Ein Prost auf Frauen Union und CSU: (v.l.) Ulrike Schweyer, Angelika Knülle, Gerhard Knülle, Friedrich Schweyer, Rosa Strenkert und Hannelore Doch. foto: svJ

"Verantwortliches Handeln statt Pessimismus angesagt"

Herrsching - Zum dritten Mal hat die CSU Herrsching zusammen mit der Herrschinger Frauen Union zum Neujahrsempfang als Gastredner einen hochrangigen Vertreter der Gesellschaft eingeladen.

Rund 130 geladene Gäste – Mitglieder der Ortsgruppe, Landespolitiker und Freunde der CSU – waren am Donnerstagabend in den Kultursaal des Andechser Hofes gekommen.

Friedemann Greiner, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, setzte sich als Gastredner mit dem Thema „Christliche Politik zwischen Fundamentalismus und Beliebigkeit“ auseinander. Die Gründerväter der politischen Nachkriegsgeneration hätten in der Präambel die Erfahrungen mit Fundamentalismus – Kommunismus und NS-Diktatur – erkannt, und die Verantwortung der Politiker vor Mensch und Gott im Grundgesetz institutionalisiert, so Greiner. Dennoch scheine es heute, als sei die christliche Politik gescheitert.

Eine Art „Schockstarre“ am Ende des vergangenen und am Anfang des neuen Jahres habe die Menschen erfasst mit der Erkenntnis, dass „Wohlstandsmehrung“ nicht ins Unendliche wachsen könne. „Die bestehende Ordnung pervertiert zum Fundamentalismus und die Freiheit zur Beliebigkeit“, mahnte Greiner. Noch in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts sei die Gesellschaft sehr viel homogener gewesen. „Es gab gefestigte Familienstrukturen und einen großen Wertekonsens.“ Das soziale Milieu sei vorgegeben gewesen, die Menschen in der Gesellschaft „verortet“.

Das gesellschaftliche Leben heute sei dagegen „vielfältiger“ geworden. Es gebe viele Religionen, viele unterschiedliche Lebensstile und einen enormen Zuwachs an Freiheit, der bis zur Beliebigkeit führe. Das verunsichere die Menschen, die Ordnung nehme ab, die Orientierung gehe verloren, die Überforderung nehme zu.

Das sei die Zeit der „Gurus“, sagte Greiner. Diese wüssten immer, wo es langgeht und fänden deshalb vermehrt Zulauf. Und genau dort liege die Gefahr, dass die Verhältnisse wieder umschlügen in Diktatur und Fundamentalismus. Die „Fragmentierung“ der Gesellschaft aber müsse verhindert werden. Zwar gebe es sehr wohl berechtigte Einzelinteressen, die Freiheit des Einzelnen aber ende dort, wo die Freiheit des Anderen ausgehebelt werde. Dennoch sei nicht Pessimismus angesagt, sondern verantwortliches Handeln gefordert.

Gerhard Knülle bekräftigte in seinem Schlusswort die Botschaft des Gastredners: „Die Gesellschaft muss sich ethisch neu ausrichten“, sagte er. Und: Dies sei die letzte Veranstaltung gewesen, die er als Vorsitzender organisiert habe. Bei den Neuwahlen im März werde er für kein Amt in der Partei mehr zur Verfügung stehen.

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