seen-Filmfestival (FSFF), das am Donnerstag mit „Omamamia“ in Starnberg eröffnet wird, hat sich nach nur fünf Jahren etabliert in der deutschen Film-Szene, aber auch beim Publikum.

Laut dem Branchendienst „German Films“ gehört es zu den „am schnellsten wachsenden Filmfestivals Deutschlands“. 12 000 Besucher hat Festivalleiter Matthias Helwig, 52, im vergangenen Jahr begrüßt, heuer sollen es mehr werden.

Der Chef der Breitwand-Kinos (mit den Spielorten Starnberg, Seefeld und Herrsching) hat den Anspruch, seinem Publikum „die besten Filme der Welt“ zu zeigen. Diesmal hat er über 140 Produktionen aus über 20 Ländern im Programm, darunter acht Deutschland-Premieren und drei Welt-Premieren. Zu letzteren zählt auch „Omamamia“. In der Komödie von Tomy Wigand spielt Marianne Sägebrecht eine Rentnerin, die es statt ins Altersheim nach Rom zieht, zum Papst, dem sie eine Jugendsünde beichten möchte. Sägebrecht und Wigand werden zur Eröffnungsfeier ab 18.30 Uhr in der Schlossberghalle erwartet, ebenso die Schauspieler Annette Frier und Ulrich Tukur.

Das FSFF konzentriert sich auf die Alpenländer Deutschland, Österreich und die Schweiz, oder, wie Helwig sagt, „auf die Region zwischen Donau und Adria“. Eines wird er dabei nicht müde zu betonen: seine Unabhängigkeit. „Es gibt niemanden, der mir sagt, dass ich noch den und jenen Streifen von dem und dem Fernsehsender zeigen muss.“ Man darf in dieser Aussage gerne einen Seitenhieb auf das Münchner Filmfest sehen. Helwig sagt, es sei für ihn „nicht so relevant“, weil er hier keine neue Ware mehr für das Fünf-Seen-Festival finde. „München ist ja der deutsche Abspieler von Cannes. Das Filmfest zeigt Filme, die dort schon liefen und im Herbst ohnehin ins Kino kommen. Das will ich nicht kopieren.“ Wie auch?

„Omamamia“: Mit der Uraufführung dieses Werks, in dem Marianne Sägebrecht zu erleben ist, wird morgen in Starnberg das Festival eröffnet.

Das FSFF mag zwar das zweitgrößte Festival in Bayern sein, es fehlt ihm aber (noch) an internationalem Renommee. Helwig: „Die Realität sieht doch so aus: Qualitativ hochwertige Filme suchen sich das größtmögliche Festival für ihre Premiere, sie laufen dann vielleicht noch ein-, zweimal, sagen wir, auf der Berlinale, das war’s dann – für ganz Deutschland, wenn die Filme keinen Verleih finden. Das ist absurd und schade und einer der Gründe, warum ich das Festival mache: Damit diese Filme, die wohl nie ins Kino kommen, doch noch ein Publikum finden.“ Ein Konzept, das nicht zuletzt von der Branche honoriert wird. Anders ist nicht zu erklären, dass Matthias Helwig Jahr für Jahr prominente Filmschaffende aufs Land lockt.

Tom Tykwer, Volker Schlöndorff, Armin Müller-Stahl, sie alle waren in den vergangenen Jahren seine Gäste. Ulrich Tukur, heuer offiziell der „Ehrengast“ und für Helwig ein „Aushängeschild des deutschen Films in der Welt“, bleibt gleich vier Tage. Am Freitag, 19.30 Uhr, ist ein Diskussionsabend mit ihm in der Starnberger Schlossberghalle geplant, gezeigt wird dabei „Séraphine“ sowie ein zehnminütiger Ausschnitt aus seinem neuen Streifen „Headhunter“. Neben ihm darf Helwig aber einen weiteren Star begrüßen: Martina Gedeck. Sie kommt am Sonntag, um die Literaturverfilmung „Hinter der Tür“ (19.30 Uhr, Schlossberghalle) vorzustellen. Auch Joseph Vilsmaier fährt nach Starnberg, um „Bavaria“ zu präsentieren.

Es gibt nämlich noch einen ganz anderen Grund, warum sie alle gerne ins Fünf-Seen-Land kommen, sagt Helwig: „Ich denke, dass die Atmosphäre hier viel ausmacht, die fühlen sich hier wohl. Sie wissen, dass sie nicht andauernd Interviews geben müssen, dass sie sich in einen Biergarten setzen können, ohne dass ihnen jemand auflauert.“

Infos:

26. Juli bis 5. August in Starnberg, Seefeld und Herrsching; Karten, acht Euro, über Internet oder die Kinos erhältlich; www.fsff.de.

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