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Auf Natureis auf den im Winter umfunktionierten Tennisplätzen in Feldafing trug die EA Würmsee seine Spiele aus. repro: Ascher

Als noch Eishockey gespielt wurde

Landkreis - Die EA Würmsee, der ESV Herrsching und der SC Weßling spielten in den 70er Jahren vor 600 bis 800 Zuschauern.

Eishockey - da sind in der Berichterstattung im Landkreis-Sport seit Jahren nur noch die Wanderers aus Germering vertreten. Eine Mannschaft aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Warum das so ist, weiß eigentlich keiner mehr so recht. Es hat aber einen ganz einfachen Grund: Der SC Weßling wechselte einst fast geschlossen nach Germering.

Ausgerechnet Weßling, jener Verein, für den die einzigen Nationalspieler aus dem Landkreis Starnberg spielten: Toni und sein bekannterer Bruder Wilhelm Edelmann, von allen nur „Witschi“ genannt. Er war Torhüter, Deutscher Meister (mit Bad Tölz) und später Bundesliga-Schiedsrichter. Eishockey war sein Leben, er pfiff unter anderem 1957 bei der WM in Moskau. Er betrieb 40 Jahre seinen Getränkemarkt am Bahnhof und starb im August 2010 im Alter von 79 Jahren. Die Edelmann-Brüder waren mit dabei, als Weßling 1958 in der ersten Saison der neugegründeten Eishockey-Bundesliga in der höchsten deutschen Spielklasse antrat - und gleich wieder abstieg. Eine weitere Legende war Beppo Sedlmeier, der in Weßling sowohl Fußball als auch Eishockey spielte und später zum EV Landsberg in die 2. Eishockey-Bundesliga wechselte.

Eishockey hatte im Fünfseenland bis zum Ende der 70er Jahre Hochkonjunktur. Dafür sorgten vor allem drei Vereine: Landesligist EA Würmsee, ein Zusammenschluss der Eishockey-Abteilungen von Pöcking, Feldafing und Tutzing, jener SC Weßling und der ESV Herrsching. Die Rivalität war groß. Als Raimund Ressemann zum Beispiel von Weßling nach Herrsching wechselte, gab’s fast einen kleinen Volksaufstand. Und das Interesse war riesig. Zu einem Derby am Freitagabend kamen schon mal 600 bis 800 Zuschauer. Gespielt wurde ausschließlich in Natureisstadien.

In Feldafing ging die EA Würmsee auf den im Winter umfunktionierten Tennisplätzen unterhalb der Bahn aufs Eis - mit den drei Großbuchstaben EAW auf der Brust. Der Macher hieß Horst Volkmann. Er war Tag und Nacht für den Verein da, er machte das Eis, baute die Bande und fuhr sogar die Spieler zum Training, Spiel oder nach Hause. Weßlings Eisplatz lag in einer Mulde in einem Waldstück Richtung Oberpfaffenhofen, das Herrschinger „Stadion“ befand sich auf einem Areal zwischen dem alten und dem neuen Fußballplatz. Die Ammerseer spielten in den 60er Jahren in der Gruppenliga. Das war damals die dritthöchste deutsche Spielklasse.

Und dann kam der FC Bayern München, dessen erste Mannschaft von 1967 bis 1969 in der Eishockey-Bundesliga spielte: Für 15 000 D-Mark kauften die Bayern 1968 die gesamte Herrschinger Mannschaft als 1b-Team. Nikolaus Welte, Torwart Werner Hager und Georg „Johnny“ Aschbichler schafften es bei den „Roten“ sogar in den Kader der ersten Mannschaft.

Nur ein Jahr später war Schluss: Bayern-Manager Robert Schwan teilte den Spielern 1969 die Auflösung der Eishockey-Abteilung mit. Der Grund: Zu hohe Kosten. Die Stars wie der legendäre Leonhard Waitl verabschiedeten sich zu anderen Bundesligisten, die Herrschinger um Franz Sterl und Werner Hager schlossen sich der EA Würmsee an.

In der Berichterstattung des Starnberger Merkur nahm das Thema Eishockey in den 70er Jahren einen breiten Raum ein. „Herrsching überrollt Farchant“ zum Beispiel war im Januar 1968 zu lesen. Dazu die Prognose: „Der ESV scheint in diesem Jahr eine gute Truppe zu sein. In dieser Form dürfte die Mannschaft kaum zu schlagen sein.“ Reporter Paul Schmidt berichtete 1970 unter der Überschrift „Heißer Auftakt auf eisiger Fläche“ von „großem Ehrgeiz“ und einem „Sieg durch Bilderbuch-Penalty“. Der - und zwei weitere Tore - beim 8:4 der EA Würmsee gegen den MEV München gingen auf das Konto eines Sportlers, der im Landkreis eher als Fußballer bekannt ist: Helmut Pestinger tauschte in der Winterpause die Stollenschuhe mit den Eishockeystiefeln.

Auch 1976 schrieb Schmidt über Tore Pestingers, an dessen Seite damals ebenfalls ein Sportler aus einem anderen Metier wirbelte: Es war der oberbayerische Tennismeister Erwin Jäger, „der dem Spiel der Würmseer entscheidende Impulse zu geben vermag“. Das Ende des Natur-Eishockeys im Fünfseenland kam Ende der 70er Jahre. Der Aufwand wurde zu groß, die Kosten waren für die kleinen Vereine nicht mehr finanzierbar.

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