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Revierförster Markus Noack begutachtet die Schäden im Wald bei Unterbrunn.

Nach dem Sturm

Verwüstungen im Landkreis: „Sabine“ und ihre Folgen für die Wälder

Sturmtief „Sabine“ hat auch in den Wäldern gewütet. Zwar verursachte er im Vergleich zu anderen Stürmen weniger Schaden, dennoch wird das Aufräumen für Förster und Waldarbeiter ein Wettlauf gegen die Zeit. Vom Waldspaziergang raten sie weiterhin ab.

Landkreis – Es sind Bilder der Verwüstung: Zwischen Söcking und Hadorf hat Sturmtief „Sabine“ eine Schneise in den Wald gefegt, in Herrsching ist ein Teil der berühmten Silberweide an der Seepromenade umgestürzt – und auch im Wald nahe Unterbrunn liegen Stämme am Boden, versperren Baumstümpfe, dicke Äste und lange Zweige den Weg.

„Dass die Bäume an Stellen wie hier dem Wind nicht standhalten können, ist bekannt“, sagt der Gautinger Revierförster Markus Noack und begutachtet das Sturmholz. Bei Unterbrunn ist der Waldbestand aufgerissen, sodass Bäume nicht mehr gut geschützt sind. Wenn es dann stürmt, stürzen diese Bäume als erste um. „Mit Einzelwürfen wie diesen sind wir aber relativ glimpflich davongekommen“, sagt Noack. „Es hätte viel schlimmer kommen können“, betont er mit Blick auf Orkan „Niklas“ aus dem Jahr 2015.

Von der Silberweide an der Seepromenade in Herrasching ist ein Teil abgerissen.

Vor allem Fichten zählen zu den Windwürfen im Landkreis. Armin Elbs, Forstdirektor bei der Unternehmensverwaltung Graf Toerring in Seefeld, berichtet außerdem von umgestürzten Eschen und Buchen. Das genaue Ausmaß der Schäden konnte bisher noch nicht erfasst werden. Anton Bernhard, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Starnberg schätzt, dass die Schäden durch „Sabine“ knapp zehn Prozent der Verwüstung durch „Niklas“ ausmachen. Aber: Die vielen Einzelwürfe erschweren die Aufräumarbeiten.

Angst vor Borkenkäferschäden steigt

In den Wald zwischen Hadorf und Söcking hat Sturmtief „Sabine“ eine regelrechte Schneise geschlagen. Wegen der Aufräumarbeiten war zu Anfang der Woche auch die Verbindungsstraße gesperrt.

Elbs geht bei sich im Gebiet von ungefähr drei Wochen aus, die er fürs Aufräumen benötigt. Es gilt, schnellstmöglich alle Schäden ausfindig zu machen. „Die Würfe müssen aufgearbeitet werden, damit sie im Frühjahr keine Brutstätte für Borkenkäfer bieten“, erklärt Bernhard. Förster Noack spricht sogar von einem „Kreislauf“, der drohen könne: Der Sturm verursacht Windwürfe, von denen nicht alle aufgearbeitet werden können. Daraufhin nutzt der Borkenkäfer das Sturmholz als Brutstätte und fängt im Frühjahr an, Löcher in gesunde Bäume zu bohren. Dies wiederum verringert die Widerstandsfähigkeit der Baumstämme bei Wind. Zudem sind während der Trockensommer in den vergangenen Jahren viele Feinwurzeln abgestorben, was den Halt der Bäume im Boden schwächt. Beide Faktoren sorgen dafür, dass Bäume anfälliger werden bei Stürmen, umstürzen, und teilweise wieder als Brutstätte für Borkenkäfer dienen.

Durch die Borkenkäferplagen und die Trockensommer der letzten Jahren hat die Holzwirtschaft zudem starke Einbußen verbuchen müssen. „In den letzten fünf Jahren ist der Holzpreis gesunken“, erklärt Bernhard. „Dadurch haben die Waldbesitzer das Nachsehen, wenn es darum geht, mit dem Verkauf des Holzes die Kosten der Aufräumarbeiten zu decken.“. Armin Elbs sieht diese Entwicklung ebenfalls kritisch. „Durch jedes weitere Aufkommen von neuem Katastrophenholz wird die Krise der Forstwirtschaft weiter verstärkt“, sagt er. Wie es um weitere Stürme, den Holzpreis und den baldigen Borkenkäferflug steht, bleibt ungewiss.

Von Waldspaziergängen wird derzeit abgeraten

Einigkeit besteht aber darin, aktuell von Waldspaziergängen abzuraten. Markus Noack spricht von großen Ästen, die noch aus Baumkronen befreit werden müssen, sowie von Bäumen, die in andere reingefallen sind und nun weiter umstürzen könnten. Der Förster rät, vor allem bei anhaltendem Wind, den Wald zu meiden. Das gilt vor allem am Wochenende, wenn es zwar frühlingshaft mild, aber erneut stürmisch werden soll. Waldbesitzern rät Noack, Fachleute für die Aufräumarbeiten hinzuzuziehen. Denn: „Sturmholz steht unter Spannung. Das ist nicht ungefährlich.“

von Alice Beckmann-Petey

Alle Informationen zum Sturmtief und den Schäden lesen Sie hier.

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