An dieser Stelle befand sich einst der Weiler Enzenhofen. Jutta Göbber führt die Teilnehmer des nächsten vergnüglichen ortshistorischen Spaziergangs auch dort vorbei. Foto: Jaksch

Spaziergang durch Inning

Auf der Suche nach verschwundenen Orten

Inning - Der Verein Heimatgeschichte Inning führt regelmäßig Spaziergänge auf den Spuren der Geschichte. Beim nächsten Mal werden auch verschwundene Weiler aufgesucht.

Zwischen Andechs und Herrsching gab es einmal einen Ort mit dem Namen Ramsee. Experten sind der Ansicht, dass der Ort einem Feuer zum Opfer gefallen ist. An ihn erinnert heute nur noch ein Gedenkstein, mit dem Hinweis, dass das letzte Haus - die Kirche - 1864 abgerissen wurde. An Enzenhofen erinnert heute nichts mehr - abgesehen vom Verein Heimatgeschichte Inning, der in seinem nächsten vergnüglichen ortshistorischen Spaziergang die Geschichte dieses alten Inninger Weilers aufleben lässt.

Enzenhofen ist eine Station auf dem Spaziergang „Von Inning nach Bachern“, zu dem der Heimatverein für den Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 8. September, einlädt. Der Weiler ist in den Akten als „abgegangen“ vermerkt. Also verschwunden - wie Ramsee. Allein der Straßenname Enzenhofer Weg in Inning erinnert noch an ihn.

Die Enzenhofer Straße führt ortsauswärts zu einem Feldweg Richtung Bachern, erklärt die Vorsitzende des Heimatvereins, Jutta Göbber. Auf der Anhöhe befindet sich zur Rechten ein Aussiedlerhof, links - etwas unterhalb - steht das ehemalige Anwesen des Komponisten Werner Egk. Deutlich ist auf dieser Seite eine verhältnismäßig ebene Gelände-Terrasse sichtbar, die sich in Ost-West-Richtung parallel zum weiter unten fließenden Inninger Bach erstreckt. „Auf dieser Terrasse befand sich Enzenhofen“, weiß die Heimatforscherin Jutta Göbber. Dort soll auch die Dorfstraße von Bachern über die Obermühle nach Inning einmal verlaufen sein.

Die älteste Erwähnung des ehemaligen Weilers stammt aus dem Jahr 1362. Im Urbar von Kloster Dießen ist eine „Hube in Enzenhofen“ verzeichnet. Darüber hinaus gibt es eine Urkunde aus dem Jahr 1376, in der der Verkauf Enzenhofens durch die Greifenberger an den Münchner Patrizier Hans Katzmair erwähnt wird. Zwei Gehöfte wechselten damals zusammen mit einer Leibeigenen namens Agnes den Besitzer. In anderen Urkunden aus der Folgezeit, die Innings wohl leidenschaftlichster Heimatforscher Robert Volkmann „ausgegraben“ hat, sind nurmehr zwei Anwesen genannt. Diese werden 1433 in einer Tauschurkunde als „baufällig, öd und verwachsen“ beschrieben. Danach verlieren sich die Spuren des Weilers.

Bisher nahmen die Heimatforscher an, dass der Weiler 200 Jahre später, im Dreißigjährigen Krieg, „abging“. Möglicherweise verschwand der Weiler aber schon vorher? Die Grafen Törring erwarben 1648 auf jeden Fall nur noch eine Feldflur Enzenhofen. Von Gehöften ist in der Kaufurkunde keine Rede mehr.

Auf dem Acker, auf dem der kleine Weiler gelegen haben soll, tauchen bis heute nach dem Pflügen dann und wann alte Scherben auf. Ob sie allerdings Enzenhofen zugeordnet werden können, ist nicht nachgewiesen.

Vergnüglicher ortshistorischer Spaziergang:

„Von Inning nach Bachern“ geht es am Sonntag, 8. September, mit dem Heimatverein Inning. Außer nach Enzenhofen geht es unter anderem ins Osterholz zu den Hügelgräbern aus der Hallstattzeit, ins „Lärchenwäldchen“ mit seinen Geschichten und zu merowingischen Funden in Bachern. Los geht es um 10 Uhr. Treffpunkt ist das Rathaus in Inning. Der Spaziergang dauert etwa drei Stunden. Im Gasthof Alter Lautenbacher Hof in Bachern bietet sich am Ende eine Einkehrmöglichkeit.

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