Verunglückter Fahrgast sucht seine Lebensretter

Tutzing - Ohne Hilfe hätte ein Tourist am Bahnhof Tutzing womöglich sein Leben verloren. Aufmerksame Fahrgäste haben dem Mann in letzter Sekunde geholfen. Nun sucht er seine Retter.

Mit einer Anzeige im Starnberger Merkur hofft Wolfgang Eisterlehner (65) die Menschen zu finden, die ihm zur Seite standen. „Ich möchte mich bei ihnen bedanken. Alleine wäre ich nie rausgekommen. Ich habe Glück im Unglück gehabt.“

Der Frankfurter hatte mit seiner Frau eine Busreise an den Starnberger See für den Jahreswechsel gebucht. Der Ausflug gestaltete sich bald ganz anders als geplant. Am Nachmittag des 30. Dezember wollte Eisterlehner um 17.20 Uhr am Gleis 3 in die Regionalbahn Richtung Bernried steigen. Da passierte es: Der Tourist fiel zwischen Bahnsteig und Zug.

„Ich stand in der Mitte des Bahnsteigs, wo es kaum beleuchtet war. Ich habe einfach nicht gesehen, dass zwischen mir und der Bahn eine fast ein Meter breite Lücke war.“

Der Schock war groß, als der 65-Jährige zwischen Waggon und Bahnsteig komplett feststeckte und sich alleine nicht aus der misslichen Lage befreien konnte. Glücklicherweise waren die Fahrgäste, die im Abteil saßen, gleich zur Stelle.

„Da waren ungefähr fünf, sechs Leute, die versucht haben mich rauszuziehen. Einige hatten den Schaffner verständigt, damit der Zug nicht weiterfährt.“

Mehrere Minuten dauerte es, bis die Helfer Eisterlehner rausgezogen hatten. Ständig blieb er mit seinen Beinen irgendwo hängen, an Teilen der Bahn, am Gestänge, zuletzt an einem Nagel. Für Eisterlehner eine schreckliche Situation: „Ich hatte Todesangst. Immer habe ich gedacht, du musst so schnell wie möglich raus, bevor die Bahn weiterfährt.“

Als er endlich wieder auf dem Bahnsteig stand, waren Hose, Jacke und Schuhe zerfetzt und seine Beine voller Schürfwunden. „Ich hatte wahnsinnige Schmerzen und meine Beine waren blutig. Die Leute, die mir geholfen haben, wollten gleich einen Rettungswagen rufen, aber ich wollte ins Hotel zu meiner Frau“, berichtet Eisterlehner. Erst im Hotel wurde ihm bewusst, dass er ernsthaft verletzt war.

Noch am selben Abend kam der Frankfurter ins Tutzinger Krankenhaus, wo er am Bein operiert wurde. Bis zum 5. Januar musste er dort bleiben. Noch heute verspürt der Frankfurter beim Auftreten Schmerzen im rechten Bein. Aber er ist dankbar und sieht dennoch den positiven Aspekt: „Es hätte noch viel schlimmer kommen können.“

Silvia Ihring

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