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Die Polizei rät dringend davon ab, sich eine Schreckschusspistole, wie sie auf diesem Bild zu sehen ist, ins Nachtkästchen zu legen.

Sicherheit

Waffenschein mit Risiken und Nebenwirkungen

Die hohe Zahl an Einbrüchen, Vergewaltigungen in der Region, Terroranschläge – das Sicherheitsgefühl der Landkreisbürger hat massiv gelitten. Das spüren Polizeibeamte ebenso wie das Landratsamt. Die Antragszahl für kleine Waffenscheine ist im vorigen Jahr regelrecht explodiert.

Landkreis – Es geht nicht um Fakten, sondern um Gefühle: Die Zahl der Menschen im Landkreis Starnberg, die sich unsicher fühlen, steigt. Das zeigt sich bei vielen Gelegenheiten: Veranstaltungen zur Sicherheit sind so voll, dass die Plätze im Saal nicht mehr reichen wie jüngst bei den Bergspektiven in Berg – und die Zahl der Kleinen Waffenscheine erreicht Rekordwerte. Dabei nimmt die Zahl der Einbrüche nicht überall zu.

An einer Zahl lässt sich das Unsicherheitsgefühl in Teilen der Bevölkerung festmachen: 648. So viele Kleine Waffenscheine sind registriert. Die Bedeutung der Zahl wird erst in Verbindung mit einer anderen deutlich: 251. So viele Anträge auf einen Kleinen Waffenschein wurden im Jahr 2016 gestellt – dreimal mehr als 2015 und fast zehnmal mehr als 2014. Die Gesamtzahl hat sich damit im vorigen Jahr um mehr als 60 Prozent erhöht. Bis Mitte Januar ging fast jeden Tag ein Antrag ein.

Als Grund geben viele an, Angst vor Einbrüchen zu haben – die Gas- oder Schreckschusspistole im Nachtkastl hilft dagegen jedoch kaum, eher im Gegenteil. Die Polizei beurteilt den Trend zu Selbstbewaffnung deswegen kritisch. Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek sieht darin eher eine Gefahr als einen Nutzen: „Der Kleine Waffenschein verhindert keine Einbrüche, weil die Täter fast immer zuschlagen, wenn niemand zu Hause ist.“

Sollte es doch zu einer Konfrontation mit einem Einbrecher kommen, kann die Schreckschusspistole zur Eskalation führen – Kriminelle sind mitunter bewaffnet, kennen sich anders als die meisten Hausbesitzer mit Waffen aus und können skrupellos agieren, wenn sie sich in die Ecke gedrängt fühlen. „Das kann lebensgefährlich werden.“ Herrschings Polizeichef Erich Schilling warnt vor einer „Scheinsicherheit“. Boris Netschjew, stellvertretender Leiter der Inspektion Dießen, hat seine Entscheidung getroffen: „Ich würde mich deswegen nicht bewaffnen“, eine Schreckschusspistole halte keinen Einbrecher auf.

Einbruchszahl nimmt zu - aber nicht überall

Andreas Ruch, Vize in der Inspektion Germering, erkennt nicht nur Einbrüche als Ursache für den Trend zur Waffe oder zum Reizgas. Er wisse von Frauen, die sich ein Reizgasspray zulegen, weil sie sich dann unterwegs sicherer fühlen. Reizgassprays fallen nicht unter den Kleinen Waffenschein und sind inzwischen sogar beim Drogerieladen erhältlich. Sexualdelikte wie die noch ungeklärten Überfälle auf Frauen in München und Rosenheim spielen sicher eine Rolle. Wer in seinem Haus eine Schreckschuss- oder Gaspistole aufbewahren will, braucht keinen Kleinen Waffenschein. Das Papier, das zum versteckten Tragen der Schreckschusswaffe berechtigt, aber nicht zum Schießen außer in Notwehr, können alle Volljährigen bekommen, die nicht vorbestraft und nicht drogen- oder alkoholabhängig sind.

Einen großen Waffenschein für scharfe Schusswaffen bekommt man in Deutschland und im Landkreis faktisch nicht: Nach Angaben von Kreissprecher Stefan Diebl gibt es neun im ganzen Kreis. Waffenscheine dieser Art bekommen beispielsweise Sicherheitsleute bei Geldtransporten.

Die Zahl der Einbrüche nimmt zu, aber nicht überall. Konkrete Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor. Bernd Matuschek hat aber einen Trend auf Basis 2015: 43 Einbrüche in Berg, Starnberg, Pöcking, Feldafing und Tutzing habe es gegeben, im ersten Halbjahr bedeutete das eine Steigerung um mehr als 50 Prozent. In Gauting gab es bis Weihnachten viele Einbrüche, seither aber kaum mehr. Mehr als 2015 werden es nach Einschätzung von Andreas Ruch auch im Bereich Gilching sein. Am Ammersee hingegen gehen die Zahlen eher nach unten. Nach einem starken Anstieg im Winter 2015/2016 seien es nun eher weniger, sagt Polizeichef Erich Schilling.

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